Beitrag vervierfacht

Versicherung für Kita-Gebäude in Hegge wird deutlich teurer - wegen der Asylunterkunft nebenan

Kita Hegge mit Rosenstüberl als NAchbarhaus

Die Kita in Hegge steht neben dem Rosenstüble, das seit einiger Zeit als Unterkunft für geflüchtete Menschen genutzt wird.

Bild: Matthias Becker

Die Kita in Hegge steht neben dem Rosenstüble, das seit einiger Zeit als Unterkunft für geflüchtete Menschen genutzt wird.

Bild: Matthias Becker

Weil die Kita neben einer Unterkunft für Geflüchtete steht, wurde der Beitrag um das Vierfache teurer. Wie der Versicherer das begründet.
23.01.2022 | Stand: 22:03 Uhr

Waltenhofen hat mit der Kindertagesstätte in Hegge viel vor. Vergangenen März kaufte sie das Gebäude von der Kirche und eröffnete sich damit die Möglichkeit, die Kita zu erweitern. Wie berichtet, soll das Bestandsgebäude saniert und auf dem Grundstück gegenüber eine Krippe errichtet werden. Im Zuge des Eigentümerwechsels fiel nun auch ein Neuantrag für die Gebäudeversicherung an. Diese fällt mit einem Beitrag von 5000 Euro jährlich hoch aus. Kämmerer Udo Merk informierte darüber während der Haushaltsberatungen im Hauptausschuss und nannte auch den Grund: nebenan steht das Rosenstüble, eine Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen.

Waltenhofen ist, wie viele Kommunen in der Region, bei der Versicherungskammer Bayern versichert. Aus dem Hauptamt der Gemeinde, das für Versicherungen zuständig ist, heißt es, dass der Versicherer den Beitrag für die Gebäudeversicherung zunächst auf etwa 900 Euro berechnet hatte.

Asylunterkunft und Kita: Weniger als zehn Meter entfernt

Im entsprechenden Vertrag, der der Gemeinde dann zugeschickt wurde, musste angegeben werden, ob sich bestimmte Gebäude, darunter Asylunterkünfte, in der Nähe befinden. Der Betrag sei dadurch deutlich erhöht worden, dass das Rosenstüble weniger als zehn Meter entfernt ist, teilt eine Mitarbeiterin des Hauptamts mit. (Lesen Sie auch: Die Park-Jahreskarte für den Niedersonthofener See kostet künftig das Doppelte)

Der neue Beitrag beläuft sich nun auf knapp 3800 Euro – mehr als das Vierfache. Das Kita-Gebäude sei zweigeteilt. Für den Teil, der nicht direkt neben dem Rosenstüble steht, sei ein regulärer Beitrag von etwa 1200 Euro angesetzt worden. Zusammengenommen ergebe das die 5000 Euro, die im Haushaltsplan eingerechnet sind.

Derzeit leben etwa 50 geflüchtete Menschen in der Unterkunft in Hegge, darunter viele Familien.

Ehemaliger Besitzer profitiert von Sammelvertrag bei der Versicherung

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Der ehemalige Besitzer des Kita-Gebäudes, das Bistum Augsburg, hat offenbar deutlich weniger für die Gebäudeversicherung, zu der etwa die Absicherung von Brandschäden gehört, bezahlt. Versicherungsträger war aber ebenfalls die Bayerische Versicherungskammer.

Auf Anfrage unserer Redaktion teilt die Pressestelle des Bistums mit: „Das Gebäude war bisher über die Sammelverträge der Diözese Augsburg abgesichert. Aufgrund der großen Gebäudeanzahl der Diözese kann der Versicherer günstigere Konditionen gewähren.“

Bayerische Versicherungskammer macht keine konkreten Angaben zu Hegge

Die Bayerische Versicherungskammer möchte zum Kita-Gebäude in Hegge keine näheren Angaben machen. „Wir dürfen über konkrete Vertragsinhalte nur unserem Versicherungsnehmer gegenüber Auskunft geben“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung.

Im Allgemeinen werde der Versicherungstarif stets nach dem jeweiligen Risiko für das Gebäude ermittelt. Dabei spiele etwa die umliegende Bebauung eine Rolle, ebenso die Schadenquote. „So steigt eine Gebäudeversicherung im Preis, wenn zum Beispiel ein Reitstall, eine Gaststätte oder Diskothek angrenzt.“ So sei das Risiko eines Großbrandes in einem Reitstall höher, weil sich darin Stroh und Heu befinde.

Versicherer verweist auf Feuerschäden

Zur Situation bei Asylunterkünften verweist die Versicherungskammer auf den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): „Die Herkunft der Menschen spielt für Versicherungsschutz keine Rolle“, zitiert der Versicherer. Der Schadenaufwand liege aber deutlich höher, wenn Häuser nur kurzzeitig von wechselnden Personen bewohnt werden. Dies gelte gleichermaßen für Touristen, Montagearbeiter, Studenten oder Flüchtlinge. „So sind etwa die über Jahrzehnte hinweg erhobenen Feuerschäden bei Hotels und Pensionen fast fünfmal so hoch wie bei Wohngebäuden.“

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