Ortsentwicklung

Neue Chancen für Waltenhofen: Nahversorgung in Oberdorf und Kinderbetreuung in Hegge

Die Gemeinde Waltenhofen sucht schon seit einiger Zeit einen Betreiber für einen Lebensmittelmarkt in Oberdorf.

Die Gemeinde Waltenhofen sucht schon seit einiger Zeit einen Betreiber für einen Lebensmittelmarkt in Oberdorf.

Bild: Matthias Becker

Die Gemeinde Waltenhofen sucht schon seit einiger Zeit einen Betreiber für einen Lebensmittelmarkt in Oberdorf.

Bild: Matthias Becker

Große Projekte treiben die Gemeinde derzeit um. Wo Lösungen schon gefunden waren oder greifbar nahe schienen, eröffnen sich nun andere Wege.
22.03.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Die Neugestaltung der Ortsmitte im Kernort, der Ausbau der Kindertagesstätte in Hegge und des Dorfladens in Niedersonthofen sowie die Nahversorgung in Oberdorf – das Aufgabenbuch der Gemeinde ist prall gefüllt. Besonders bei der Suche nach einem Lebensmittelmarkt für Oberdorf mussten Bürgermeister Eckhard Harscher und die Gemeinderäte in der Vergangenheit immer wieder Rückschläge einstecken.

Mehrere Betreiber, darunter auch Feneberg, sagten zu und sprangen dann wieder ab. Zuletzt schien eine Lösung gefunden: Wie berichtet, hatte sich die Gemeinde für einen Investor entschieden, der seinerseits einen Betreiber an der Hand hatte. Die Verträge lagen auf dem Tisch, sagt Harscher – bereit, unterschrieben zu werden. Seither ist viel passiert und die Karten wurden noch einmal neu gemischt. Eng damit verknüpft sind der notwendige Kita-Ausbau in Hegge und die Pläne eines Bauunternehmers aus der Region.

Investor fordert Risikoabsicherung

Doch zunächst noch einmal zurück zur Nahversorgung in Oberdorf: Der Knackpunkt beim Lebensmittelmarkt ist die Verkaufsfläche: 800 Quadratmeter soll sie groß sein, nicht mehr. Feneberg hatte sich deshalb aus dem Projekt verabschiedet. Der neue Investor und sein Betreiber waren damit jedoch einverstanden. Kurz bevor die Verträge unterschrieben werden sollten, habe der Investor dann noch eine Bedingung gestellt, erzählt Harscher.

„Für den Fall, dass der Marktbetreiber insolvent gehen sollte, wollte er die Zusage, dass er die Verkaufsfläche für die Suche nach einem Nachfolger auf 1200 Quadratmeter erweitern kann.“ Das habe der Gemeinderat im Februar jedoch abgelehnt. Denn er wolle an dem Konzept, das auch mit dem des Dorfladens in Niedersonthofen abgestimmt ist, festhalten. „Der Investor teilte uns dann schriftlich mit, dass er von dem Projekt Abstand nimmt.“

Der Wunsch-Standort für die neue Kita in Hegge steht der Gemeinde Waltenhofen nun doch zur Verfügung.
Der Wunsch-Standort für die neue Kita in Hegge steht der Gemeinde Waltenhofen nun doch zur Verfügung.
Bild: Matthias Becker (Archiv)

Und nun kommt die Kita in Hegge ins Spiel. Eigentlich hatte der Gemeinderat im Herbst 2019 beschlossen, ein neues, größeres Gebäude auf dem Bolzplatz zu bauen. „Wir hatten keine andere Alternative“, sagt der Bürgermeister. Denn das von der Gemeinde bevorzugte Grundstück im Dorfzentrum, auf dem derzeit noch der Hartinger-Markt steht, stand nicht zur Verfügung.

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Zwischenzeitlich habe die Familie Hartinger das Grundstück allerdings an einen Bauunternehmer aus der Region verkauft. Und mit diesem stehe die Verwaltung seit August vergangenen Jahres in Kontakt. „Er würde dort für uns eine Kinderkrippe bauen“, sagt Harscher. Das Hartinger-Gelände und die jetzige Kita stehen sich gegenüber. Das Gebäude in der Veitser Straße ist Eigentum der katholischen Kirche, aber die Gemeinde möchte es gerne kaufen. Als die Standort-Entscheidung 2019 für den Bolzplatz gefallen sei, habe man sich mit der Kirche nicht einigen können, sagt Harscher. „Aber wir haben weiterverhandelt und sind uns im Sommer vergangenen Jahres einig geworden.“ Notartermin sei am Dienstag.

