Weltrekordversuch unter Rednern

Starke Frauen im Beruf - Diese Kemptener Architektin spricht beim Speaker-Slam auf Clubhouse

Die Architektin Maike Knauth steht auch im echten Leben als Rednerin auf der Bühne. Online vernetzt sich sich jetzt mit anderen Allgäuer Unternehmerinnen.

Die Architektin Maike Knauth steht auch im echten Leben als Rednerin auf der Bühne. Online vernetzt sich sich jetzt mit anderen Allgäuer Unternehmerinnen.

Bild: Angie Ehinger

Die Architektin Maike Knauth steht auch im echten Leben als Rednerin auf der Bühne. Online vernetzt sich sich jetzt mit anderen Allgäuer Unternehmerinnen.

Bild: Angie Ehinger

Die Kemptener Architektin Maike Knauth kämpft sich durch die männerdominierte Baubranche. Jetzt will sie andere Frauen inspirieren - auch auf der App Clubhouse.
26.03.2021 | Stand: 19:42 Uhr

Hier wird gesprochen, zugehört und diskutiert - Als die Audio-App Clubhouse im Januar diesen Jahres auf den deutschen Markt kam, gab es kaum ein anderes Thema in den Sozialen Netzwerken. Der Hype, um die virtuellen Diskussionsräume war losgebrochen. Denn im Gegensatz zu Instagram oder Facebook werden hier keine Likes verteilt. Stattdessen wird in Live-Podcasts über all das gesprochen, was interessiert. Ist die virtuelle Runde beendet, verschwindet das Gespräch für immer in den Tiefen des Internets und kann nicht einfach nachgehört werden. Wer ist dabei und was wird zum Thema? Auch Maike Knauth, 39, aus Bad Grönenbach interessierte das von Anfang an. "Es ist spannend, so einen Hype ganz nah mitzuerleben."

Die Architektin blieb aber nicht nur Zuhörerin, sondern spricht mittlerweile selbst auf Clubhouse. Zusammen mit anderen ausgewählten Rednerinnen und Rednern ist sie am 27. März beim sogenannten Speaker-Slam, organisiert von Autor und Redner Hermann Scherer, dabei. Ein Weltrekordversuch, bei dem Knauth wie auch die rund 150 anderen Teilnehmer, vier Minuten Zeit bekommt, um über ihr Herzensthema zu sprechen: starke Frauen im Beruf.

Maike Knauth musste sich auf der Baustelle gegen etliche Männer durchsetzen

Knauth sieht sich selbst als eine dieser Frauen. "Frauen gab es in meinem Studiengang viele, aber ich bin eine der wenigen, die sich getraut hat, ein eigenes Unternehmen zu gründen", sagt sie. In Kempten führt Knauth ein Architekturbüro und hat sich dabei auf Umbau und Sanierungsarbeiten spezialisiert. Um dorthin zu gelangen, musste sich auch durch die harte Schule der Bauleitung, wie sie selbst sagt. "Als junge, blonde Frau war es nicht leicht, sich auf der Baustelle durchzusetzen." Um gehört und ernst genommen zu werden, habe sie immer mehr leisten müssen als ihre männlichen Kollegen.

Auch wenn dieser Anfang nicht leicht war, habe er ihr gezeigt, ihren eigenen Wert zu kennen und dafür einzustehen. Weil ihr eine Beförderung verwehrt wurde, habe sie früher einmal sogar ihren Job gekündigt. "Ich glaube, damit hatte mein Chef damals nicht gerechnet. Aber es hat sich gelohnt", sagt Knauth. Eine Erfahrung, die sie heute mit anderen Frauen teilt. Als Rednerin spricht sie darüber, wie wichtig es sei, sich untereinander zu vernetzen und zu unterstützen. In der Realität organisiert die Architektin dazu zum Beispiel einen Unternehmerinnen-Tag in Blaubeuren oder spricht zum Weltfrauentag in Kempten. In der virtuellen Welt trifft sie bei Clubhouse auf Gleichgesinnte.

Clubhouse sieht die Kemptener Architektin als Chance, mehr Menschen zu erreichen

Auch für sie ist die App noch ganz neu. Erst drei oder vier Mal habe sie dort als Rednerin gesprochen, zuvor nur zugehört oder sich in andere Gespräche eingeschalten. Noch sei es für sie ungewohnt, das Publikum nicht zu sehen und so dessen direkte Reaktionen nicht wahrzunehmen. "Aber so können auch Menschen dabei sein, mit denen ich in der Realität vielleicht nie zusammengefunden hätte", sagt Knauth. Nicht nur Frauen und nicht nur Menschen aus Bayern hören ihr zu, jeder Interessierte kann ihrem virtuellen Raum beitreten.

Lesen Sie auch
Der ertse Hype ist durch, trotzdem hat die Audio-App Clubhouse ihre Fans. Die Betreiber verbessern jetzt den Datenschutz bei ihrer App - ein bisschen.
Audio-App

Ein bisschen mehr Datenschutz: Clubhouse ändert Einladungs-Procedere

Jeder? Nicht ganz. Denn noch ist die App nur per Einladung zugänglich. Knauth ist überzeugt, dass sich das aber bald ändern könnte, denn immer mehr Menschen wollen dabei sein. "Schon jetzt findet man dort die unterschiedlichsten Themen", sagt sie. Und auch ihr gehe es darum, andere Menschen zu motivieren und ihnen Mut zu geben. Vor dem Speaker-Slam sei sie deshalb positiv aufgeregt. Vier Minuten seien wenig Redezeit, um über ihren Weg als Architektin zu sprechen. Knauth bereite sich deshalb gut vor, denn mitgeben möchte sie ihren Zuhörern trotzdem etwas: Strategien, um sich im Beruf durchzusetzen, Inspirationen für andere Frauen und die Idee, ein kleines Stück dieser Welt verbessern zu können. Jetzt ist sie gespannt, wie das bei den Zuhörern und Zuhörerinnen ankommt. "Aber ich glaube, besonders im Lockdown spreche ich aus der Realität vieler Frauen. Jetzt merken wir, dass Parität im Beruf oft noch fehlt."

Lesen Sie auch: Erstmals leitet eine Frau das Allgäu-Gymnasium