Driften auf schneebedeckten Flächen

Wenn es nachts auf Parkplätzen kracht: Gibt es im Allgäu eine Drift-Szene?

Driften bedeutet: Wenn das Heck eines Autos ausbricht und die Hinterreifen die Bodenhaftung verlieren. Das ist besonders bei heranwachsenden Fahrern beliebt.

Driften bedeutet: Wenn das Heck eines Autos ausbricht und die Hinterreifen die Bodenhaftung verlieren. Das ist besonders bei heranwachsenden Fahrern beliebt.

Bild: Abraham, stock.adobe.com

Driften bedeutet: Wenn das Heck eines Autos ausbricht und die Hinterreifen die Bodenhaftung verlieren. Das ist besonders bei heranwachsenden Fahrern beliebt.

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Vorwiegend junge Männer driften im Winter mit ihren Autos auf schneebedeckten Flächen. Das ist aber in der Regel verboten. Das unternimmt die Polizei dagegen.
21.01.2021 | Stand: 17:46 Uhr

Ein lauter Knall mitten in der Nacht: Beim Driften mit seinem Auto kracht ein junger Mann gegen das Einkaufswagen-Häuschen auf dem Parkplatz eines Supermarkts. Anwohner schrecken auf und rufen die Polizei. Solche Vorfälle wie in Dietmannsried (Oberallgäu) gab es in den vergangenen Wochen auch in Buchenberg oder Burgberg, wo ein 19-Jähriger mit seinem Wagen bei Driftübungen gegen einen Fahnenmast prallte. Im Westallgäuer Scheidegg ließen Unbekannte einen Pkw mehrfach im Kreis driften und richteten auf dem Gelände rund um einen Fischweiher hohen Schaden an. Treibt etwa eine organisierte Drift-Szene in der Region ihr Unwesen?

So eine Gruppe gibt es laut dem Polizeipräsidium Schwaben Süd/West im Allgäu derzeit zwar nicht. „Wir bekommen aber sehr wohl immer mal wieder einzelne Mitteilungen von Anwohnern, wenn es auf einem Parkplatz in der Nähe quietscht“, sagt Sprecher Dominic Geißler. Gerade in höheren Lagen, wenn es schneit, träfen sich vor allem Heranwachsende abends oder nachts, um auf geeigneten Flächen mit ihren Autos ein paar Runden zu drehen.

Es wird konsequent Bußgeld verhängt

So wie vor einiger Zeit in Oberjoch bei Bad Hindelang: Bis zu zehn junge Leute übten dort mit ihren Autos auf schneebedeckten öffentlichen Parkplätzen – „sehr zum Leidwesen der Anwohner“, erzählt der Polizeisprecher. Regelmäßig beschwerten sich Nachbarn über laute Motorengeräusche. Die Heranwachsenden hatten sich zuvor über einen Whats-App-Chat zum Driften verabredet. In solchen Fällen weiß die Polizei, wie sie gegensteuert: Jeder Fahrer, den sie erwischt, bekomme konsequent sofort ein Bußgeld aufgebrummt – mindestens. Regelmäßig kontrolliere zudem eine Streife vor Ort. Nur so könne man die jungen Leute davon abbringen.

Driften sei grundsätzlich im öffentlichen Straßenverkehr verboten, betont Geißler. Auf einem Privatgrundstück sei das nur erlaubt, wenn es „befriedet“ und abgesichert ist. Soll heißen: Wenn etwa eine herabgelassene Schranke oder andere Absperrungen den Parkplatz sichern sowie ausgeschlossen wird, „dass andere Verkehrsteilnehmer, die gefährdet werden können, dort nicht hineinkommen können“. Das müsse man etwa durch Aufseher gewährleisten. Zudem müsse der Eigentümer der abgesperrten Fläche mit der Aktion einverstanden sein. Sonst mache sich der driftende Fahrer strafbar – wegen Hausfriedensbruchs.