Machbartkeitsstudie läuft

Nun besteht also die Möglichkeit, die neue Kita auf zwei Gebäude aufzuteilen. „Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie mit dem Büro Hummel und Kraus aus München“, sagt Bauamtsleiter Klaus Häger. Diese soll Ideen liefern, was man aus dem Bestandsgebäude machen und wie das neue Gebäude aussehen könnte. Eine Raumplanung für den Standort auf dem Bolzplatz hatte das Büro bereits erarbeitet. „Das erleichtert jetzt die Arbeit“, sagt Häger. Denn viele Daten, etwa zum Betreuungsbedarf im Ort, seien jetzt schon vorhanden.

Aber was hat das nun mit dem Lebensmittelmarkt in Oberdorf zu tun? „Wir haben den Bauunternehmer einfach gefragt, ob er den Markt bauen würde“, sagt Harscher. „Und ja, er macht’s.“ Der Betreiber sei nach wie vor an Bord. Während der nächsten Gemeinderatssitzung am Mittwoch werde es deshalb darum gehen, wie hoch das Gebäude und wie groß die zu bebauende Fläche werden sollen. Harscher und Häger wollen das mit den Gemeinderäten diskutieren. Ebenso ist das neue Wohngebiet Thema, das den Markt „umschließt“. Geklärt werden soll etwa, ob aus Gründen des Lärmschutzes im Süden des Wohngebiets Tempo 30 nötig ist.

Die Gemeinderatssitzung in Waltenhofen findet am Mittwoch, 24. März, um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle statt.

Für die Gestaltung der Ortsmitte in Waltenhofen wird derzeit ein Vorschlag erarbeitet.
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Bild: Matthias Becker

Ortsmitte Waltenhofen: Gemeinde sammelt Anregungen

Die Neugestaltung der Ortsmitte im Kernort Waltenhofen nimmt nach und nach Form an – derzeit allerdings noch im Hintergrund. Mit dem Planungsbüro Klinger aus Dietmannsried und dem Büro Morpho Logic ist ein Vorschlag ausgearbeitet worden, wie Straßenbeläge, Grünbereiche und Spielplätze aussehen könnten. Auf einer Klausurtagung sei darüber auch mit den Gemeinderäten gesprochen worden, sagt Bauamtsleiter Klaus Häger.

Als nächstes sollen die Anlieger informiert und deren Anregungen aufgenommen werden. Ein Treffen sei am Donnerstag geplant. Dann, Anfang April, besuche der Gemeinderat Wiggensbach und Buchenberg und schaue sich dort die Ortsmitten an, um sich Inspirationen zu holen. Sobald all das in den Gestaltungsvorschlag eingeflossen sei, wolle man ihn in einer Bürgerversammlung vorstellen, sagt Häger. Sofern die Pandemie-Lage das zulasse, könnte diese im Mai stattfinden.

Der Dorfladen in Niedersonthofen muss umziehen, weil der Pachtvertrag 2022 ausläuft.
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Bild: Matthias Becker

Dorfladen NIedersonthofen: Bürger müssen gehört werden

Der Pachtvertrag für den Dorfladen in Niedersont-hofen läuft 2022 aus. Wie berichtet, sind die drei Geschäftsführer Hermann Siegel, Peter Nessler und Kurt Hübner bemüht, neue Räume zu finden. Sie führen den Dorfladen als Unternehmergesellschaft, an der 225 Bürger Anteile gekauft haben. Das Konzept sei ein Erfolg, bisher seien nur Gewinne gemacht worden, sagt Nessler. Das sieht auch Bürgermeister Eckhard Harscher so. Im Januar beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Weiterentwicklung des Dorfladens zu unterstützen.

Während sich die Geschäftsführer einen Neubau wünschen, wolle die Gemeinde auch noch eine Alternative in einem Bestandsgebäude prüfen, sagt Bauamtsleiter Klaus Häger. Beim Amt für ländliche Entwicklung könnten Zuschüsse beantragt werden. Aber nur, „wenn wir die Öffentlichkeit beteiligen“. Zu diesem Zweck soll baldmöglichst eine moderierte Abendveranstaltung stattfinden. „Aber Corona hindert uns massiv daran“, sagt Häger. Im schlimmsten Fall müsse man eine schriftliche Variante ins Auge fassen.

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