Veranstaltung in Dietmannsried

Wahlkreis Oberallgäu, Kempten, Lindau: So lief die letzte Podiumsdiskussion vor der Bundestagswahl

Das Jugendparlament der Marktgemeinde lud wie schon vor vergangenen Wahlen die Direktkandidatinnen und -kandidaten im Stimmkreis 256 Oberallgäu, Lindau und Kempten zur Diskussion ein.

Das Jugendparlament der Marktgemeinde lud wie schon vor vergangenen Wahlen die Direktkandidatinnen und -kandidaten im Stimmkreis 256 Oberallgäu, Lindau und Kempten zur Diskussion ein.

Bild: Ralf Lienert

Das Jugendparlament der Marktgemeinde lud wie schon vor vergangenen Wahlen die Direktkandidatinnen und -kandidaten im Stimmkreis 256 Oberallgäu, Lindau und Kempten zur Diskussion ein.

Bild: Ralf Lienert

In der Podiumsdiskussion in Dietmannsried zeigten sich einige Teilnehmende bestürzt über eine mutmaßliche Falschaussage der AfD. Die Standpunkte im Überblick.
22.09.2021 | Stand: 18:11 Uhr

Kurz vor der Bundestagswahl wurde es noch einmal hochpolitisch in der Grund- und Mittelschule Dietmannsried. Denn das Jugendparlament der Marktgemeinde lud wie schon vor vergangenen Wahlen die Direktkandidatinnen und -kandidaten im Stimmkreis 256 Oberallgäu, Lindau und Kempten zur Diskussion ein. Vor Ort waren zehn Kandidierende.

Die Veranstaltung des „Jupa“ vermittelte diesmal weniger Partystimmung: Eine alkoholfreie Variante des Trinkspiels „Bierpong“ oder eine Runde „Dart“ gab es nicht, anders als bei Diskussionen in den Jahren zuvor. Das Jugendparlament führte das Publikum rein themenbezogen und ohne große Wortgefechte durch den Abend. Die Bewerberinnen und Bewerber positionierten sich zu Aussagen, aufgeteilt in Themenblöcke: Jugend und Bildung, Klima, Corona, Rente, Digitalisierung sowie Mobilität und Verkehr. Zudem beantworteten sie Fragen aus dem Publikum. Nicht zu jeder Aussage (Beispiele fett gedruckt) kamen alle zu Wort.

Nie wieder Lockdown? Pius Bandte ist skeptisch - so wie Dietrich Busacker bei Impfungen

Nie wieder Lockdown.“ Pius Bandte (Grüne) zufolge gehe die Aussage „komplett an der Realität vorbei“. Viren hätten es leicht, von Tieren auf Menschen überzuspringen, da immer weiter in die Natur eingegriffen werde. Bandte: „Das war nicht die letzte Pandemie.“ Dietrich Busacker (die Basis) hielt dagegen, man habe „in der Vergangenheit sehr gut mit Viren gelebt“. Er forderte trotzdem, gegen künftige Pandemien vorzusorgen – allerdings nicht mit neu entwickelten Impfstoffen, sondern mit einem reformierten Gesundheitssystem und „indem wir unser Immunsystem stärken“.

Geimpfte und Nicht-Geimpfte sollen gleiche Rechte besitzen.“ Rainer Rothfuß (AfD) stimmt dem zu und hält es für „unvorstellbar, die Gesellschaft auf Basis eines medizinischen Merkmals zu spalten“. Hitzig wurde es bei einer Äußerung von Rothfuß zum Corona-Rettungsfonds der EU, über den deutsches Geld in andere Länder abgeflossen sei. Die italienische Regierung beispielsweise nutze das Geld „und senkt erst mal das Rentenalter und die Steuern, um sich beliebt zu machen.“ Mehrere Teilnehmer zeigten sich bestürzt. Martin Holderied (SPD) bezeichnete Rothfuß’ Worte als „Falschaussage“ und erklärte: „Es gibt Mechanismen in dem Fonds, die es gar nicht zulassen, mit dem Geld beispielsweise das Rentenalter zu senken.“

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Stephan Thomae (FDP) sieht die Risiken und Gefahren, die vom Virus ausgehen, deshalb: „Ich kann nur dazu appellieren, sich impfen zu lassen.“ Allerdings könne er Ängste und Sorgen beim Thema Impfung verstehen. Er sprach sich dafür aus, weiterhin regelmäßiges Testen mit Geimpften und Genesenen gleichzusetzen.

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Martin Holderied spricht sich in Dietmannsried für ein neues Rentensystem aus

Ein neues Rentensystem soll das aktuelle ersetzen.“ Martin Holderied (SPD) sprach sich für eine Rentenreform aus und sagte: „Wie das neue System aussehen soll, sieht man, wenn man sich anschaut, was beim aktuellen falsch läuft.“ Er schlug vor, die Rentenkassen in einer Bürgerversicherung zu bündeln, um mit dem daraus gesammelten Geld das Renteneintrittsalter (aktuell 67 Jahre) „im Idealfall zu senken.“ Dem entgegnete Franz Josef Natterer-Babych (ÖDP), dass vor Reformen „Schlupflöcher“ geschlossen werden müssten. Diese ergäben sich etwa aus Dienstwagen, für die keine Abgaben nötig seien.

Die Mobilfunkversorgung verstaatlichen.“ Marcel Frey (V-Partei³) ist überzeugt: Ein Mobilfunk „aus einer Hand“ statt einem, der aus mehreren Netzanbietern besteht, könne „Synergien bilden“, die für weniger Funklöcher sorgen könnten. Mechthilde Wittmann (CSU) kam beim Mobilfunk zwar nicht zu Wort, äußerte sich aber auch zum Thema Internet, nämlich dem Breitbandausbau: Dieser scheitere demnach nicht an der Politik. Die Fördertöpfe für den Breitbandausbau seien da, während es unter den Tiefbauunternehmen „zu wenig Baukapazitäten gibt“, sagte die CSU-Politikerin. „Wir können die Fördertöpfe nicht ausschöpfen.“