Neujahrsempfang der CSU

Wieder "näher am Menschen" sein: CSU in Kempten und dem Oberallgäu beschwört Zusammenhalt

Bei ihrem Neujahrsempfang spricht die CSU Kempten und Oberallgäu über die Landtagswahl in Bayern 2023 und die aktuelle Regierung.

Bei ihrem Neujahrsempfang spricht die CSU Kempten und Oberallgäu über die Landtagswahl in Bayern 2023 und die aktuelle Regierung.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Bei ihrem Neujahrsempfang spricht die CSU Kempten und Oberallgäu über die Landtagswahl in Bayern 2023 und die aktuelle Regierung.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Mit Blick auf die Landtagswahl 2023 wollen die Kemptener und Oberallgäuer Kreisverbände Schwerpunkte erarbeiten und dabei alle Mitglieder einbeziehen.
14.01.2022 | Stand: 17:04 Uhr

Man trifft sich, tauscht hier Informationen aus, hält da ein Schwätzchen: Der traditionelle Neujahrsempfang der Kemptener und Oberallgäuer CSU bedeutet eigentlich, Kontakte – auch mit Nicht-Parteimitgliedern – zu pflegen. Im vergangenen Jahr fiel das Treffen wegen der Corona-Pandemie komplett aus. Nun fand der Neujahrsempfang digital statt. Die Ansprache hielt der bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker. Und nicht nur er vermisste den persönlichen Kontakt.

"Wir müssen aufeinander hören": CSU-Fraktionsvorsitzende Kreuzer stimmt auf Landtagswahl 2023 ein

In seinen Grußworten bedauerte auch der Kemptener Kreischef und CSU-Fraktionsvorsitzende im Landtag Thomas Kreuzer, dass die persönlichen Treffen in den vergangenen Monaten ausfallen mussten. Darunter habe die Partei gelitten, sagte Bundestagsabgeordnete Mechthilde Wittmann, die aus Berlin zugeschalten war.

Laut Lucas Reisacher, Geschäftsführer des CSU-Bundeswahlkreises Oberallgäu, waren bei dem digitalen Treffen am Donnerstagabend zu Spitzenzeiten mehr als 200 Teilnehmer angemeldet. Der eine oder andere Ortsverband habe Leinwände aufgebaut und die Reden gemeinsam verfolgt. Einen solchen Zusammenhalt innerhalb der CSU beschwor Kreuzer. Mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr müsse sich die Partei nun mit ihren Schwerpunkten auseinandersetzen, kündigte er an. Dabei sollen auch die Mitglieder vor Ort eingebunden werden. „Wir müssen aufeinander hören, auf jedes Mitglied“, sagte er.

CSU in Kempten und dem Oberallgäu diskutiert über bayerische Koalition mit Freien Wählern

„Wir brauchen keine Problembeschreiber, wir brauchen Entscheider“, appellierte Füracker, nachdem er den Zuhörern an den PCs zuhause einen Einblick in die bayerischen Finanzen gegeben hatte. Mit Blick auf den Koalitionspartner der CSU fragte er: „Was hat sich durch die Regierungsbeteiligung der Freien Wähler in Bayern verbessert?“ Das sei die unbeantwortetste Frage, die er immer stelle.

Beim neuen SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz vermisse Füracker Euphorie und Dynamik: „Wenn er heute spricht, ist es schon so, dass man alle Nebengeräusche abstellen muss, damit er versteht, was er sagt.“ Füracker wisse bis heute nicht, wo Scholz hinwolle.

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Dennoch könne man von ihm eines lernen: Vor einem halben Jahr noch seien seine Umfragewerte niedrig gewesen, heute ist er Bundeskanzler. So blickt Füracker auch für die CSU optimistisch in die Zukunft: „Mit kämpferischen Einsatz gewinnen wir die Menschen wieder zurück.“

Wünsche von CSU-Politikern aus der Region: Dialog suchen und "näher am Menschen" sein

Fabian Geyer, 34 Jahre, Kempten: Mein Wunsch ist, dass wir uns wieder auf unsere Kernkompetenz berufen: eine werteorientierte Politik. Generationengerechtigkeit und Sicherheitspolitik wird in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen. Ich erhoffe mir Geschlossenheit ohne individuelle Karrierebefindlichkeiten und Missgunst, um das Motto „Näher am Menschen“ wieder in unserer Arbeit darzustellen.

Fabian Geyer
Fabian Geyer
Bild: Ralf Lienert

Tim Berchtold, 24 Jahre, Kempten: Die CSU muss viel mehr bei den Menschen draußen sein, den Dialog suchen und sich anhören, was die Menschen bewegt. Eigentlich sind wir da stark, doch unter der Pandemie hat das gelitten. Es gilt, Wege zu finden, damit das auch in Sondersituationen klappt. Und wir müssen mehr nach außen vermarkten, was die Partei gut macht, was von ihr maßgeblich initiiert und entschieden wurde.

Tim Berchtold
Tim Berchtold
Bild: Ralf Lienert

CSU soll jünger werden und Themen wie Klima und Digitalisierung wieder bespielen

Sarah Haneberg, 28 Jahre, Immenstadt: Wir müssen wieder mehr auf Inhalte setzen, damit die Menschen wissen, wofür die CSU steht. Es gilt, konkrete Ziele zu definieren und dabei auch Zwischenstände zu vermelden, insgesamt transparenter werden. Für die Zeit nach Corona ist es notwendig, Bürokratie abzubauen – ob das beim Antrag auf Bafög ist oder fürs Elterngeld – überall gibt es viel zu viel Papierkram.

Sarah Haneberg
Sarah Haneberg
Bild: Sarah Haneberg

Florian Schwarz, 30 Jahre, Sonthofen: Wir haben zuletzt als Volkspartei die jungen Wähler zu wenig angesprochen. Bei „Grünen“ Themen, wie Klima-, Umwelt- und Naturschutz, aber auch bei der Digitalisierung wurden wir abgehängt. Andere Parteien hatten einfach bessere Angebote. Mein größtes Anliegen ist es, sowohl bei den Themen als auch bei der Wählerschaft wieder die ganze Bandbreite abzudecken.

Florian Schwarz
Florian Schwarz
Bild: Ralf Lienert

Erhard Liebl, 64 Jahre, Oy-Mittelberg: Die CSU muss wieder jünger werden – inhaltlich und personell. Das gilt von der Spitze bis in die Regionen. Allerdings glaube ich, dass wir für junge Menschen aktuell leider keine Alternative sind. Um das zu ändern, müssen wir ihre Themen besser abbilden, etwa den Klimaschutz. Ein Beispiel wäre, von der 10H-Regel abzurücken – aber nicht ohne die Menschen mitzunehmen.

Erhard Liebl
Erhard Liebl
Bild: Matthias Becker