Online-Diskussion

Wie bringt man Kindern Sinn für Baukultur und Gestaltung bei?

Bewegter Donnerstag

Auch um das Thema „Architektur und Schule“ drehte sich die Online-Diskussion des Kempten-Museums.

Bild: Harald Holstein

Auch um das Thema „Architektur und Schule“ drehte sich die Online-Diskussion des Kempten-Museums.

Bild: Harald Holstein

Experten fordern mehr Zeit in der Schule - und auch mehr Geld, um Projekte stemmen zu können. Außerdem ist eine Vernetzung diverser Institutionen erforderlich.
06.06.2021 | Stand: 16:28 Uhr

Wenn es um die zukünftige Gestaltung unserer Behausungen und Städte geht, setzt Franz G. Schröck vom Architekturforum Allgäu ganz auf die Jugend. Wie es um die baukulturelle Bildung und gestalterische Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen im Allgäu genau steht, diskutierte er mit den Architekten Jan Weber-Ebnet (München) und Wolfgang Sodeur (Sonthofen). Die Perspektive des Lehrers vertrat bei dieser Online-Veranstaltung in der Reihe „Bewegter Donnerstag“ des Kempten-Museums der Künstler und Kunsterzieher Mathias Schuh aus Schwarzenberg.

16 Experten diskutieren, was besser werden muss

Jan Weber-Ebnet, der unter dem Schlagwort „bauwärts – Stadt Raum Bildung Kultur“ partizipative Verfahren für die Stadtentwicklung, Fortbildungen und didaktische Materialien für Lehrer anbietet, lobt zwar das Herzblut, mit dem viele Architekten Gestaltkompetenz fördern wollten. Er sieht darin aber auch einen hemmenden Faktor. „Wichtig ist uns, dass die baukulturelle Bildung aus dieser Ehrenamts- und Ich-mach-das-mal-nebenbei-Ecke rauskommt“, sagt Weber-Ebnet. In der anschließenden Diskussion unter den 16 Online-Teilnehmern sah es auch Kunsthistorikerin Birgit Höppl vom Edwin-Scharff-Museum (Neu-Ulm) für sehr kritisch, dass viele Arbeitsgruppen mit Schülern in unterbezahlte Bereiche ausgelagert würden.

Ein Problem: Reduzierte Stunden im Kuntsunterricht

Obwohl Mathias Schuh von einigen gelungenen Projekten am Allgäu-Gymnasium berichten konnte, beklagt der Kunsterzieher, dass die persönlichen Bedürfnisse der Schüler bei den stark reduzierten Stunden im Fach Kunst nicht gefördert werden könnten. Von daher könne die Schule nur Impulse setzen. „Die Ausbildung individueller Neigungen liegt in der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und der familiären!“, betont Mathias Schuh.

Stadtoase in Sonthofen: Schüler suchen Raum für temporäre Aktionen

Architekt Wolfgang Sodeur gründete gemeinsam mit seinem Sohn Philipp die baukulturelle Initiative Stadtoase in Sonthofen. Mit Schülern des Gymnasiums Sonthofen suchen sie Orte für temporäre Bauten, wie beispielsweise Hochbeete oder Kioske. Sie wünschen sich aber mehr Kontakt und Engagement von Seiten der Stadt für die jährlichen Projekt-Seminare und Modellbauworkshops.

Die Jungen von Heute sind die Entscheidungsträger von Morgen

Auch Franz G. Schröck vom Architekturforum Allgäu sieht großen Handlungsbedarf. Die baukulturelle Vermittlung beruhe noch zu sehr auf freiwilliger Basis und sei nicht mit entsprechenden Budgets ausgestattet. Es sei aber sehr wichtig, Neugier, Begeisterung und Sensibilität bei den jungen Menschen zu wecken, da sie später Entscheidungsträger bei Bauvorhaben sein können und Einfluss auf unsere gebaute Umwelt nehmen.

Workshop „Häuser für Tiere“ für Kinder und Jugendliche

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Schröck strebt dabei eine Vernetzung von Architekten und Kunsterziehern an, um Unterrichtsmaterial und Methoden auszutauschen. Anfang August bietet das Architekturforum einen Workshop im neuen „Reglerhaus für Baukultur“ unterhalb der Burghalde zum Thema Stallbau an. Für den Workshop „Häuser für Tiere“erhofft er sich viel Interesse von Kindern und Jugendlichen, denn er möchte schon in jungen Jahren für Bildung sorgen, um später höchstmögliche Qualität zu erreichen.

Der nächste Termin der Diskussionsreihe „Bewegter Donnerstag“ findet am 1. Juli, um 19 Uhr als „Tischgespräch“ in Kooperation mit dem Haus International statt – ob online oder in Präsenz ist noch offen.