Konflikte an Weihnachten

Wenn der Weihnachtsfrieden wackelt: Das sind die häufigsten Ursachen für Streit

Stress

Bei all den Erwartungen an Weihnachten geht schon mal die Gelassenheit verloren. Mit ein paar Tipps gelangt der Weihnachtsfrieden dennoch wieder ins Gleichgewicht.

Bild: Jens Kalaene/dpa (Symbolbild)

Bei all den Erwartungen an Weihnachten geht schon mal die Gelassenheit verloren. Mit ein paar Tipps gelangt der Weihnachtsfrieden dennoch wieder ins Gleichgewicht.

Bild: Jens Kalaene/dpa (Symbolbild)

Auf kaum einem Abend liegen so hohe Erwartungen – an Weihnachten kracht es besonders leicht. Eine Psychologin erklärt, wie sich einiges umschiffen lässt.
25.12.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Oh du Fröhliche? Von wegen: Gerade an Weihnachten kommt es besonders häufig zu Streit in der Familie. Immerhin hat jeder genaue Vorstellungen, wie das wochenlang herbeigesehnte Fest ablaufen soll. Blöd nur, wenn sich diese Vorstellungen nicht decken. Um den großen Zoff am Fest der Liebe zu verhindern, hat Psychologin Katharina Babl einige Tipps parat.

Babl ist Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle der Diözese Augsburg in Kempten für Ehe-, Familien- und Lebensfragen und unter anderem für das Oberallgäu zuständig. Ihrer Erfahrung nach ist der Hauptgrund für die vermehrten Konflikte rund um Weihnachten die überhöhte Erwartung an die Feiertage. Hinzu komme häufig Stress. „Da bleibt dann keine Kapazität für Gelassenheit mehr“, sagt Babl.

Wenn der Weihnachtsfrieden wackelt: Das sind die häufigsten Ursachen für Streit

Es lasse sich also bereits viel verhindern, wenn man vorab die eigenen Erwartungen herunterschraubt. Und vieles vorab bespricht: Wie soll Heiligabend ablaufen, wer übernimmt welche Aufgaben? Ist es dann so weit, rät die Psychologin: „Man muss nicht fünf Stunden lang zusammensitzen.“ Steige das Stresslevel, helfe es rauszugehen und durchzuschnaufen. Bewegung kann Stress reduzieren, selbst bei gemeinsamen Aktivitäten bleibt mehr Raum für sich selbst als etwa am Tisch. Im Allgäu bieten sich dafür Schlittenfahren, bei ausreichender Eisdicke Schlittschuhlaufen, Spazierengehen und nicht zuletzt Christbaumloben an. (Lesen Sie auch: Samstagsruhe: Wochenmarkt in Kempten ist jetzt zweimal freitags)

An Heiligabend selbst lasse sich zwar Konfliktpotenzial vorbeugen, wenn sämtliche Punkte des Wunschzettels abgehakt werden. „Es ist aber durchaus in Ordnung, wenn es nicht alles gibt – dadurch lernen Kinder, mit Enttäuschungen umzugehen“, sagt Babl. Sinnvoll sei es aber, Kinder vorab vorzubereiten, dass das Christkind oder der Weihnachtsmann auswählt, welche Geschenke es oder er bringt. Babl warnt außerdem, zu viel in Geschenke hineinzuinterpretieren: „Von Preis, Zahl und Auswahl der Geschenke sollten keine Rückschlüsse auf den Zustand der Beziehung gezogen werden.“

Kindern vorab ankündigen, wann Schlafenszeit ist

Und wann sollen die Kinder ins Bett? Umso später, umso müder sind sie und die Eltern – und umso eher gibt es Streit. Eine Empfehlung will Babl hierzu nicht geben. Sagt aber: Auch das sollte man den Kindern vorab ankündigen – und nicht in der Situation ausdiskutieren, wenn sie ohnehin schon müde sind.

  • Laut einer Umfrage des Unternehmens Statista ist Streitpunkt Nummer 1 unter Paaren zur Weihnachtszeit die Frage, wo die Feiertage verbracht werden. Babl rät, die Frage zu Beginn der Beziehung einmal „auszukarteln“ und dann immer gleich vorzugehen. Falls ein Partner einen Besuch dennoch als unangenehm empfindet, helfe es, gemeinsam zu überlegen: „Wie kann es erträglicher werden?“ Lösungen könnten sein, dass der Besuch kürzer ausfällt oder dass ein Partner bereits nach dem Essen wieder geht. Das sei auch an den Weihnachtsfeiertagen durchaus legitim. Oft sei es auch für die Gastgeber weniger stressig, wenn zum Beispiel nicht übernachtet wird.
  • 23 Prozent der Konflikte entzünden sich laut der Statistik an der Arbeitsteilung vor und nach dem Fest. Hier rät Babl, Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen und das vorab festzulegen. Frauen spreche sie Mut zu, Hilfe einzufordern. Und: Es ist schön, wenn das Haus perfekt geputzt und dekoriert ist – es wiegt aber nicht den Streit auf, der sich entzündet, weil alle deshalb erschöpft sind. (Lesen Sie auch: Kempten: Hauskauf für 800.000 Euro - So geht die Finanzierung)
  • Bei Dekoration, die laut Statistik 17 Prozent der Konflikte auslöst, und Musikauswahl, mit sieben Prozent ebenfalls einer der häufigsten Gründe für Streit, rät Babl zu Kompromissbereitschaft. Vorab könne wie auf einem Basar verhandelt werden, bis alle mit dem Ergebnis leben können. Dabei können Vetorechte und freie Wünsche für alle Beteiligten helfen. Außerdem vorab erstellte Playlists und etwa dekofreie Bereiche. Ist dem einen der blinkende Hirsch im Garten wichtig, darf der andere dafür zur Bescherung „Last Christmas“ auflegen.

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