Bauindustrie im Allgäu

Warum Sand, Splitt und Schotter die Schätze des Allgäus sind

Geiger Herzmanns

Das Geiger-Gelände in Herzmanns, aufgenommen vom Dach des bestehenden Bürogebäudes, hat eine wechselvolle Geschichte. Nächstes Jahr soll dort ein Holz-Hybrid-Haus stehen, das Raum bietet für weitere 150 Arbeitsplätze.

Bild: Jochen Sentner

Das Geiger-Gelände in Herzmanns, aufgenommen vom Dach des bestehenden Bürogebäudes, hat eine wechselvolle Geschichte. Nächstes Jahr soll dort ein Holz-Hybrid-Haus stehen, das Raum bietet für weitere 150 Arbeitsplätze.

Bild: Jochen Sentner

Kiesabbau stößt bei Allgäuern häufig auf Kritik. Dem stellen Unternehmen die Vorteile gegenüber. Die Gruben sind teilweise sogar Biotope für seltene Tierarten.
09.10.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Wie bestellt fliegt ein Schwarm Wasservögel auf, als Besucher sich einem Kiesabbau im Oberallgäuer Herzmanns nähern. Artenschutz und die Gewinnung heimischer mineralischer Rohstoffe gehen Hand in Hand, ist eine Botschaft an diesem Tag auf dem Gelände der Firma Geiger. Die Verantwortlichen stellen Nachhaltigkeit und den Nutzen von Sand, Splitt und Schotter für die gesamte Volkswirtschaft in den Fokus.

Allgäu: Wo Kies abgebaut werden soll, lassen Proteste nicht auf sich warten

Landauf, landab erfährt die Branche Gegenwind. Sei es bei der Genehmigung neuer Gruben, sei es während des Betriebs. Wo ruchbar wird, dass Unternehmen sich für die Förderung der Bodenschätze interessieren, lassen Bürgerinitiativen nicht auf sich warten.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit gibt es in Pfaffenhofen, Gemeinde Haldenwang (Kreis Oberallgäu). 2500 Unterschriften waren im Frühjahr schnell gegen eine angedachte Kiesgrube gesammelt. Auch die Bürgermeister der angrenzenden Orte schlossen sich dem Protest an.

Dr. Christoph Heim, Leiter des Genehmigungsmanagements bei Geiger, hält den Ängsten von Anwohnern das ausgedehnte Genehmigungsverfahren für die Betriebsstätten entgegen: „Wir müssen unzählige Gutachten vorlegen, Verordnungen beachten, Bundesgesetze befolgen – und die beteiligten Behörden sind alle kritisch.“ Im bayernweiten Schnitt dauerten die Verfahren sechs bis acht Jahre, hieß es bei dem Informationstag für Medienvertreter. Darin würden Lärm- und Staubbelastungen auf die Umgebung genauso abgeprüft wie die Auswirkungen auf Fauna und Flora, Wasserhaushalt und Bodendenkmäler. Ohne ausgefeiltes Nachnutzungskonzept gehe nichts.

Manche Tiere fühlen sich in den Allgäuer Kiesgruben wohl

Gerade während des Betriebs erwiesen sich Kiesgruben indes als ideale Heimstatt für gefährdete Arten. Rohböden, also ohne nährstoffreiche Abdeckung, durchsetzt mit sich ständig wandelnden Wasserflächen, stellten Lebensraum für Lebewesen dar. Amphibien, Insekten, Gräser – über 200 Arten, die allesamt auf der Roten Liste stehen, ließen sich in bayerischen Gruben nachweisen, sagt Geiger-Expertin Jenny Sachwitz. Auch in Herzmanns hätten Ornithologen Freude an der Beobachtung seltener Vögel.

Dezentrale, regionale Versorgung und damit CO2-freundliche Lieferwege schreiben sich die Unternehmer im Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden ebenfalls auf die Fahnen. Der Flächenverbrauch für die Gewinnung mineralischer Rohstoffe liege im Freistaat gerade einmal bei 0,013 Prozent.

Und der erhöhe sich auch nicht wesentlich: Werden neue Abbaugebiete erschlossen, würden ausgebeutete Flächen nach ihrer Verfüllung rekultiviert. Füllmaterialien und Deponiebau unterlägen wiederum strengen Auflagen.

Über 120 000 Tonnen Kies, Splitt und Sand verlassen jährlich die Anlagen in Herzmanns. Zum Vergleich der Bedarf für verschiedene Bauwerke: Für ein Einfamilienhaus veranschlagen die Fachleute 210 Tonnen Material, für das Fundament einer Windkraftanlage 1300 Tonnen. 216 000 Tonnen Gesteinsrohstoffe sind nötig für den Bau eines Autobahnkilometers.

Firma Geiger im Oberallgäu: Neue Bauten sind geplant

Recycling ist bei solchen Mengen seit Langem ein Standbein des Unternehmens. Trotz hoher Quoten lasse sich der aktuelle Bedarf damit aber nur zu 13 Prozent decken. Einiges Material wandert zurzeit auch in neue Bauten auf dem Geiger-Areal. Eine Fläche war früher landwirtschaftlich genutzt, diente dann über Jahrzehnte dem Kiesabbau, danach als Deponie.

Jetzt entsteht dort neben einem Bürogebäude (2018 errichtet) ein zusätzliches. Zudem sind eine Logistik- und eine Werkhalle geplant sowie ein Parkhaus. Nebenan kommen Landwirtschaft und Naturschutz zu ihrem Recht.

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