Kunstkatalog

Wie Tücher, die im Wind flattern

Irmi Obermeyer

Das Ölgemälde „Penny Lane“ entstand 2019 auf einer Leinwand.

Bild: Josef Batzer

Das Ölgemälde „Penny Lane“ entstand 2019 auf einer Leinwand.

Bild: Josef Batzer

Irmi Obermeyer hat in einem Katalog aktuelle, faszinierende Arbeiten gebündelt

04.06.2020 | Stand: 18:42 Uhr

Diese Bilder ziehen in den Bann: Seit vier Jahren kreiert Irmi Obermeyer mit eigenwilligen Pinsel-Konstruktionen faszierende Gemälde. Sie wirken mal wie im Wind flatternde, bunte Tücher und Schals, und mal bilden sie poetisch-abstrakte Räume, in denen sich der Betrachter verlieren kann. In einem feinen, 48 seitigen Katalog zeigte Obermeyer nun eine Auswahl ihrer assoziationsreichen Kunst.

Es ist spannend zu entdecken, wie sich die Malerin in den letzten Jahren den Weißraum erobert hat. Wie sie mit dynamisch-konzentriertem Pinselstrich und aparter Farbwahl in die Dreidimensionalität vordringt. Ihre Gemälde entstehen mal auf weißer Leinwand, mal auf weißem Karton, mal auf milchigem Plexiglas. Dem Zufall überlässt die 1960 geborene Malerin nur wenig. Wenn Irmi Obermeyer ein neues Bild malt, dann hat sie mehr als die Grundstruktur im Kopf. „Ich denke jedes Bild zu 80 Prozent vor“, sagt die Malerin, die derzeit von Wildpoldsried nach Durach umzieht. Wer ihren neuen Katalog durchblättert, bekommt eine Ahnung davon, wie konzentriert und aufwendig diese Vorarbeiten sind.

Die Bilder entstehen zügig, „aus einem Atem heraus“, sagt sie. Sie mache keine Korrekturen, keine Nachbearbeitungen. Warum nicht? „Die Energie am nächsten Tag wäre ein ganz andere.“ Und so staunt man beim Betrachten von Bildern wie „Penny Lane“ (siehe links), „Green Day“, „Antares“ oder „Salida“ – und spürt fasziniert den filigranen, durch Pinselhaare entstandenen Liniengeflechten nach. Dass man dies ganz unterschiedlich tun kann, zeigen die Kunsthistorikerin und Galeristin Andrea Dreher (München) und die Kunst-Autorin Sophia Neopren (München) in lesenswerten Begleittexten. Der Katalog kostet 15 Euro und ist online auf der Webseite der Küsntlerin erhältlich (www.irmiobermeyer.de).