Video-Projekt

Warum der Kemptener Musiker José Salazar gegen Gewalt und Hass singt

Die Band von José Salazar (Mitte) beim Dreh vor der Burgruine in Sulzberg.

Die Band von José Salazar (Mitte) beim Dreh vor der Burgruine in Sulzberg.

Bild: Harald Holstein

Die Band von José Salazar (Mitte) beim Dreh vor der Burgruine in Sulzberg.

Bild: Harald Holstein

José Salazar dreht auf der Burgruine Sulzberg ein Video. Es geht um Menschen, die häusliche Gewalt erfahren haben. Die gebrochenen Mauern geben dazu die passende Kulisse ab.
Die Band von José Salazar (Mitte) beim Dreh vor der Burgruine in Sulzberg.
Von Harald Holstein
29.09.2020 | Stand: 18:53 Uhr

„Lejos de ti“ (Weit weg von dir) nennt Sänger und Komponist José Salazar aus Kempten sein Lied, das er mit Freunden seiner Band „Indiana“ zur Zeit als Video umsetzt. Der Text würde zwar zum Thema Corona passen, doch weisen die Worte „Ich muss Abstand von dir nehmen“ auf ein ganz anderes Problem hin. In dem vor zwei Jahren entstandenen Song geht es nämlich um Hass und Gewalt.

"Hör endlich auf, mich zu schlagen!"

Das Lied gibt den Gefühlen und Schmerzen von Menschen Ausdruck, die häusliche Gewalt erfahren haben. „Hör endlich auf, mich so zu schlagen!“, heißt es darin. Für die Filmaufnahmen haben Komponist und Kameramann Wolfgang Suchalla von der Videoproduktion „The golden Cut“ die Burgruine Sulzberg ausgesucht. Die gebrochenen Mauern, die beim Dreh morgens hoch in den Nebel aufragen, geben eine beredte Kulisse zum Thema Gewalt ab. Vor diesem ehemaligen Schauplatz von Gewalt und Zerstörung singt José Salazar seinen Text auf Spanisch und spielt dazu Gitarre. Er wird begleitet vom Gitarristen Dave Marras und dem Cellisten Peter Netzer. Nur langsam lichtet sich der Nebel um das Trio, während Wolfgang Suchalla in mehreren Durchläufen mit der Kamera die Atmosphäre in Nahaufnahmen und Gesamteinstellungen einfängt.

José Salazar lebt sein zehn Jahren im Allgäu

Für José Salazar, der seit zehn Jahren im Allgäu lebt, ist sein Song „Lejos de ti“ nicht nur „eine Katharsis“, eine Reinigung von eigenen negativen Erfahrungen. Er möchte auch ganz allgemein auf die Gewalt gegen Kinder und Frauen aufmerksam machen, die gerade in Corona-Zeiten deutlich zugenommen habe. Auch seine zehnjährige Tochter Alicia hatte schon einen Auftritt in diesem Musikvideo. Sie singt einige Strophen und durfte für die Aufnahmen Wut spielen oder traurig dreinschauen. „Hinfallen und weinen, das war das Schwerste“, sagt die junge Darstellerin mit dem ausdrucksstarken Gesicht. „In dieser Woche hatte ich etwas nicht so Tolles erlebt. Da habe ich dann dran gedacht und musste weinen“, erzählt sie und zeigt damit, dass sie schon – ohne es zu wissen – eine grundlegende Schauspielmethode für sich entdeckt hat.

Das Video, für das nun die letzen Aufnahmen im Kasten sind, wird im Youtube-Kanal Kempten City Project zu sehen sein, auf dem José Salazar in den letzten Monate schon seine musikalischen „Badewannen Sessions“ mit befreundeten Musikern und Musikerinnen vorstellte.