Corona-Probleme

Wie Allgäuer Lions-Clubs Künstler unterstützen wollen

Seit März 2020 gibt es kaum Auftritte für Allgäuer Künstler. Auf Hilfe warten auch Musiker wie (von links) Marcel Dorn, Stephan Weh, Andreas Schütz und Magnus Dauner.

Seit März 2020 gibt es kaum Auftritte für Allgäuer Künstler. Auf Hilfe warten auch Musiker wie (von links) Marcel Dorn, Stephan Weh, Andreas Schütz und Magnus Dauner.

Bild: Fotos: Christoph Lienert

Seit März 2020 gibt es kaum Auftritte für Allgäuer Künstler. Auf Hilfe warten auch Musiker wie (von links) Marcel Dorn, Stephan Weh, Andreas Schütz und Magnus Dauner.

Bild: Fotos: Christoph Lienert

Die Lionsclubs möchten Kunstschaffenden mit einem Förderpreis helfen. Für viele Künstler wird die Luft immer dünner.
02.02.2021 | Stand: 19:46 Uhr

Seit März 2020 sind viele Allgäuer Künstler von der Corona-Pandemie direkt betroffen. Konzerte und Auftritte auf Bühnen waren kaum mehr möglich. Die Umsätze von solo-selbstständigen Musikern, Sängern und Schauspielern sanken auf einen Bruchteil. Von Seiten des Bundes und des Freistaats gab es zwar Hilfsprogramme, doch bisweilen kam das Geld gar nicht an. Und falls doch, war es oft zu wenig. Einige Künstler stellen sich inzwischen die Frage, ob sie weitermachen können. Um das Schaffen der Künstler in der Region zu würdigen, haben die vier Kemptener Lionsclubs und der Ladies Circle den „LC-Förderpreis“ ins Leben gerufen. Vergeben wird er zusammen mit der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung. Nachdem wir neulich über diese Aktion berichteten, haben sich die ersten Künstler für den Förderpreis beworben.

Den Grundstock für den LC-Förderpreis haben die Mitglieder der fünf Serviceclubs bereits eingezahlt – mehr als 16 000 Euro. Jetzt fordern sie Firmen und Bürger auf mitzumachen. „Kunstinteressierte und Konzertfreunde können hier ein Zeichen für die Kultur setzen und sich engagieren“, sagt Lions-Präsident Prof. Dr. Laszlo Füzesi.

Ignoranz der Politik

Wie ernst die Lage ist, zeigen ein paar Beispiele. Stephan Weh und Marcel Dorn vom Duo „Pianotainment“ etwa haben mehr als 1000 Konzerte in über 100 Ländern gegeben, darunter regelmäßig ein Allgäuer Heimatkonzert. „Corona traf uns 2020 mit als Erste, da bereits im Februar das Asien-Geschäft einbrach“, erklärt Weh. Es folgten ab März die europäischen Gigs und später auch die amerikanischen. „Und das letzte Standbein ging natürlich komplett in die Knie: Kreuzfahrt-Engagements.“ Die beiden Pianisten verloren ihre Freude und Bestätigung durch ihre Arbeit. „Schlimmer war nur noch die Ignoranz und Abscheu der Politik im Umgang mit den eigenen – Jahrzehnte lang Steuer zahlenden – Künstlern und anderen Solo-Selbstständigen.“

Ein anderes Beispiel ist Norman Graue von den „Wendejacken“. Der kleine Theaterbetrieb läuft seit 17 Jahren, dann sorgte die Corona-Pandemie für ein großes Loch: Sämtliche Eigenveranstaltungen, Buchungen, Workshops und Kurse wurden abgesagt. Lediglich ein Auftritt vor 300 Zuschauern auf dem Hildegardplatz im Sommer 2020 war möglich. „Mir fehlt die Bühne“, sagt Graue. „Mir fehlt es, Menschen durch meine Tätigkeit und meine Wirkung etwas glücklicher zu machen und die Sorgen für ein paar Momente ins Abseits stellen zu können.“ Bis jetzt bekamen er und seine Schauspielpartnerin Nadine Schneider keine November- und Dezemberhilfen. Um zu überleben, hat er einen Teilzeitjob übernommen.

Corona: Die Auswirkungen sind zu spüren

Zu den Größen im Allgäu gehört auch Murat Parlak. Seine Konzerte wurden ebenso abgesagt wie seine Tour mit Anne Clark und die Vorstellungen als Pianist mit dem Ariane Theater Winterthur: „Die Auswirkungen bekommen meine Familie und ich jeden Tag zu spüren.“

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Die Kemptener Sängerin Leonie Leuchtenmüller ist im Allgäu und in Asien unterwegs – zusammen mit Pianist Andreas Schütz, doch jetzt sitzt sie zuhause. „Wenn man sein künstlerisches Wirken auf die eigenen vier Wände beschränken muss und zusätzlich vermittelt bekommt, dass man als solo-selbstständige Künstlerin vom Staat als systemirrelevant abgewertet wird, dann zehrt das am Ego, am Selbstwertgefühl, an der Lebensfreude“, sagt die 33-jährige Sängerin. Von einer finanziellen Katastrophe spricht auch Musiker Anton Dirnberger, der seit zehn Jahren mit Konzertgagen und Kompositionen seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Wie schwer das ist, beschreibt der Allgäuer Künstler Rainer von Vielen: „Seit Beginn der Pandemie konnten bislang etwa 80 Konzerte und Veranstaltungen nicht durchgeführt werden.“ Theaterengagements wurden abgesagt oder verschoben. „Staatliche Fördermittel waren nicht zum Lebensunterhalt nutzbar“, sagt er. „Die Künstlersoforthilfe wurde gewährt und dann wieder eingezogen.“ Für ihn und seine Bandkollegen wird die Luft immer dünner. „Seit März lebe ich mit meiner Familie in einer angespannten Situation und versuche, mit Gelegenheitsjobs einen Teil der Defizite abzufedern.“

Spenden laufen über Verein

An der Förderpreis-Aktion beteiligen sich: die Lions Clubs Kempten (Allgäu), Kempten-Buchenberg, Kempten-Cambodunum und Kempten Müßiggengel sowie der Ladies Circle Kempten. Spenden sowie Bewerbungen der solo-selbstständigen Bühnenkünstler aus Kempten und Umgebung laufen über den Förderverein Lions-Hilfswerk Kempten. Internet-Kontakt:

www.lions.de/web/lc-kempten- allgaeu/hilfswerk