Sommerurlauber in der Zwickmühle

Wer aus Angst vor Corona EU-Reisen storniert, muss teilweise hohe Gebühren bezahlen

Nach einer mehr als zweimonatigen Zwangsschließung wegen der Corona-Pandemie bereiten sich Mallorca und viele andere Regionen Spaniens auf den Start der Urlauber-Saison vor.

Mallorca und viele andere Regionen Spaniens bereiten sich auf den Start der Urlauber-Saison vor. Wer eine Pauschalreise dorthin gebucht hat, muss sie wohl auch antreten, wenn er keine Stornokosten bezahlen will.

Bild: Clara Margais, dpa

Mallorca und viele andere Regionen Spaniens bereiten sich auf den Start der Urlauber-Saison vor. Wer eine Pauschalreise dorthin gebucht hat, muss sie wohl auch antreten, wenn er keine Stornokosten bezahlen will.

Bild: Clara Margais, dpa

Ein Oberallgäuer hat einen Spanien-Urlaub bereits gebucht - doch die Reiselust ist ihm inzwischen vergangen. Storniert er aber die Reise, wird das teuer.

11.06.2020 | Stand: 16:21 Uhr

Viele Urlauber sind derzeit verwirrt: Klappt es heuer mit dem Sommerurlaub, nachdem die Bundesregierung die Reisewarnung ab 15. Juni teilweise aufheben will – unter anderem für beliebte Urlaubsziele in der EU? Ein Oberallgäuer sitzt deswegen in der Zwickmühle: Er hatte einen Spanien-Urlaub für Mitte August gebucht, doch die Reiselust ist ihm und seiner Familie wegen der Corona-Krise inzwischen vergangen. Das Problem: Storniert er die Reise, soll er mindestens 1315 Euro (30 Prozent des Gesamtpreises von etwa 4400 Euro) an Stornogebühr bezahlen. Über den Fall sprachen wir mit Andreas Winkler von der Verbraucherzentrale in Kempten.

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Hat der Oberallgäuer noch die Chance, diese Reise in den Sommerferien kostenlos zu stornieren und seine Anzahlung von knapp 900 Euro zurückzubekommen?

Andreas Winkler: Nur wenn der Veranstalter selbst die Reise absagt. Wenn erhebliche Reisemängel vorliegen, könnte man auch selbst vom Reisevertrag zurücktreten. Oder etwa wegen sogenannter unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände, die mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 25 Prozent zum Zeitpunkt der Reise auftreten. Dabei sollte man zudem bedenken: Je kürzer die Zeit bis zum Reisebeginn ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auch noch bestehen, sobald die Reise stattfinden soll.

EU-Reisen, die nach dem vorläufigen Ende der weltweiten Reisewarnung am 14. Juni stattfinden, kann man selbst nicht kostenlos stornieren?

Winkler: Es kommt darauf an. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat ein Gutachten im Mai veröffentlicht, wonach Pauschalreisen ins Ausland, die bis Ende August stattfinden sollen, ohne Kosten storniert werden können. Grundlage für die Argumentation waren etwa die Aussagen von Politikern wie Außenminister Heiko Maas. Demnach gäbe es keine Anzeichen, dass Auslandsreisen in nächster Zeit stattfinden könnten. Momentan ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Umstände der Corona-Pandemie zu einer erheblichen Beeinträchtigung führen, so hoch, dass die Voraussetzungen für ein kostenloses Rücktrittsrecht bereits jetzt vorliegen dürften. Der Deutsche Reiseverband konterte aber mit einem Gegengutachten: Wer jetzt schon seine Sommerreise storniere, müsse mit Stornokosten rechnen. Was am Ende gilt, entscheiden wohl die Gerichte.

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Bis das Urteil fällt, wird es aber noch dauern. Je länger aber der Oberallgäuer Familienvater wartet, umso mehr Stornierungsgebühr bezahlt er: Ab dem 42. Tag vor Reiseantritt steigen die Kosten um jeweils fünf Prozent pro Woche – sprich um knapp 220 Euro. Was empfehlen Sie ihm, zu tun?

Winkler: Wir können leider nichts empfehlen, die Lage ändert sich beinahe täglich. Wann der Reisende vom Rücktrittsrecht Gebrauch zu machen hat, ist gesetzlich nicht geregelt. Grundsätzlich kann er, wenn die Voraussetzungen gegeben sind, zwischen Vertragsabschluss und Reisebeginn vom Vertrag zurücktreten. Der Familienvater muss aber nachweisen, dass eben diese außergewöhnlichen, unvermeidbaren Umstände mit besagter Wahrscheinlichkeit auftreten. Daher empfiehlt es sich, die aktuelle Situation täglich neu einzuschätzen und vorsorglich eine begründete Rücktrittserklärung abzugeben. Und zwar relativ zeitnah, sobald die Voraussetzungen für den Reiserücktritt entsprechend beweisbar vorliegen und man sich natürlich dazu entschieden hat, auf gar keinen Fall zu reisen.

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Sollte sich der Oberallgäuer daher besser überlegen, ob er und seine Familie die Reise nicht doch antreten wollen?

Winkler: Wenn er sicher keine Stornogebühr bezahlen will: ja. Es kann aber immer noch sein, dass der Veranstalter die Reise absagt. In dem Fall bekommt die Familie das Geld komplett zurück. Wenn sie aber wegen der Corona-Pandemie und der dadurch bedingten Risiken, Konsequenzen und Maßnahmen jedweder Art keinesfalls nach Spanien reisen will, sollte die Familie die Reise gegen Stornokosten absagen. Je früher man mit der Stornierung dran ist, umso geringer sind die Stornokosten gemäß den vertraglichen Vereinbarungen.

Bei Fragen zum Sommerurlaub hilft die Verbraucherzentrale weiter unter Telefon 089/5527940 oder www.verbraucherzentrale-bayern.de 

Andreas Winkler von der Verbraucherzentrale Kempten hilft bei Fragen um den Sommerurlaub weiter.
Andreas Winkler von der Verbraucherzentrale Kempten hilft bei Fragen um den Sommerurlaub weiter.
Bild: Hermann Ernst