Interview zur Allgäuhalle

"Was passiert mit dem gesamten Areal?" - Mögliche Szenarien für Allgäuhalle in Kempten

Wie könnte die Allgäuhalle in Zukunft aussehen? In dieser Frage berät Thomas Kästle die Stadt Kempten.

Wie könnte die Allgäuhalle in Zukunft aussehen? In dieser Frage berät Thomas Kästle die Stadt Kempten.

Bild: Ralf Lienert

Wie könnte die Allgäuhalle in Zukunft aussehen? In dieser Frage berät Thomas Kästle die Stadt Kempten.

Bild: Ralf Lienert

Thomas Kästle begleitet Kempten bei der Entwicklung der Allgäuhalle. Die Frage, was im Umfeld des Gebäudes passiert, hält er für besonders wichtig.
25.08.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Um die Zukunft der Allgäuhalle geht es an diesem Mittwoch, 25. August, zwischen 18 und 20 Uhr bei der „Mobilen Redaktion“ vor dem denkmalgeschützten Gebäude. Mit der Zukunft der Allgäuhalle hat sich auch Thomas Kästle bereits beschäftigt. Er berät die Stadt bei der Entwicklung des denkmalgeschützten Gebäudes. Kästle, der ursprünglich aus Memmingen stammt, begleitet mit der Eloprop GmbH (Regensburg) seit zehn Jahren Kommunen bei ähnlichen Vorhaben. Daneben ist er Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen.

Stadtentwicklung von unten: Kemptener disktuieren offen über Zukunft der Allgäuhalle mit

Herr Kästle, in Kempten gibt es mehrere Ideen für die künftige Nutzung der Allgäuhalle. Ist so großes Interesse aus der Gesellschaft üblich?

Thomas Kästle: Das hängt immer vom Objekt der Begierde ab. Bei der Allgäuhalle gibt es allein aufgrund ihrer Lage im Stadtzentrum viele Interessenten. Ganz grundsätzlich ist es so, dass Freiflächen in urbanen Räumen heutzutage rar sind. In den vergangenen Jahren haben viele Städte diese an meist nur gewinnorientierte Immobilienunternehmen verkauft, um Wohnraum zu schaffen, der aber für viele nicht mehr bezahlbar ist. Generell stellt sich deshalb vielen Kommunen nun die Frage, wie derartige Flächen entwickelt und Bestandsgebäude, Industriedenkmäler oder ähnliches sinnvoll in ein Gesamtkonzept integriert werden können. Potenzielle Nutzer, künftige Quartiersbewohner und auch die Stadtgesellschaft insgesamt früh einzubinden, macht Sinn. Und „Stadtentwicklung von unten“ entspricht absolut dem Zeitgeist.

Wie kann eine solche Stadtentwicklung von unten erfolgreich gelingen?

Kästle: Durch einen offenen Dialog. Bei der Allgäuhalle haben wir anfangs eine Bedarfsanfrage bei verschiedenen Akteuren in Kempten gemacht. Was gibt es für Nutzungsideen? Welche Bedürfnisse gibt es? Dann ging es um die Frage: Was geht überhaupt bautechnisch und baurechtlich? Wenn sich die Politik auf ein Nutzungsszenario festlegen soll, will sie in der Regel zuerst wissen, welcher Aufwand für die bauliche Ertüchtigung und auch den Betrieb nötig ist. Rein hypothetisch: Würde man zum Beispiel darüber nachdenken, die Allgäuhalle zu einem Hallenbad umzubauen, ginge es darum, was das kostet. Ergibt das wirtschaftlich Sinn? Benötigt man ein zusätzliches Schwimmbad, wenn es schon das Cambomare gibt? Trägt sich die Einrichtung selbst oder muss die Kommune jährlich Geld zuschießen? Natürlich geht es am Ende auch immer darum, wie viel der Stadt das Vorhaben wert ist.

Zwischennutzungen als Chance für die Stadtentwicklung in Kempten

Lesen Sie auch
##alternative##
Zukunft der Allgäuhalle

Veranstalter starten Petition: Flohmärkte in Kempten sollen weiter vor der Allgäuhalle stattfinden

Können Sie ähnliche Beispiele aus anderen Städten nennen?

Kästle: Auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände in München entstand vor über 20 Jahren der Kunstpark-Ost. Das heutige „Werksviertel“ hat sich aus vielen Jahren kultureller Zwischennutzung heraus entwickelt und ist ein derzeit städtebaulich wie architektonisch viel beachtetes Quartier mit einem Nutzungsmix aus Kultur- und Kreativwirtschaft, Gastronomie, Gewerbe/Dienstleistungen und auch Wohnen. Ähnliche Beispiele gibt es derzeit in vielen Metropolen. Es müssen nicht immer gleich Millionen Euro für eine von Anfang an festgelegte Nutzung ausgegeben werden. Dieses Prinzip der Zwischennutzung und sukzessiven Entwicklung ließe sich auf Kempten übertragen. Gerade auch im Hinblick auf eine der aus meiner Sicht wichtigsten Fragen zur Allgäuhalle: Was passiert mit dem gesamten Areal? Dabei muss eines klar sein: Die künftige Nutzung hat Konsequenzen für das Umfeld und die Nachbarschaft.

Gibt es weitere Trends?

Kästle: Die Themen Wohnen, Arbeiten, Kultur, Sport, Nahversorgung, Betreuungsangebote sowohl für Kinder als auch Senioren rücken näher zusammen. Bei aktuellen Quartiersentwicklungen versucht man das mittlerweile zusammenzudenken – mit einem enormen Entwicklungspotenzial. Die Allgäuhalle ist im Moment noch eine Viehhalle mit einem großen Parkplatz. Es ist vor diesem Hintergrund politisch deshalb bestimmt sinnvoll, ergebnisoffen an die Sache heranzugehen.

Lesen Sie auch: So könnte die Zukunft der Allgäuhalle in Kempten aussehen