Kempten

Zukunft der Allgäuer Festwoche: Die Maß Bier digital bezahlen?

Eigentlich wäre am Sonntag die Festwoche zu Ende gegangen. Dieses Jahr gab es dafür einen Sommermarkt. Wie sich die Besucher die Festwoche 2049 vorstellen.

Eigentlich wäre am Sonntag die Festwoche zu Ende gegangen. Dieses Jahr gab es dafür einen Sommermarkt. Wie sich die Besucher die Festwoche 2049 vorstellen.

Bild: Ralf Lienert

Eigentlich wäre am Sonntag die Festwoche zu Ende gegangen. Dieses Jahr gab es dafür einen Sommermarkt. Wie sich die Besucher die Festwoche 2049 vorstellen.

Bild: Ralf Lienert

Die Stadt will von den Bürgern wissen, wie sich die Allgäuer Festwoche entwickeln soll. Was die Besucher sich für die Festwoche 2049 wünschen.
17.08.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Es wäre das Abschlusswochenende der Allgäuer Festwoche gewesen, die Polizei hätte Bilanz gezogen, die Wirte hätten zurück geblickt und die Stadt würde einen Ausblick auf das kommende Jahr geben. Doch nicht in Zeiten von Corona: Die Festwoche wurde abgesagt, stattdessen gibt es noch bis Montagabend einen Sommermarkt auf dem Königsplatz und dem angrenzenden Stadtpark – auch als Ersatz für die ausgefallenen Himmelfahrtsmärkte im Mai. Dennoch denkt die Stadt bereits an die Zukunft der Messe: In einer Online-Umfrage will sie von den Allgäuern wissen, wie die Festwoche 2049 – also 100 Jahre nach ihrer Premiere – aussehen soll. Wie wünschen sich die Besucher des Sommermarktes die Festwoche im Jahr 2049?

Allgäuer Festwoche soll Kontaktbörse bleiben

Daniel Heckenberger ist in Lederhose unterwegs, seine Frau Katja im Dirndl. Auch die beiden Kinder sind in Tracht gekleidet. Viele Menschen waren in den vergangenen Tagen traditionell angezogen, einige feierten ihre private Festwoche. „Wir gehen gerne auf die Festwoche“, sagt Heckenberger. Deshalb soll sie eine „Kommunikationsbörse“ bleiben: „Dort trifft man Leute, hat Spaß und kann einfach schwätzen“, sagt Heckenberger. Er möchte vor allem, dass das Brauchtum nicht verloren geht – mehr Leute sollten in Tracht die Messe besuchen. Und seine Frau wirft ein: „Super wäre es, wenn es gerade für Kinder kostenlos Wasser geben würde.“ Das Programm gefällt der Familie, vor allem das Lichterfest „ist wunderschön, allerdings auch überlaufen“, sagt Katja Heckenberger.

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Auch Simone Schmid aus Altusried schlendert an diesem Tag in Dirndl gekleidet über den Sommermarkt. Für sie ist die Festwoche auch ein Ort der Begegnung – geht es nach ihr, dann müsse das so bleiben. Gerade mit Blick auf die immer weiter fortschreitende Digitalisierung sei ihr der direkte persönliche Kontakt zu Menschen wichtig. Aber nicht nur der soziale Aspekt spiele eine Rolle, auch technisch sollte es einen Fortschritt geben: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir nicht mehr mit Bargeld bezahlen“, sagt Schmid. Vielleicht gebe es dann bereits einen Chip, mit dem man die Maß Bier im Festzelt bezahlt?

Der Festwochenbeauftragte der Stadt, Hans-Peter Hartmann, vermutet auf Nachfrage unserer Redaktion, dass es 2049 keine Kassen mehr am Eingang geben wird. „Die Besucher registrieren sich automatisch per Smartphone, sobald sie das Gelände betreten.“ Die Allgäuer Festwoche soll aber auch 100 Jahre nach ihrer ersten Ausgabe ein Ort zum Netzwerken für Geschäftspartner sein.

"Wir möchten keine Oktoberfestpreise"

Im neu gestalteten Stadtpark stehen die Freunde Alex Schober und Arif Schnapka – beide tragen Lederhosen. Sie gingen zwar auch tagsüber auf die Messe, hauptsächlich seien sie aber abends unterwegs. „Wir möchten keine Oktoberfestpreise“, sagt Schnapka. Und der Einlass müsse besser organisiert werden: „Wenn ich eine Karte habe, dann möchte ich auch auf das Gelände kommen.“ Dazu müsse es auch digitale Lösungen geben. Aber sein größter Wunsch ist, dass überhaupt wieder eine Festwoche stattfindet.

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Ob und wie Großveranstaltungen in Zeiten von Corona stattfinden können, testen viele Kommunen zurzeit aus – auch Kempten. Der Sommermarkt findet unter Hygieneauflagen statt. Die Händler sind froh darüber – für viele ist es seit dem Lockdown der erste Markt. „Für uns ging fünf Monate lang gar nichts“, sagt Willi Wiltschka. An seinem Stand gibt es Schlafkissen und Kosmetikprodukte. Er sei in normalen Zeiten fast jedes Wochenende unterwegs. „Die Umsatzeinbußen sind hoch.“ Auch auf der Allgäuer Festwoche wäre der Ulmer eigentlich mit zwei Ständen vertreten gewesen.