Vermisstenmeldung

Vermisste 16-Jährige aus Kempten ist wieder aufgetaucht

Die Polizei suchte am Donnerstag mithilfe einer Öffentlichkeitsfahndung nach einem Teenager in Kempten.

Die Polizei suchte am Donnerstag mithilfe einer Öffentlichkeitsfahndung nach einem Teenager in Kempten.

Bild: Silas Stein, dpa, Polizei (Montage)

Die Polizei suchte am Donnerstag mithilfe einer Öffentlichkeitsfahndung nach einem Teenager in Kempten.

Bild: Silas Stein, dpa, Polizei (Montage)

Das vermisste Mädchen aus Kempten ist wieder da. In welchen Fällen gibt die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung raus und wie wird gesucht?
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Von Allgäuer Zeitung
23.06.2022 | Stand: 20:08 Uhr

Aktualisiert am Donnerstag, 17.55 Uhr: Das vermisste Mädchen aus Kempten ist wieder aufgetaucht. laut Polizei wurde sie "unversehrt angetroffen". Seit Mittwochnachmittag wurde die 16-Jährige vermisst. Sie war laut Polizei auf dem Weg zu ihrer Unterkunft und wurde zuletzt am Tag ihres Verschwindens gegen 15 Uhr gesehen.

Vermisste im Allgäu: Wie geht die Polizei bei der Suche vor?

Dass um Hilfe aus der Öffentlichkeit gebeten wird, um vermisste Personen zu finden, kam auch im Allgäu zuletzt immer wieder vor. Dennoch ist das für die Beamten „das letzte Mittel“, sagt Polizeisprecher Holger Stabik. „Schließlich ist das ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.“ Zunächst werde versucht, alle anderen Optionen auszuschöpfen. Beispielsweise würden je nach Situation Krankenhäuser und Rettungswagen überprüft sowie Bus- und Taxifahrer informiert.

Gibt es konkrete Hinweise, wo sich die vermisste Person aufhalten könnte, werde dort intensiv gesucht. Dabei könnten auch zusätzliche Kräfte wie die Feuerwehr oder Hundestaffeln hinzugezogen werden. Häufig werden laut Stabik auch ältere Menschen vermisst, die an Demenz leiden. „Dann fahren wir zum Beispiel die üblichen Wege ab und prüfen die Orte, an denen sich die Person in der Vergangenheit häufig aufgehalten hat.“ (Lesen Sie auch: Allgäuer verschwindet spurlos - plötzliche Botschaft macht Angehörige sprachlos)

Die Polizei unterscheidet zwischen Lang- und Kurzzeitvermissten. „In etwa 95 Prozent der Fälle wird das Verschwinden innerhalb eines Jahres geklärt“, sagt Stabik. Meist passiere das schon in den ersten Stunden oder Tagen. Als Langzeitvermisste gelten in der Region beispielsweise etwa 30 Personen, von denen vermutet wird, dass sie in den Bergen unterwegs waren. „Der älteste Fall ist hier von 1973.“ Dazu kommen unter anderem Jugendliche, die im Rahmen der Flüchtlingswelle 2015 ins Allgäu kamen und vermutlich weitergereist sind.

Generell gilt: „Erwachsene Menschen haben sozusagen ein Recht darauf, zu verschwinden“, sagt Stabik. Aktiv werde die Polizei, wenn eine Person „den gewohnten Lebenskreis verlassen hat, der Aufenthalt unbekannt ist und eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann“. Bei Kindern und Jugendlichen ist das anders. Hier beginnt die Polizei schon mit der Suche, wenn das gewohnte Umfeld verlassen wurde und nicht klar ist, wo die Person sich aufhält.

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Hintergrund: Was tut die Polizei bei Vermisstenanzeigen?

Geben Angehörige eine Vermisstenanzeige auf, wird die Polizei zuerst versuchen, ein komplettes Bild über die vermisste Person zu bekommen.

Dazu gehören neben einer Personenbeschreibung samt Foto und einer Auflistung der mitgeführten Gegenstände auch Ermittlungen zum Umfeld:

  • Wo hält sich die Person auf?
  • Gab es Streit?
  • Einen Grund für das Verschwinden – etwa Krankheit oder Schwermut?

Dann wird über das weitere Vorgehen entschieden: Es werden Bekannte und Verwandte befragt, Wohnungen und Örtlichkeiten im Freien abgesucht. Die Polizei erkundigt sich bei Ärzten, Krankenhäusern und bei Taxiunternehmern, Bahn und Busunternehmen, ob sie die vermisste Person gesehen haben. Auch der Einsatz von Rettungsdiensten (mit Suchhunden), Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Wasserwacht sowie eine Öffentlichkeitsfahndung kommen in Betracht. Streifen und Polizeisuchhunde können eingesetzt werden, dazu Drohnen oder ein Hubschrauber.

Werden Fälle von vermissten Kindern und Jugendlichen anders behandelt als die von Erwachsenen?

Bei Kindern und Jugendlichen liegt eine sogenannte „Vermissung“ bereits dann vor, wenn ihr Aufenthaltsort unbekannt ist und sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben. Bei Erwachsenen muss noch eine Gefahr für Leib und Leben dazukommen.

Eine Öffentlichkeitsfahndung stellt gerade bei Erwachsenen hohe Anforderungen an den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Denn: Der oder die Vermisste kann in die Veröffentlichung seiner/ihrer Daten nicht einwilligen. Gerade über das Internet verbreiten sich Namen und Bilder rasend schnell. Deshalb muss die Polizei jedes Mal die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen abwägen mit den Gefahren, die ihm drohen, sollte er nicht gefunden werden.