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Wildpoldsried führt Hundesteuer ein

Auch in Wildpoldsried müssen Hundehalter künftig Steuern für ihre Tiere bezahlen.

Auch in Wildpoldsried müssen Hundehalter künftig Steuern für ihre Tiere bezahlen.

Bild: dpa

Auch in Wildpoldsried müssen Hundehalter künftig Steuern für ihre Tiere bezahlen.

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Die Gemeinde war zuletzt die einzige im Oberallgäu, die auf eine Abgabe von Hundehaltern verzichtete. Der Entscheidung geht eine kontroverse Diskussion voraus.
Auch in Wildpoldsried müssen Hundehalter künftig Steuern für ihre Tiere bezahlen.
Von Gudrun Schneider und Aimée Jajes
13.10.2020 | Stand: 12:58 Uhr

Die Gemeinde Wildpoldsried führt eine Hundesteuer ein. Der Entscheidung vorausgegangen war während der jüngsten Sitzung eine kontroverse Diskussion. Somit wird nun in allen 28 Gemeinden des Landkreises Oberallgäu eine Hundesteuer erhoben. Zudem ging es um den Haushalt der Gemeinde.

Bürgermeisterin Renate Deniffel ging nun das Thema Hundesteuer an, weil sie mehrfach darauf angesprochen worden sei, sagt sie nach der Sitzung: vor der Wahl, als sie an jeder Haustür klopfte, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Und auch seitdem sie im Amt ist. Einige Wildpoldsrieder empfänden es als ungerecht, dass Hundehalter bislang keine Steuer zahlen müssen.

Nach einer regen Diskussion stimmte der Gemeinderat schließlich bei drei Gegenstimmen (Günter Mögele, Thomas Pfluger und Armin Geist) für eine Hundesteuer.

Verunreinigungen mit Hundekot

Kritisiert wurde, dass es immer wieder Verunreinigungen gäbe und dass die Bauhofmitarbeiter bereits überlastet seien. Die Entsorgung der Hunde-Hinterlassenschaften wolle die Gemeinde künftig anderweitig lösen – eventuell mit einer Hilfskraft auf 400-Euro-Basis. Diese könne man über die Einnahmen durch die Hundesteuer finanzieren. Die Hundesteuer-Gegner waren der Meinung, dass sich an der Reinheit sowieso nichts ändern werde – wer den Kot jetzt nicht wegräumt, mache es nach Steuerzahlung erst recht nicht.

Diese Befürchtung setzte sich aber nicht durch: Für einen Hund müssen die Halter nun jährlich 80 Euro zahlen, jeder weitere kostet je 150 Euro. Für Kampfhunde sind 1000 Euro fällig. Aus den Einnahmen will die Gemeinde überdies weitere Behälter an viel frequentierten Stellen im Gemeindegebiet finanzieren, damit die Hinterlassenschaften der Tiere entsorgt werden können. Außerdem meinten sie, dass es eventuell älteren Menschen, die einen Hund gegen die Einsamkeit halten und eine niedrige Rente beziehen, schwer fallen könnte, die Steuer zu bezahlen.

Haushalt erst spät verabschiedet

Wildpoldsrieds Kämmerer Christian Speiser stellte während der Sitzung zudem die Zahlen für das Haushaltsjahr 2020 vor. Warum erst im Oktober? Bürgermeisterin Deniffel verweist auf die neue Legislaturperiode, das neue Gremium nahm seine Arbeit im Mai auf. Der alte Gemeinderat habe keinen Haushalt verabschieden wollen. Um das Zahlenwerk jetzt abzusegnen, seien überdies zwei umfangreiche Sitzungen des Finanzausschusses nötig gewesen. Deniffel sieht sogar einen Vorteil darin, den Haushalt erst jetzt zu beschließen: „Wir brauchen keinen Nachtragshaushalt wegen Corona so wie andere Gemeinden.“

Unter anderem in diese Projekte investiert Wildpoldsried 2020: in die Bauarbeiten fürs Wohn- und Geschäftshaus in der Salzstraße, in den Neubau der Ellenberger Eisenbahnbrücke sowie in Kanalbauarbeiten fürs Gewerbegebiet am Riedbach.

Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer würden sinken, doch Wildpoldsried könne mit Zuschüssen rechnen. Diese belaufen sich insgesamt auf 3,2 Millionen Euro. Das kommende Haushaltsjahr 2021 im Blick, resümierte Bürgermeisterin Renate Deniffel schließlich: „Wie alle anderen Gemeinden muss auch die Gemeinde Wildpoldsried realistisch planen und auf Sicht fahren.“