Corona-Folgen

Wie Theater Kindern hilft, die unter psychischen Problemen leiden

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Das Theater möchte künftig intensiver und umfangreicher mit Kindern arbeiten – wie es beim „Märchensommer“ schon geschieht.

Bild: Ralf Lienert

Das Theater möchte künftig intensiver und umfangreicher mit Kindern arbeiten – wie es beim „Märchensommer“ schon geschieht.

Bild: Ralf Lienert

Kempten stellt Geld bereit, um die negativen psychischen Folgen der Corona-Pandemie bei Grundschülern zu bekämpfen. Die Finanzierung ist aber schwierig.
15.05.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Das Kemptener Theater möchte Grundschulkindern helfen, die unter der Corona-Pandemie leiden. Diese Aufgabe soll eine Theaterpädagogin/ein Theaterpädagoge in Vollzeit übernehmen. Der Ausschuss für Kultur und Stadttheater gab dafür nun grünes Licht – allerdings muss noch der Haupt- und Finanzausschuss darüber befinden. Stadträtin Annette Hauser-Felberbaum (Freie Wähler/ÜP) hatte den Antrag – wie berichtet – gestellt. Begründung: Mit Theaterpädagogik könne man in spielerischer Weise die jungen Menschen erreichen, die im letzten Jahr durch das Raster der Gesellschaft gefallen seien.

35 Prozent der Kinder leiden unter psychischen Erkrankungen

Auch Theater-Chefin Silvia Armbruster sieht das so. Ihr zufolge leiden Kinder unter Abstandsregeln, Strukturverlusten und der Einschränkung von Sozialkontakten. Ärzte hätten ermittelt, dass 35 Prozent der Kleinen im Alter von sechs bis zehn Jahren im Zuge des zweiten Lockdown psychisch erkrankt seien. Zwangs- und Essstörungen würden zunehmen, ebenso Depressionen und Angsterkrankungen. Bezogen auf die 2300 Grundschulkinder in den 130 Kemptener Klassen seien das 800 Kinder.

"Eltern, Kinder und Lehrer brauchen unsere Unterstützung", sagt Theaterdirektorin Silvia Armbruster

Theater und Theaterspielen könne ein probates Mittel sein, um die sozialen und psychischen Defizite aufzufangen und auszugleichen, sagte Armbruster im Ausschuss und machte deutlich, dass ihr diese Aufgabe ein Herzensanliegen ist. „Eltern, Kinder und Lehrer brauchen unsere Unterstützung.“ Konkret möchte Armbruster mit spielerischen Workshops in den Schulklassen helfen. Dabei sollen unter anderem Traurigkeit, Depression, Kontroll- und Strukturverlust, Mobbing sowie reales und digitales Leben thematisiert werden – damit Kinder neuen Lebensmut schöpfen, neue Lebensfreude gewinnen und Selbstvertrauen aufbauen.

25 000 Euro fehlen. Das Kulturamt soll das Geld bereitstellen. Doch wie?

Im Budget des Theaters standen bisher 10 000 Euro für Pädagogik bereit. Das reiche aber nicht aus, um die nun notwendige Arbeit zu leisten, erläuterte Armbruster. Sie hält eine Vollzeitstelle für sinnvoll, die freilich 35 000 Euro kosten würde. Die Finanzierung allerdings ist schwierig. Die fehlenden 25 000 Euro sollen im Jahr 2021 aus Mitteln des Kulturamts kommen, die wegen Corona nicht oder nur teilweise abgerufen werden. Diese Lösung segnete nach dem Aufsichtsrat der gemeinnützigen Theater-GmbH nun auch der Ausschuss für Kultur und Stadttheater ab – einstimmig. „Die 25 000 Euro werden wir aber nicht ganz schaffen“, sagt Kulturamtsleiter Martin Fink auf Anfrage unserer Zeitung. Künftig soll der Eigenbetrieb Stadttheater die zusätzliche Summe von 25 000 Euro in seinen Wirtschaftsplan aufnehmen.