Hohe Strafen drohen

Wer generell andere Verkehrsteilnehmer durch so ein Fahrmanöver gefährdet oder schädigt, könne laut Paragraf 315c des Strafgesetzbuchs zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder zu einer hohen Geldstrafe verurteilt werden, erinnert der Polizeisprecher. In Verbindung mit einem illegalen Autorennen drohten sogar bis zu zehn Jahre Gefängnis – wenn man beispielsweise durch das Driften in einer Kurve „absichtlich das Maximum aus seinem Fahrzeug herausholen will“ und dadurch einen Unfall mit Schwerverletzten oder Toten verursacht.

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In der Regel verteile die Polizei in der Region aber nur Bußgeldanzeigen oder Verwarnungen, sagt Geißler: Wer beim Driften etwa durch Reifenquietschen vorsätzlich unnötigen Lärm verursacht und die Anwohner stört, bezahle bis zu 20 Euro. Wie auch bei einer „vermeidbaren Abgasbelästigung“. Teurer wird es, wenn Autofahrer „unnütz umherfahren“: Dann werden laut aktuellem Bußgeldkatalog bis zu 40 Euro fällig. Gerade bei winterlichen Straßenverhältnissen komme es immer wieder vor, dass Autofahrer durch das Driften in Kurven von der Fahrbahn abkommen. Werde bei solchen Unfällen niemand gefährdet, koste das 35 Euro Bußgeld.

Wie viele Drifter in Kempten und im Oberallgäu in den vergangenen Jahren bestraft wurden, kann der Polizeisprecher nicht sagen: Dies werde statistisch nicht erfasst.

Junge Fahrer oft leichtsinnig

Aber welche Motive verleiten vor allem junge Männer dazu, solche Manöver mit ihren Autos zu riskieren? „Sie sind leichtsinniger als erfahrene Fahrer und haben mehr Mut zum Risiko“, erklärt Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern. Das zeige auch die Unfall-Statistik: Heranwachsende im Alter von 18 bis 24 Jahren haben demnach ein erhöhtes Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken – das gilt besonders nachts für den ländlichen Raum. Die meisten Getöteten bei Unfällen stammen zudem aus dieser Altersgruppe (knapp 40 Prozent). Junge Fahrer verursachen darüber hinaus jeden sechsten Unfall mit Personenschaden – vor allem, weil sie zu schnell unterwegs sind. Das Driften mit dem Auto stelle für die Heranwachsenden einen gewissen Reiz dar, sagt Kreipl. Sie könnten dabei ihre eigenen Grenzen ausloten. Zudem vergleiche man sich in dem Alter gerne mit anderen und nehme Regeln nicht so ernst. Diese hohe „Wettbewerbsbereitschaft“ könne allerdings fatale Folgen haben.

Fahrmanöver können Heranwachsende beim ADAC-Sicherheitstraining üben: www.sicherheitstraining.net

Hintergrund: Was ist Driften eigentlich genau?

  • Driften: Den Begriff gibt es laut Polizeisprecher Dominic Geißler in der Straßen- und Verkehrsordnung nicht. Von Driften spreche man, „wenn die Hinterachse eines Fahrzeugs ausbricht und die Hinterreifen die Bodenhaftung verlieren“. Der Fahrer mache dabei aber keinen Fehler, sondern provoziere dieses Manöver bewusst. Driften sei vielen Menschen aus Filmen und aus dem Fernsehen bekannt.
  • Ziel: Der Fahrer wolle möglichst lange das Ausbrechen der Hinterachse und Verlust der Bodenhaftung aufrecht erhalten, erklärt Geißler. „Driften hat allerdings im öffentlichen Straßenverkehr nichts zu suchen und ist auch nicht erlaubt.“ Wer das unbedingt tun wolle, soll sich eine geeignete Rennstrecke suchen, wo man gefahrlos driften könne.
  • Orte: Das Phänomen beobachtet die Polizei vorwiegend auf mit Schnee oder Eis bedeckten Parkplätzen im Winter – weniger auf geteerten Flächen im Sommer. Durch den Gummiabrieb würden nämlich die Reifen stark beschädigt, was auf Dauer ins Geld geht. Landwirte klagen zudem häufig über beschädigte Wiesen, die Drifter verunstalten.
  • Personenkreis: Mit ihren Autos driften Geißler zufolge vor allem junge, heranwachsende Männer wie auch „Menschen, die gerne Autos tunen und gerne schnell fahren“.

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