Restauration

Vater und Sohn prüfen und stimmen 4800 Basilika-Pfeifen

Intonateure Orgelbau Lentner

Gerhard Lenter (links) und Andreas Lenter haben bereits die letzten Pfeifen in die renovierte Orgel der Basilika St. Lorenz eingesetzt. Nun beschäftigen sie sich mit der Intonierung, die bis Herbst dauern wird.

Bild: Harald Holstein

Gerhard Lenter (links) und Andreas Lenter haben bereits die letzten Pfeifen in die renovierte Orgel der Basilika St. Lorenz eingesetzt. Nun beschäftigen sie sich mit der Intonierung, die bis Herbst dauern wird.

Bild: Harald Holstein

Die Orgelbauer Gerhard und Andreas Lenter intonieren das Instrument in St. Lorenz. Diese Feinarbeit dauert Monate. Dabei geht es auch um den Originalklang

04.06.2020 | Stand: 18:27 Uhr

Betritt man derzeit die Basilika St.Lorenz in Kempten, kann man Kurioses erleben. Da erklingt ein einzelner Orgelton, den ein kurzes, nachhallendes „Ja“ beendet. Meistens kommt danach ein höherer Ton, der auf dieselbe Weise unterbrochen wird. Mehr ist von der Königin der Instrumente nicht zu hören. Denn bis Mitte November wird sie von der Orgelbaufirma Lenter umfassend restauriert und neu konzipiert.

Die Experten organisieren nicht nur die Windanlage mit den Blasebälgen neu. Sie müssen zudem jede der 4800 Pfeifen prüfen, stimmen und bei Bedarf am sogenannten Aufschnitt bearbeiten, um die Tonhöhe anzupassen.

Dabei saniert die Firma auch dieselbe Anzahl von Ventilen unter den Pfeifen und ebenso die Elektrik, da die Luftzufuhr schon lange elektromagnetisch reguliert wird. „Man glaubt das gar nicht, aber es wurde über ein Kilometer Kabel in der Orgel verlegt“, sagt der Kirchenmusiker und Organist von St. Lorenz, Benedikt Bonelli. Er freue sich, dass jetzt wieder Land in Sicht sei in diesem langen Prozess der Sanierung.

Die Planungen dafür begannen ja schon im Jahr 2012. Seit Februar 2018 wird, mit Unterbrechungen wegen der Außensanierung, an der Orgel selbst gearbeitet. Dabei konnte 80 Prozent der Substanz der 1865 von Eberhard Friedrich Walcker erbauten Orgel erhalten bleiben.

Jetzt kann schon allmählich mit der Intonation und der Gesamtabstimmung des Klanges begonnen werden, an der Gerhard Lenter und sein Sohn Andreas (33) von ihrer Orgelbaufirma aus Sachsenheim (bei Ludwigsburg) arbeiten – angesichts der vielen Pfeifen bis in den Herbst hinein.

Der 68-jährige Senior-Chef Gerhard Lenter hatte das Glück, noch bei der Nachfolgefirma des renommierten Orgelbauers Walcker aus Ludwigsburg sein Handwerk erlernen zu dürfen. Gemeinsam mit seinem Sohn Andreas richtet er den Klang wieder nach dem dunkleren, romantischen Ton aus der Mitte des 19. Jahrhunderts aus. Denn in den Jahren 1939/40 hat Josef Zeilhuber das Instrument nach einem barocken Klangbild mit sehr hellen, silbernen Tonlagen ausgestattet.

Die Rückführung der Orgel auf den Originalklang kann jedoch nur eine Annäherung sein. Denn Zeilhuber, der Orgelbauer aus Altstädten (bei Sonthofen), hatte 1939 die ursprüngliche Orgel fast um das Doppelte von 36 auf 63 Register erweitert. „Man hat die Pfeifen nach dem damaligen Klanggeschmack komplett neu angeordnet und versucht, die Pfeifen in ein Korsett zu pressen, sagt Andreas Lenter. „Aber das funktioniert so nicht, die Pfeifen wollen anders sprechen.“ Deshalb ordnen er und sein Vater die neueren Pfeifen von 1938 dem Klang von 1865 unter.

Es ist also noch viel Fingerspitzengefühl notwendig, bis sich der alte, historische Klang wieder neu entfalten kann. Mitte November ist die Einweihung der Orgel durch den neuen Bischof von Augsburg, Bertram Meier, geplant. Bis dahin ist auch der Spieltisch aus dem Jahr 1940, der erhalten werden konnte, mit allerneuester Computertechnik zur Steuerung und Vorprogrammierung der 63 Register ausgerüstet.

Kirchenmusiker Benedikt Bonelli wird dann vormittags und der Domorganist zu Speyer Markus Eichenlaub nachmittags in einem Konzert zeigen, was in der schon seit seiner Entstehung gerühmten Orgel steckt.