Corona-Pandemie

Wenn es dringend ist: Die Suche nach einer Toilette in der Kemptener Innenstadt

Auch auf der Toilette gelten die Corona-Regelungen. Aktuell führt das dazu, dass in der Kemptener Innenstadt nur wenige Toiletten zu finden sind.

Auch auf der Toilette gelten die Corona-Regelungen. Aktuell führt das dazu, dass in der Kemptener Innenstadt nur wenige Toiletten zu finden sind.

Bild: Georgios Kefalas, dpa (Symbolbild)

Auch auf der Toilette gelten die Corona-Regelungen. Aktuell führt das dazu, dass in der Kemptener Innenstadt nur wenige Toiletten zu finden sind.

Bild: Georgios Kefalas, dpa (Symbolbild)

Wegen der Corona-Pandemie mussten Cafés und Restaurants auch ihre Kundentoiletten schließen. Das sorgt bei vielen Einkäufern in Kempten für eine dringende Not.
18.02.2021 | Stand: 14:58 Uhr

Egal, ob zum Schaufensterbummel, für den Wocheneinkauf oder am Samstag auf den Markt – der Gang in die Innenstadt kann im tristen Corona-Alltag eine echte Abwechslung sein. Wenn aber bereits der zweite Kaffee getrunken ist oder der zufällige Ratsch mit einem Bekannten wieder etwas länger gedauert hat, stellt sich eine meist dringende Frage: Wo ist hier die nächste Toilette? Wir haben in der Kemptener Innenstadt nachgefragt, wie die Allgäuerinnen und Allgäuer damit umgehen.

Ohne Toiletten planen Eltern jeden Ausflug ganz genau

An diesem Freitagvormittag sind besonders viele Eltern mit ihren Kindern in Kempten unterwegs. Klar, in Zeiten der Notbetreuung sind viele der Kleinsten zu Hause und verbringen den Tag mit Mama und Papa. Schnell zum Bäcker Semmeln holen oder für eine kurze Spazierrunde in Richtung Hofgarten. Auch wenn diese Ausflüge meist nicht länger als eine Stunde dauern, müssen sie in Zeiten wie diesen gut geplant sein, sagt Franziska Barsteiner.

Die junge Mutter wohnt im Kemptener Zentrum und dreht hier in letzter Zeit oft ihre Runden mit ihrem erst fünf Monate alten Sohn. „Größere Ausflüge sind zurzeit eigentlich unmöglich“, sagt sie. Für einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft könne die Mutter aber vorplanen. Die Windel wechsele sie, bevor es nach draußen geht und wenn ihr Sohn Hunger bekomme, habe sie es nicht weit nach Hause, um zu stillen. „Sich spontan mit einer Freundin auf dem Markt treffen, solche Dinge sind jetzt eben schwieriger geworden“, sagt sie. Und auf den Ausflug in die Natur am Wochenende verzichte sie ganz bei den eisigen Temperaturen. Zu weit sei der Weg, wenn es keinen warmen Ort gibt, an den sie sich mit ihrem kleinen Sohn zurückziehen kann.

Auch Christina Gobjila plant jetzt jede Spazierroute ganz genau. Meist läuft auch sie mit ihrer einjährigen Tochter im Kinderwagen durch die Innenstadt. Früher habe sie sich hier oft mit Freunden auf Kaffee und Kuchen getroffen. „Das geht jetzt ja ohnehin nicht mehr“, sagt sie. Jetzt finden die wenigen Treffen mit Freunden zuhause statt. Einen Vorteil hat das, sagt Gobjila: „Hier gibt es immer eine Toilette und einen Wickelraum.“

Cristina Gobjila plant jeden Spaziergang genau. In letzter Zeit läuft die junge Mutter vor allem kurze Routen durch die Innenstadt, um zum Wickeln oder Stillen schnell wieder zu Hause zu sein.
Cristina Gobjila plant jeden Spaziergang genau. In letzter Zeit läuft die junge Mutter vor allem kurze Routen durch die Innenstadt, um zum Wickeln oder Stillen schnell wieder zu Hause zu sein.
Bild: Laura Wiedemann, AZV

Aber nicht immer kann man zu Hause bleiben. Nadine Pytlik ist gerade mit ihrer fünfjährigen Tochter für den Wocheneinkauf unterwegs. Dringende Toilettensituationen gab es in den vergangenen Monaten schon so manche, sagt Pytlik. „Wenn ein Kind muss, dann muss es eben“, sagt sie. Gerade bei Ausflügen wisse man oft nicht, wo die nächste öffentliche Toilette ist oder ist zu weit von dieser entfernt. Jetzt, wo Cafés und Restaurants und damit auch deren Kundentoiletten geschlossen sind, werde es manchmal ganz schön knapp. „Wir mussten auch schon einmal schnell ums Eck gehen. Schön ist das natürlich nicht, aber wenn es nicht anders geht, dann ist das so.“

Stundenlang am Marktstand stehen - Für Händler ist die Situatuation besonders schlimm

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Besonders dringlich ist die Lage für die Markthändler. Täglich bieten viele von ihnen ihre Waren auf dem Platz bei der Basilika an. Besonders viele sind es am Mittwoch oder Samstag, wenn Wochenmarkt ist. Nicht alle von ihnen kommen aus dem Kemptener Umland und sitzen oft schon lange Zeit im Auto, bis sie ihren Marktstand aufstellen können. Vor Corona sei es für die Händler kein Problem gewesen, schnell einmal bei der Bäckerei nebenan auf die Toilette zu gehen, sagt Markthändlerin Rosemarie Quartz. „Jetzt hat alles zu. Für uns ist das natürlich ein echtes Manko.“ Sie verkauft zusammen mit ihrem Chef Martin Kinzelmann auch an diesem kalten Freitag Ware aus der Fischzucht in Oy-Mittelberg. Auch viele Läden, die noch eine Kundentoilette anbieten dürften, schließen diese gerade, sagt Quartz. „Da hängt dann ein Schild mit 'Toilette defekt'“, sagt sie.

