Bundestagswahl 2021

Umfrage vor dem Wahllokal: Spontan oder längst überzeugt gewählt?

BUndestagswahl 2021: Reportage in Kempten

Monika Schäfer und Wolfgang Reh nahmen gezielt die politischen Vorhaben der Parteien unter die Lupe: So stand ihre Wahl vor dem Gang zur Urne fest.

Bild: Matthias Becker

Monika Schäfer und Wolfgang Reh nahmen gezielt die politischen Vorhaben der Parteien unter die Lupe: So stand ihre Wahl vor dem Gang zur Urne fest.

Bild: Matthias Becker

Die Zahl der Unentschlossenen ist laut Demoskopen hoch wie nie zuvor. Die AZ hört sich in Kempten um, wie lange schon das Kreuz auf dem Stimmzettel feststeht.
26.09.2021 | Stand: 16:20 Uhr

Die junge Frau vor dem Eingang zu einem Wahllokal in der Innenstadt schaut auf ihre Wahlbenachrichtigung und bleibt zögernd stehen. Ob sie unschlüssig sei, was und wen sie wählen soll, wollten wir von ihr – und vielen anderen an diesem Wahlsonntag – vor Wahllokalen in Kempten wissen? „Sie entscheide sich in der Wahlkabine – nach Baugefühl“, sagt die Wählerin.

Ein paar Straßen weiter vor dem Wahllokal Schwaigwiesschule überlegt auch Wählerin Majssun Al-Hamawi, wem sie ihr Kreuz geben soll. Auch sie wähle heuer spontan, sagt sie. Ist das ein gängiges Wahlverhalten bei dieser Bundestagswahl? Wir hörten uns vor Wahllokalen um.

Noch nie seien bei einer Bundestagswahl so viele Menschen so unentschlossen bei ihrer Stimmabgabe wie heuer, haben die Demoskopen errechnet. Auch im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die Stadt Kempten und die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören, hörte man immer wieder noch am Abend vor der Wahl die Frage: „Was soll ich nur wählen?“

Für Daniel Gründler stellte sich diese Frage nicht. „Ja“, sagt der 40-Jährige, auch er habe es nicht einfach gefunden, sich zwischen den Kanzlerkandidaten zu entscheiden. Und sich intensiv mit den Wahlprogrammen zu beschäftigen, dafür habe ihm schlichtweg die Zeit gefehlt. Aber er wisse jetzt beim Gang zur Urne, wo er sein Kreuz mache.

Felix Schmid hat sich die Wahlprogramme der Parteien angeschaut.
Felix Schmid hat sich die Wahlprogramme der Parteien angeschaut.
Bild: Matthias Becker

Auch Barbara und Felix Schmid sind mit einer klaren Wahlentscheidung in die Wahlkabine gegangen. Das Rentnerpaar hat sich genau die seitenlangen Wahlprogramme durchgeschaut und sich in den verschiedenen Medien über die Vorhaben der einzelnen Parteien informiert. Was sie jetzt von einer neuen Regierung erwarten? Auf jeden Fall, dass auch das Rentensystem grundlegend erneuert wird, damit junge Menschen eine anständige Rente bekommen.

Emanuel Hofbauer ging mit einer klaren Meinung in die Wahlkabine.
Emanuel Hofbauer ging mit einer klaren Meinung in die Wahlkabine.
Bild: Matthias Becker

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Mit Blick auf das Wahlprogramm hat auch Emanuel Hofbauer seine Stimme abgegeben. Der 36-Jährige war sich schon lange gewiss, wen er wähle. Und er habe sich seine Wahl dann nochmals durch den Wahl-O-Mat absichern lassen.

Die Themen: Rente, Wohnen und Klimaschutz

Gezielt auf die politischen Vorhaben im Wahlprogramm der einzelnen Parteien haben dagegen Monika Schäfer (61) und Wolfgang Reh (59) gesetzt. Und sie haben sich in Wahlsendungen informiert. Als künftige Rentner und mit Blick auf die jungen Menschen würden sie sich eine grundlegende Änderung des Rentensystems wünschen, in das alle einzahlen sollen. Aber auch im Wohnungsbau müsse mehr getan werden: „Was nutzt eine gute Rente, wenn sie für die Wohnung drauf geht?“ Wem sie deshalb ihr Kreuz geben, „wussten wir schon lange“, sagen die beiden.

Doris Weber wählte nach eigenem Empfinden.
Doris Weber wählte nach eigenem Empfinden.
Bild: Matthias Becker

Ihre Entscheidung vor dem Gang zur Urne getroffen hat auch Doris Weber (61). Die Verwaltungsangestellte habe sich ihre eigene Meinung gebildet, sagt sie, und wähle auch nach eigenem Empfinden. Wichtig sei ihr künftig vor allem eine Verbesserung der Wohnsituation, aber auch ein besseres Rentensystem und Klimaschutz.

Was Wähler erwarten? "Wahlversprechen einhalten"

Janine Sommer und Fabian Maurus setzen auch auf den Wahl-O-Mat.
Janine Sommer und Fabian Maurus setzen auch auf den Wahl-O-Mat.
Bild: Matthias Becker

Den Blick auf die Rente haben auch junge Menschen wie Janine Sommer (23) und Fabian Maurus (24). Die Erzieherin und der Elektroniker verfolgten intensiv im Laufe des Jahres die Politik. So sei ihnen auch klar gewesen, wen sie wählen – und wen nicht. Ihre Einstellung hätten sie sich dann noch einmal vom Wahl-O-Mat bestätigen lassen. Was die beiden jetzt von den von ihnen gewählten Parteien und Vertretern erwarten? „Dass diese ihre Wahlversprechen einhalten.“

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