Freien & Freizeit

Weihnachtsferien mit Corona-Regeln: Kindersorgen nicht kleinreden

Viel Zeit für gemeinsame Spiele werden Familien dieses Jahr in den verlängerten Weihnachtsferien haben.

Viel Zeit für gemeinsame Spiele werden Familien dieses Jahr in den verlängerten Weihnachtsferien haben.

Bild: Carolin Jacklin/KJF Augsburg

Viel Zeit für gemeinsame Spiele werden Familien dieses Jahr in den verlängerten Weihnachtsferien haben.

Bild: Carolin Jacklin/KJF Augsburg

Ein Erziehungsberater der Katholischen Jugendfürsorge in Kempten erklärt, wie Eltern mit Kindersorgen umgehen können und wie sich die Zeit gestalten lässt.
22.12.2020 | Stand: 15:07 Uhr

Das bevorstehende Fest der Familie wird dieses Jahr definitiv anders werden. Ausgedehnte Verwandtschaftsbesuche, der Skiurlaub und andere lieb gewonnene Traditionen sind nicht möglich. Und im Moment sieht es auch ganz danach aus, dass Corona und die dadurch bedingten strengen Beschränkungen bis weit ins neue Jahr 2021 dauern werden. „Wir alle leben in einer permanenten Unsicherheit und in einem anhaltenden Anspannungszustand“, sagt Michael Leicht von der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) in Kempten. Das führe gerade bei Eltern zu einer gewissen Ermüdung und Erschöpfung. Niedergeschlagenheit, negative Gefühle oder Ängste machten sich breit.

Auch Kinder entwickelten Ängste in Bezug auf das Corona-Virus. Bei ihnen könne leicht der Eindruck entstehen: Wenn ich etwas falsch mache, müssen Oma oder Opa sterben. „Da lastet ein unglaublicher Druck auf den Kindern“, sagt der Erziehungsberater. Darum sei es wichtig, dass Eltern Verhaltensregeln wie das Tragen der Maske oder Kontaktbeschränkungen mit Logik und der Wahrheit begründen.

„Für Kinder ist es eine Entlastung, wenn sie über ihre Ängste sprechen dürfen und gehört werden“, sagt Leicht. Ängste könnten zum Beispiel sein, dass Großeltern und Freunde krank werden oder sie niemanden mehr zum Spielen treffen dürfen. Eltern sollten Sorgen nicht kleinreden. Besser sei es, das Kind durch seine Emotionen zu „coachen“. Zum Beispiel mit einer simplen Reaktion, die Verständnis für die Gefühle signalisiert. Zum Beispiel: „Ja, das verstehe ich, dass du traurig bist, weil du die Großeltern dieses Weihnachten nicht sehen kannst.“ Erst danach sollte, wenn überhaupt möglich, eine Lösung gesucht werden. Zum Beispiel: ein Videotelefonat zu machen.

Kinder und Erwachsene müssten flexibel sein und eine neue Normalität akzeptieren lernen. Der Erziehungsberaters rät, den eigenen Planungszeitraum deutlich zu verkürzen auf den Bereich, den man realistisch überblicken kann – etwa eine Woche. Es helfe, sich auf das zu konzentrieren, was klappt. Außerdem spürten viele, dass es beruflich und privat guttut, Neues auszuprobieren oder um die Ecke zu denken. Da mache man eben den Fitnesskurs via Livestream des Sportstudios.

Folgende Tipps gibt der Erziehungsberater für die Ferien:

  • Balance finden zwischen verplanter und unverplanter Zeit. Viele der Traditionen werden nicht möglich sein, trotzdem sollten Familien zu Beginn der Ferien gemeinsam einen Plan aufstellen. Es bieten sich auch Projekte an, wie ein Kinderzimmer neu zu streichen.
  • Eine Schatzkiste basteln und befüllen. Hinein kommen Erinnerungsstücke aus dem Corona-Jahr, etwa Basteleien, die man während des Lockdowns, der Schulschließungen oder einer Quarantäne-Zeit gebastelt hat, Fundstücke von Ausflügen und Spaziergängen, mit einem Stern oder einer Sonne, in deren Strahlen die positiven Aspekte des Jahres geschrieben werden. Negative Erlebnisse kann man loswerden, indem man sie auf Steine oder Schiffchen schreibt und in einem Bach wegschwimmen lässt.
  • Ein Jahresrückblick-Fotoalbum zusammenstellen und auch die Verwandtschaft um Fotos bitten.

Die Experten der KJF helfen, wenn Eltern allein nicht mehr weiterkommen. Die Beratungen finden unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen persönlich, telefonisch oder online statt, sind kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht.

Kontakt zur KJF Kinder- und Jugendhilfe Kempten-Oberallgäu, Linggstraße 4, Kempten, Telefon 0831/522320, E-Mail eb.kempten@kjf-kjh.de.

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