Entwicklung

Wie Kommunen im Oberallgäu um Bauland ringen

Auf dem ehemaligen Haindl-Gelände in Waltenhofen entstehen Eigenheime. Für viele Kommunen wird es eine immer größere Herausforderung an Bauland zu kommen. Stehen Grundstücke zur Verfügung, geht es darum, wer von den Interessierten den Zuschlag erhält – bei der Entscheidung sollen Vergabesysteme und auch Baulandmodelle helfen.

Auf dem ehemaligen Haindl-Gelände in Waltenhofen entstehen Eigenheime. Für viele Kommunen wird es eine immer größere Herausforderung an Bauland zu kommen. Stehen Grundstücke zur Verfügung, geht es darum, wer von den Interessierten den Zuschlag erhält – bei der Entscheidung sollen Vergabesysteme und auch Baulandmodelle helfen.

Bild: Martina Diemand

Auf dem ehemaligen Haindl-Gelände in Waltenhofen entstehen Eigenheime. Für viele Kommunen wird es eine immer größere Herausforderung an Bauland zu kommen. Stehen Grundstücke zur Verfügung, geht es darum, wer von den Interessierten den Zuschlag erhält – bei der Entscheidung sollen Vergabesysteme und auch Baulandmodelle helfen.

Bild: Martina Diemand

Weil es so schwierig ist, an Bauland heranzukommen passen einige Kommunen ihre Strategie jetzt an. Dabei geht es um Baulandmodelle und Vergaberichtlinien.
12.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Das Angebot an Neubaugebieten hält sich in den Städten und Kommunen in Grenzen: Bauland ist knapp. Und wenn es freie Flächen gibt, die von Gemeinden erworben und bebaut werden können, drängt sich immer öfter die Frage auf, wer von den zahlreichen Bewerbern den Zuschlag erhält. Die Kommunen setzen deshalb immer mehr auf Baulandmodelle und Punktesysteme.

Durach entscheidet sich für neue Baulandpolitik

In Durach hat sich der Gemeinderat einstimmig für eine neue Baulandpolitik entschieden. Die Gemeinde will damit Grundstücksspekulationen vorbeugen. Verfügbare Flächen sollen also vorrangig für Wohnungen und Häuser der örtlichen Bevölkerung oder für die heimischen Gewerbebetriebe zur Verfügung stehen. Etwa 300 Anfragen für ein Eigenheim zählt die Gemeinde. Bauland wird künftig nur unter der Bedingung ausgewiesen, wenn die Gemeinde zum Teil auch Eigentümer wird: So soll die Verwaltung bei Grundstücken bis zu 1200 Quadratmetern die Hälfte – bei größeren Grundstücken zwei Drittel der Fläche – erwerben. Die Eigentümer für die verbleibenden Flächen müssen sich dann verpflichten, die Grundstücke innerhalb einer Frist zu bebauen. Die Baugrundstücke der Gemeinde sollen dann über das Erbbaurecht vergeben werden. Das heißt, das Grundstück bleibt Eigentum der Gemeinde, das Eigenheim bezahlt der Käufer.

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Thomas Eigstler, Bürgermeister der Gemeinde Wiggensbach und Vorsitzender des Kreisverbandes des bayerischen Gemeindetags, kennt diese Baulandmodelle. Auch in Wiggensbach komme seit Jahrzehnten eines zum Einsatz. Er weist daraufhin, dass die Kommunen dafür aber auch Bauland – etwa von Landwirten – benötigen. Und das ist immer schwieriger zu bekommen. „Es ist wichtig die Landwirte in diesen Prozess mit einzubeziehen“, sagt Eigstler. Die wollen schließlich auch einen Teil des Kuchens abbekommen.

Jede Kommune geht mit dem Thema anders um

Es gebe keinen Königsweg, jede Kommune gehe mit diesem Thema anders um. Eigstler rät den Gemeinden, den Landwirten ein vielfaches des Wertes auszubezahlen: „Nur so bekommen wir tatsächlich Flächen.“ Auch in seiner Gemeinde gibt es etwa 300 Interessenten für einen Bauplatz. Bauland zur Verfügung zu stellen, ist mit Blick auf den Flächenverbrauch laut Eigstler immer auch eine Gratwanderung. Jedes neue Baugebiet ziehe auch eine Kette nach sich: Plätze in Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen müssten zum Beispiel erweitert werden.

In Immenstadt soll in Kürze über ein Einheimischenmodell beziehungsweise ein Punktesystem beraten werden, teilt Sebastian Wolf von der Verwaltung mit. Die Nachfrage nach Bauland sei in den vergangenen Jahren „deutlich gestiegen“. Daher komme es auch immer wieder vor, dass nur solche Grundstücke zur Verfügung stehen, die schwer zu entwickeln seien – beispielsweise Land in Überschwemmungsbereichen. Bezahlbarer Wohnraum ist dabei das Stichwort: „Es ist schwierig, Flächen zu angemessenen Konditionen zu erwerben und die Baukosten sind deutlich gestiegen“, sagt Wolf. Deshalb sei das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, immer schwerer zu realisieren. Eine Warteliste für Bauplätze führe die Stadt nicht. Die Verwaltung will aber in Kürze eine Online-Plattform ins Leben rufen. Dort sollen sich Bauwillige eintragen. Allerdings zeige die bisherige Erfahrung, teilt Wolf mit, dass die Nachfrage stets höher ist als das zur Verfügung stehende Angebot.

Bauplätze nach einem Punktesystem vergeben

Laut Durachs Bürgermeister Gerhard Hock wäre es in seiner Gemeinde zusätzlich denkbar, Bauplätze zukünftig nach einem Punktesystem zu vergeben. Vorstellbar wäre ein Fragenkatalog: Hat der Bewerber bereits in Durach gelebt und wenn ja, wie lange? Sind die Interessenten verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft? Geht der Bewerber einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach? Gibt es Kinder im Haushalt? Diese Vergaberichtlinie müsste aber noch im Detail erarbeitet und am Ende vom Gemeinderat beschlossen werden.