Hubsi Aiwanger und seine Hendl

Wie der Allgäuer Musiker "Rainer von Vielen" Hubert Aiwanger auf die Schippe nimmt

Stadttheater: Rainer von Vielen

Die Band Rainer von Vielen bei einem ihrer letzten Konzerte vor der Corona-Krise.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Die Band Rainer von Vielen bei einem ihrer letzten Konzerte vor der Corona-Krise.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

In einem viralen Video-Mashup macht sich der Musiker Rainer von Vielen über den bayerischen Wirtschafsminister lustig. Den Clip zum Mitlachen gibt's bei uns.

11.06.2020 | Stand: 07:17 Uhr

Ja, das geht: Man kann die Menschen schwindlig reden. Es gibt Sätze, deren Sinngehalt sich nicht erschließen lässt, die Raum und Zeit aufheben. Alles dreht sich dann für den Zuhörer. Edmund Stoiber galt lange in dieser Disziplin führend. Man denke nur an die hirnwirblige Transrapid-Rede des bayerischen Ministerpräsidenten (2002) oder an seinen Vortrag über „Normal-, Schad- und Problembären“ (2006). In Stoibers sprachliche Fußstapfen ist nun Hubert Aiwanger getreten.

Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister von den Freien Wählern sorgt seit 2018 mit schöner Regelmäßigkeit mit seinen Sprüchen und Kommentaren für Kopfschütteln. Nun hat der Allgäuer Musiker Rainer von Vielen dem „Hubsi“ ein kleines, satirisches Denkmal gesetzt: „Ich bin systemrelevant“ heißt sein Musik-Video, das im Netz viel Beachtung findet.

Wie viele Menschen dürfen sich noch gleich in einem Biergarten treffen? 

„Der Aiwanger hat eine urkomische Art, Dinge zu transportieren“, sagt der Musiker, der eigentlich Rainer Hartmann heißt und bei Sulzberg (Oberallgäu) lebt. Der 43-Jährige denkt nicht nur an Aiwangers skurrile Berechnung der Corona-Abstandsregeln in Biergärten. Zur Erinnerung ein Auszug: „Wenn sechs bis acht Leute, jeder mit seinem Kumpel kommt, dann kann der sich natürlich jeweils mit seinem Kumpel, der seine Bezugsperson ist, an einen Tisch setzen, und mit einsfuchzig Abstand sitzt der nächste Kumpel mit seinem Kumpel. Aber die können nicht sechs Mal zwei an einem Tisch sitzen, weil ja nicht mal die ersten Sechse an einem Tisch sitzen dürften ...“

Auslöser für Rainer von Vielens Video war aber Aiwangers „Hendl“-Rede. Angesichts der coronabedingten Einbußen von Wirten hatte der Wirtschaftsminister gesagt: „Die Versicherungen sind auf die Gastrobranche zugegangen, zahlen jetzt schon. Also die haben jetzt schon das halbe Hendl bratfertig am Tisch. Die Alternative wäre gewesen, wenn ich mich zurücklehne, dass ich sag, da läuft das Hendl irgendwo hinten im Garten rum, fang dir’s ein, dann hast du ein ganzes Hendl...“

Als von Vielen das hörte, kringelte er sich vor Lachen – und durchstöberte das Internet nach Aiwanger-Videos. Dabei entdeckte er nicht nur „ganze Hendl“ und „halbe Hendl“. Er sampelte Video-Schnipsel, passte das Ganze auf einen Beat an und fügte Effekte hinzu. Für den zünftigen Ton sorgte die Musikkapelle Krugzell, die einmal ein Konzert von Rainer von Vielen umrahmt hatte (der Auftritt war aufgezeichnet worden). Zehn Stunden lang arbeitete er am Video, das eine Minute lang ist.

Die Resonanz ist groß. Kabarettist Hannes Ringlstetter hat es etwa auf seine Facebook-Seite genommen. Dort finden sich bereits über 1000 Kommentare. Sie reichen von „super“ über „sauguad“ bis zu „genial“. Für manche wäre es der „Wiesn-Hit 2020“ gewesen.

Andere haben Mitleid mit Hubert „Hubsi“ Aiwanger („Immer auf de Gloana“). Augenzwinkernd lässt Rainer von Vielen am Ende den Minister sich outen: „Die Natur braucht mehr denn je radikale Klimademonstranten, die sich auf die Straße setzen. Und ich bitte den lieben Gott, schönes Wetter walten zu lassen, dass wir auch draußen sitzen können.“ Was wohl Ministerpräsident Markus Söder dazu sagt?