Klassikfestival in Kempten

Wegen Corona: Festival "Classix" zieht zurück in den Fürstensaal

Feine Kammermusik möchte Classix bieten - auch in Coronazeiten. Unser Foto stammt von einem Konzert im vergangenen Jahr.

Feine Kammermusik möchte Classix bieten - auch in Coronazeiten. Unser Foto stammt von einem Konzert im vergangenen Jahr.

Bild: Ralf Lienert

Feine Kammermusik möchte Classix bieten - auch in Coronazeiten. Unser Foto stammt von einem Konzert im vergangenen Jahr.

Bild: Ralf Lienert

Organisator Franz Tröger spricht von einem "irrsinnigen Aufwand". Aber die Hygieneregeln von Corona können er und sein Team in der Kemptener Residenz besser umsetzen als im Stadttheater.
11.08.2020 | Stand: 18:30 Uhr

Wo soll Classix in Coronazeiten stattfinden? Im Stadttheater, wie seit Jahren? Oder wieder im Fürstensaal, wo das Kammermusik-Festival im Jahr 2006 aus der Taufe gehoben wurde und deshalb viele Jahre den Namen „Fürstensaal Classix“ trug? Die Frage trieb den Organisator Franz Tröger und den künstlerischen Leiter Benjamin Schmid in den vergangenen Wochen um. Denn eins war für sie klar: Der neuntägige Konzertreigen von 19.bis 27. September soll unbedingt stattfinden, trotz Corona. Nun ist eine Entscheidung gefallen: Die zehn Konzerte mit Klassik und Jazz werden allesamt im Fürstensaal der Kemptener Residenz über die Bühne gehen, weil sich dort die Stühle sehr flexibel stellen lassen.

Fürstensaal: "Atmosphäre und Akustik sind allererste Wahl"

Zurück zu den Anfängen also. Dazu mussten sich Tröger und Schmid grünes Licht von der Kemptener Justiz und der Bayerischen Schlösserverwaltung geben lassen. „Die örtlichen Gegebenheiten, insbesondere die flexible Bestuhlung, sind ideal geeignet, ein optimales Hygienekonzept umzusetzen“, verspricht Tröger. „Und bezüglich Atmosphäre und Akustik ist der Saal ohnehin allererste Wahl.“

Neben den allgemein gültigen Hygiene- und Abstandsregeln haben Tröger und sein Team einen ausgeklügelten Sitzplan erarbeitet. „Das ist ein irrsinniger Aufwand“, sagt er. Aber es gehe nun einmal darum, einen optimalen Ansteckungsschutz zu gewährleisten. Denn es gebe „eine nicht geringe Zahl“ von Interessenten, die sich wegen der Gefahren sorgen machten.

Für Gehbehinderte steht ein Aufzug bereit

Das Hygienekonzept von Classix sieht einen verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz bis zum Einnehmen des Sitzplatzes vor. Die Konzerte werden ohne Pause über die Bühne gehen, um Kontakte im Foyer zu vermeiden; aus dem selben Grund gibt es keine Bewirtung im Foyer, auch nicht vor den Konzerten. Ein professionelles Reinigungsunternehmen wird Sitze, Geländer, Türgriffe und WC-Anlagen desinfizieren. Außerdem werden sämtliche Besteller von Karten namentlich erfasst und Sitzplätzen zugeordnet, sodass nachvollziehbar ist, wer wo im Saal seinen Platz hatte. Für Gehbehinderte steht ein Aufzug bereit.

Der „innovative Bestuhlungsplan“ (Tröger) sieht einen zwei Meter breiten Mittelgang vor, der unnötige Kontakte vermeiden soll; ein Abstand von 1,5 Metern zwischen den Sitzreihen erlaube einen bequemen, berührungsfreien Zugang zum Platz, und die erforderliche Distanz zwischen den zugeteilten Plätzen werden durch einen Abstand von 1,6 Metern hergestellt. Nun hofft Tröger, dass potenzielle Konzertbesucher möglichst bald buchen. „Damit unterstützen sie unsere komplizierte Platzzuteilung“, erklärt er.

Geplant sind zehn Konzert in neun Tagen

  • Ein Septett von Beethoven (Es-Dur) und ein Sextett des 2020 verstorbenen Krzysztof Penderecki stehen im Zentrum des Eröffnungskonzerts des Festivals, das am Samstag, 19 September, startet. Zu hören ist auch Beethovens erste Violinsonate.
  • Im Laufe des Festivals wird Benjamin Schmid mit seiner Frau, der Pianistin Ariane Haering, alle zehn Violinsonaten aufführen. "Sie sind so etwas wir ein roter Faden durch das Festival", sagt Schmid.
  • Pianist Christoph Soldan und Stefanie Goes (Rezitation) widmen sich dem Thema "Beethoven und die Frauen" (23. September).
  • Die St. Petersburger Kammerphilharmonie möchte am 20. September Beethovens "Egmont" und dessen fünfte Sinfonie aufführen. Schauspielstar Ulrich Tukur soll zum "Egmont" einen Grillparzer-Text vortragen.
  • Das Hagen Quartett mit bringt am Samstag, 25. September ein reines Beethoven-Programm: Zu hören sind sein Streichquartett Nr. 8 e-Moll op. 59/2 "Rasumofsky" und sein Streichquartett Nr. 13 B-Dur op. 130 mit Großer Fuge op. 133.
  • "Beethoven – das Klavier – die Folgen", so lautet ein Klavierabend mit Bernd Glemser am Samstag, 26. September. Er spielt Beethovens Sonate op. 14/1, Schumanns Fantasie C-Dur op. 17 und Liszts Sonate h-Moll
  • Das Festival wartet außerdem mit zwei Jazzabenden auf: Das Benjamin Schmid Jazzquintett spielt am Montag, 21. September, wobei die beiden Gitarristen Biréli Lagrène und Diknu Schneeberger im Mittelpunkt stehen werden; am Freitag, 24. September spielt das Trio von Jazzgitarrist Wolfgang Muthspiel, das Kammermusik und Jazz zusammenführt.