Studium während Corona

"Wir wollen wieder zusammen feiern" - Wie Studentenleben und Hochschulvereine unter der Pandemie leiden

Das Campus Open-Air im Sommer ist ein fester Bestandteil des Kemptener Hochschullebens. Zuletzt fand das Festival 2019 statt. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben es Vereine und Organisationen schwer, Partys oder Ausflüge auf die Beine zu stellen.

Das Campus Open-Air im Sommer ist ein fester Bestandteil des Kemptener Hochschullebens. Zuletzt fand das Festival 2019 statt. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben es Vereine und Organisationen schwer, Partys oder Ausflüge auf die Beine zu stellen.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Das Campus Open-Air im Sommer ist ein fester Bestandteil des Kemptener Hochschullebens. Zuletzt fand das Festival 2019 statt. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben es Vereine und Organisationen schwer, Partys oder Ausflüge auf die Beine zu stellen.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Die Hochschule Kempten will ein vielfältiges Studentenleben auch während der Pandemie unterstützen. Vereine haben es schwer, Ausflüge und Partys umzusetzen.
14.02.2022 | Stand: 18:24 Uhr

Gemeinsame Kochabende, ein Konzert auf dem Campusgelände oder eine Exkursion, um bei einem Betrieb in der Region hinter die Kulissen zu blicken. Für Studierende der Hochschule Kempten ist abseits von Vorlesungen einiges geboten. Eigentlich. Denn seit Corona das Leben bestimmt, verbringen Hochschülerinnen und Hochschüler mehr Zeit allein vor dem Laptop, als bei gemeinsamen Partys und Ausflügen.

Prof. Dirk Jacob, Vizepräsident der Hochschule Kempten, sagt: „Wir wissen, dass das Studentenleben für die Studierenden im Moment ganz anders ist, als sie es sich vermutlich vorgestellt haben.“

Trotz Lust auf Vernetzung: Weniger Studierende wollen sich in Kempten verbindlich engagieren

Campus-Chor: Gleich zu Beginn ihres Tourismusstudiums 2018 ist Leonie Sinn dem Campus-Chor beigetreten. Gemeinsame Proben, ein monatlicher Stammtisch und regelmäßige Auftritte – für die Studentin geht es um mehr als nur um das Singen. „Viele, die jetzt schon im dritten Semester sind, waren noch nie oder sehr selten an der Hochschule.“ Gerade zu Beginn der Pandemie fielen Treffen vor Ort wegen der Hygieneregeln komplett weg. Sinn sagt: „Es ist schwer, neue Studierende zu erreichen.“ Im Herbst sei durch den Markt der Organisationen, der auf dem Hochschulgelände stattfand, erstmals wieder direkter Kontakt möglich gewesen. 15 neue Mitglieder kamen zum Campus-Chor dazu.

Unterweks: „Die Studierenden haben Bock, sich zu vernetzen“, sagt Marielle Schneider. Sie studiert Tourismus-Management und ist Vorsitzende bei „Unterweks“. Für ihre Fakultät organisiert die Hochschulgruppe beispielsweise ein Winterfest und gemeinsame Ausflüge wie zur internationalen Tourismus-Börse nach Berlin. Weil Schneiders Studium wenige Monate vor Beginn der Corona-Pandemie begann, hat sie vieles davon selbst noch nicht mitbekommen. „Wir treffen uns trotzdem, leider aber meistens online“, sagt die 22-Jährige. Ein gemeinsames Kässpatzenessen habe es im vergangenen Semester gegeben. Ihre Studienzeit habe sie sich ganz anders vorgestellt. Sie sagt: „Und wir merken auch, dass sich immer weniger Studierende verbindlich in den Vereinen engagieren wollen.“

„Durch die Corona-Zeit geht in den Hochschulvereinen wahnsinnig viel Wissen verloren“, sagt auch Prof. Jacob. Er spricht das Campus Open-Air an. Zuletzt fand das Festival auf dem Hochschulgelände im Sommer 2019 statt. Auch die Hochschule hoffe, dass solche Partys in diesem Jahr wieder möglich sein werden. Jacob sagt: „Aber wir können den Studierenden nichts versprechen.“

Campus Open-Air und Ausflüge fallen an der Hochschule Kempten während der Pandemie aus

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Hokus: Im Herbst 2021 waren die Studierenden für kurze Zeit zurück und das Hochschulleben blühte wieder auf. Bei dem Verein „Hokus“, der sich vor allem um das Partyleben kümmert, war in dieser Zeit wieder viel los. „Drei Kneipentouren haben wir gemacht, weil so viele dabei sein wollten“, sagt Angelina Urbanik. Ein Ausflug nach Dresden und eine Besichtigung bei einer Brauerei in der Region fielen wegen des erneuten Lockdowns allerdings aus. Planungsunsicherheit bestimmt aktuell das Vereinsleben, sagt die 24-Jährige: „Das ist frustrierend und wir haben auch schon einiges an Geld in den Sand gesetzt.“ Entmutigen lassen sich die Studierenden von „Hokus“ aber nicht. Gerade arbeiten sie an dem Open-Air-Festival, das im Sommer am Campus stattfinden soll. Urbanik sagt: „Wir wollen wieder zusammen feiern.“

Cultshare Club: Trotz Online-Verlesungen gehen auch die Austauschprogramme an der Hochschule Kempten weiter. Über den „Cultshare Club“ tauschen sich Studierende aus dem Ausland und aus der Region bei gemeinsamen Abendessen in der Mensa regelmäßig aus und teilen die Kulturen ihrer Heimatländer. Im vergangenen Semester nur virtuell. „Für das Sommersemester sind wir fast wieder auf dem Stand wie vor Corona“, sagt Nadine Schmied vom International Office. Auch reale Begegnungen sollen dann wieder möglich sein. Prof. Jacob sagt: „Wir sind zuversichtlich, dass das Sommersemester in Präsenz stattfinden kann.“

Im Online-Semester gründete sich eine Gruppe für queere Studierende in Kempten

AK Queer: Neu gegründet hat sich im vergangenen Semester der Arbeitskreis „Queer“. Die Studierenden vertreten fortan die Interessen von schwulen, lesbischen, bisexuellen und transgender Menschen an der Hochschule. „Wir wollen ein Ort zum Austausch für queere Studierenden sein, aber auch über diese Themen aufklären“, sagt Mitbegründerin und Informatikstudentin Isabell Fleuter. 50 Menschen haben sich der Gruppe bereits angeschlossen. Mit der Hochschule planen sie beispielsweise eine „Diversity Week“ (Woche der Vielfalt). Feuter sagt: „Wir haben viel vor.“

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