Auch Anja Fischer aus Lindau, die ihren Stand mit Likören gleich nebenan hat, stimmt dem zu. „Noch schlimmer ist es aber zum Wochenmarkt“, sagt sie. Dann sei noch mehr und noch länger zu tun. „Man muss dann erst einmal ein Stück laufen und so wirklich schön sind die öffentlichen Toiletten oft ja nicht.“

Rosemarie Quartz und Martin Kinzelmann verkaufen regelmäßig ihren Fisch auf dem Markt in Kempten. Jetzt wo die Geschäfte geschlossen haben, finden sie nur schwer eine Möglichkeit auf die Toilette zu gehen.
Rosemarie Quartz und Martin Kinzelmann verkaufen regelmäßig ihren Fisch auf dem Markt in Kempten. Jetzt wo die Geschäfte geschlossen haben, finden sie nur schwer eine Möglichkeit auf die Toilette zu gehen.
Bild: Laura Wiedemann, AZV

Keine Kundentoiletten mehr, aber öffentliche Toiletten gibt es weiterhin

Öffentliche Toiletten, die gibt es auch in Kempten weiterhin. Unweit der Basilika sind zwei davon zu finden. Einmal hinter dem Kempten-Museum in Richtung Poststraße und ganz zentral an der ZUM zwischen Königsplatz und Innenstadt. Hier habe sich, was die Anzahl der Besucher betrifft, aber nicht viel verändert, sagt Alexander Prestel von den Kemptener Verkehrsbetrieben. „Es kommen genau so wie viele Menschen wie vor Corona, um hier auf das Klo zu gehen“, sagt er. Natürlich können aber nicht alle von ihnen gleichzeitig herein. Denn auch in der Schlange für die Toilette müssen Abstand und Maskenpflicht gewahrt werden.

An der ZUM Bushaltestelle in der Kemptener Innenstadt haben die öffentlichen Toiletten weiter im Untergeschoss des Wartebereichs geöffnet.
An der ZUM Bushaltestelle in der Kemptener Innenstadt haben die öffentlichen Toiletten weiter im Untergeschoss des Wartebereichs geöffnet.
Bild: Laura Wiedemann, AZV

Auch in den Geschäften, die noch für den To-Go-Verkauf geöffnet haben, scheint sich die Nachfrage kaum zu erhöhen. „Wirklich viel mehr als vor Corona ist das nicht geworden“, sagt Ömür Taflan. Der Besitzer des Altstadtcafés in Kempten schätzt, dass etwas drei bis vier Menschen mehr pro Woche nach einer Toilette fragen.

Sabine Wegscheider vom Residenzcafé sagt sogar, dass weniger Menschen als zuvor ihre Kundentoiletten benutzen möchten. „Schon im Sommer konnten wir mit Corona nicht mehr so viele Kunden auf die Toilette lassen. Und jetzt ist die Nachfrage durch die starken Einschränkungen von selbst weniger geworden“, sagt sie. Früher seien zum Beispiel viele Marktbesucher gekommen, um die Kundentoilette zu benutzen. Jetzt, wo kaum noch jemand für längere Zeit in der Stadt unterwegs sei, seien es nur noch ein oder zwei Kunden am Tag, die nach einer Möglichkeit auf die Toilette zu gehen, fragen würden. Die müsse Wegscheider im Moment abweisen: „Unsere Toiletten sind wegen Corona gesperrt. An diese Regeln müssen wir uns auch im Notfall halten.“

Auch bei Senioren sorgen die fehlenden Toiletten für Ärger

Weil aber gerade der Toilettengang in solchen Fällen ein dringendes Bedürfnis ist, sorgt eine Sperrung oft für Ärger bei den Kunden. Auch Monika Brendler beschwert sich über die missliche Lage. Die Seniorin ist oft wegen Arztbesuchen in der Stadt und wohnt etwas außerhalb von Kempten. „Dann steht man in der Apotheke und plötzlich wird es dringend. Gerade in meinem Alter ist das ein Problem“, sagt sie. Noch ginge ihre Suche nach einer Toilette immer gut aus, trotzdem hofft Brendler, dass Cafés und Restaurants ihre Kundentoiletten bald wieder öffnen dürfen. „Dann kann man sich einfach einen Tee holen und noch schnell auf die Toilette gehen“, sagt sie.

Günther Spiegl vermisst Angebote wie die
Günther Spiegl vermisst Angebote wie die "nette Toilette", die es außerhalb von Corona in der Kemptener Innenstadt gibt.
Bild: Laura Wiedemann, AZV

Viele Einkäufer gehen wegen solcher Fälle nur noch gezielt in die Stadt und bummeln nicht mehr lange durch die Gassen. Für eine gewisse Zeit gehe das auch ohne Toilette, sagt Günther Spiegl. Der Senior würde nur ungern in einer dringenden Situation eine öffentliche Toilette besuchen. „Sonst gibt es in unserer Stadt ja sogenannte nette Toiletten, zum Beispiel im Gasthaus Stift. Sowas fehlt aktuell natürlich“, sagt er.

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