Umwelt

ZAK Kempten: Wasserstoff brächte Millionenverlust

Mangels ausreichender Förderung kann der ZAK vorerst keinen Wasserstoff produzieren.

Mangels ausreichender Förderung kann der ZAK vorerst keinen Wasserstoff produzieren.

Bild: Archivfoto: Martina Diemand

Mangels ausreichender Förderung kann der ZAK vorerst keinen Wasserstoff produzieren.

Bild: Archivfoto: Martina Diemand

Zu wenig Förderung und keine sicheren Abnehmer: Der Abfallzweckverband Kempten steigt nicht in die Produktion des Energieträgers ein - vorerst jedenfalls.
17.12.2021 | Stand: 16:30 Uhr

Wasserstoff ist 14,4 Mal leichter als Luft. Dennoch kann der Abfallzweckverband Kempten (ZAK) mit dem Energieträger nicht abheben. Mit Strom aus dem Müllheizkraftwerk wollte der ZAK jährlich 400 Tonnen Wasserstoff als klimafreundlichen Brennstoff etwa für Busse produzieren. Doch nach einem Jahr intensiver Prüfung entpuppt sich das Projekt nun vorerst als Luftnummer. Elf bis zwölf Millionen Euro müsste der ZAK in eine Wasserstoffanlage samt Lager und Tankstelle investieren, könnte den Wasserstoff aber nur mit Verlust verkaufen. Übrig bliebe ein jährliches Millionen-Defizit. Trotz des Rückschlags will ZAK-Geschäftsführer Karl-Heinz Lumer das Projekt nicht abhaken, will abwarten und bleibt „verhalten optimistisch“.

Ein Kernproblem ist die „völlig unzureichende Förderung“ (Lumer). Das Bundesverkehrsministerium will 45 Prozent der ZAK-Investition schultern, das wären etwa fünf Millionen Euro. Die gleiche Summe erhoffte sich der ZAK aus einem EU-Programm. Doch das scheiterte, weil das Bundeswirtschaftsministerium (für Lumer sogar nachvollziehbar) den Acht-Milliarden-Euro-Topf vor allem an große Unternehmen der Stahl- und Chemieindustrie verteilte.

Verkauf des Wasserstoffs nicht gesichert

Eine darauf beim Bayerischen Wirtschaftsministerium beantragte Co-Förderung wurde aus „beihilferechtlichen Gründen“ abgelehnt. Darauf schrieb Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und bat um eine Zusatzförderung. Das war noch vor der Bundestagswahl. Bisher gibt es laut Lumer nur eine Eingangsbestätigung, aber keine Antwort.

Auch der Verkauf des Wasserstoffs ist nicht gesichert. Es habe zwar für das Projekt viel Applaus gegeben, erinnert Lumer. Aber er weiß nicht, für wen man Wasserstoff produzieren sollte. Trotz vieler Gespräche gebe es keine konkrete Abnahmezusage. Der Kreis Lindau habe zumindest beschlossen, bei der nächsten ÖPNV-Ausschreibung für etwa zehn Busse Wasserstoff als Treibstoff vorzugeben. Abnahmeverträge müsste der ZAK dann zu gegebener Zeit mit den Busunternehmen schließen.

Linde, MAN und Schifffahrt Bregenz als mögliche Kunden

Im Oberallgäu stehe keine Neuvergabe der Konzessionen an, es gebe nicht einmal eine Bedarfsanalyse und die Busunternehmer hätten laut Landrätin Indra Baier-Müller wohl auch kein großes Interesse, sagt Lumer. Kempten gab eine Studie zu alternativen Betriebsmöglichkeiten in Auftrag, einen politischen Beschluss gebe es aber noch nicht. Nun ist der ZAK noch mit möglichen gewerblichen Abnehmern wie zum Beispiel Linde, MAN, dem Sauerstoffwerk Friedrichshafen und der Schifffahrt Bregenz im Gespräch.

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Wirtschaftlichkeit: Ohne ausreichende Förderung ist das Vorhaben laut ZAK unwirtschaftlich. Lumer rechnet, dass man bei der derzeitigen Finanzierung ab einem Verkaufspreis von 10,57 Euro pro Kilo Wasserstoff ohne Verlust arbeiten könnte. Potenzielle Kunden im öffentlichen Nahverkehr stellten sich aber Preise von fünf bis sechs Euro vor. Etwa ab dem Jahr 2030 dürfte Wasserstoff zudem „spottbillig“ aus dem Ausland kommen. In Ländern wie Saudi-Arabien und Marokko entstehen laut Lumer hierfür „gigantische Solarfabriken“.

Plan der neuen Bundesregierung als entscheidende Frage

Um in Wasserstoff einzusteigen, müsste sich der ZAK wirtschaftlich absichern, sagt der Geschäftsführer. Beste Variante sei, wenn der Staat – wie anfangs bei Solaranlagen – die Betriebskosten kräftig fördern würde. Das könne beispielsweise aus der CO2-Abgabe finanziert werden. Lumer: „Entscheidende Frage ist, was die neue Bundesregierung macht.“

Die Sinnhaftigkeit von Wasserstoff stellt Lumer nicht infrage. Man sollte den Energieträger vor allem da einsetzen, wo er wirklich nötig sei – in der Chemie- und Stahlindustrie etwa sowie im Verkehr auf Strecken, wo Fahrzeuge mit Batterien nicht weit genug kommen. Für Wasserstoff sei etwa 2,7 Mal mehr Strom nötig, als wenn man diesen direkt in eine Batterie lade.

Der Abwasserverband Kempten will in einem separaten Projekt Wasserstoff an der Kläranlage erzeugen. Geschäftsführer Franz Beer hofft auf etwa neun Millionen Euro Zuschuss, wartet aber noch auf einen Förderbescheid.

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