Glaube

Kirche in Memmingerberg abreißen? Bürgermeister: „Das geht gar nicht“

Katholische Kirche St. Ambrosius

Seit Mitte der 1960er-Jahre gibt es die katholische Pfarrkirche St. Ambrosius in Memmingerberg (Kreis Unterallgäu). Das Gebäude hat viele Baumängel und wird jetzt möglicherweise abgerissen. Dagegen regt sich Widerstand.

Bild: Martina Diemand

Seit Mitte der 1960er-Jahre gibt es die katholische Pfarrkirche St. Ambrosius in Memmingerberg (Kreis Unterallgäu). Das Gebäude hat viele Baumängel und wird jetzt möglicherweise abgerissen. Dagegen regt sich Widerstand.

Bild: Martina Diemand

Der Rathauschef äußert sich zum möglichen Abbruch des katholischen Gotteshauses. Warum es ihm nicht nur um die religiöse Bedeutung der Kirche geht.
03.12.2021 | Stand: 19:53 Uhr

Die katholische Pfarrkirche von Memmingerberg (Kreis Unterallgäu) sollte nicht abgerissen werden: Das ist für Bürgermeister Alwin Lichtensteiger (CSU) klar. „Meine persönliche Meinung ist: Das geht gar nicht“, sagt der Rathauschef. Der Priester Xaver Wölfle, der die Pfarrgemeinde 23 Jahre lang betreut hat, sieht das genauso: Er hoffe, „dass sich genügend Unterstützer finden, die einen Abbruch verhindern“. Da sich die Memmingerberger Pfarrkirche in einem schlechten baulichen Zustand befindet, ist ein Abriss eine der jetzt diskutierten Möglichkeiten.

Risse vom Dach bis zum Boden, kaputte Heizung

Obwohl das Gotteshaus erst Mitte der 1960er-Jahre gebaut wurde, gibt es eine Reihe von Mängeln: Risse ziehen sich vom Dach bis zum Boden, Wasser und Schnee dringen ein, die Heizung ist kaputt und beim Brandschutz gibt es Probleme. Nun stellt sich die Frage, wie es mit dem Gebäude weitergeht. Der jetzige Pfarrer Dr. Hendryk Krowicki und die Kirchenverwaltung formulieren es in einer Mitteilung so: „Soll unsere Kirche erhalten bleiben oder abgerissen und in irgendeiner anderen Form wieder aufgebaut werden?“

Er räume ein, dass die Zahl der Kirchgänger zurückgegangen sei, sagt Bürgermeister Lichtensteiger. „Aber die Kirche ist auch Schauplatz herrlicher Konzerte, die aus dem gemeindlichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Auch dafür ist das Gebäude wichtig.“ Pfarrer Wölfle, der im Ruhestand in Dietmannsried (Kreis Oberallgäu) lebt, argumentiert ähnlich: Ein „Ort der Kultur“ sei bei einem Abriss unwiederbringlich verloren. Zudem biete das große Gotteshaus die Möglichkeit, „bestimmte Anlässe“ mit der gesamten Pfarreiengemeinschaft zu begehen. Wölfle nennt beispielsweise Priesterjubiläen und Firmungen. Zu der Pfarreiengemeinschaft gehören fünf Gemeinden. Die Memmingerberger Kirche St. Ambrosius bietet Platz für etwa 400 Menschen.

Diese Variante kann sich der Bürgermeister vorstellen

Für Rathauschef Lichtensteiger ist eine denkbare Variante, dass der „große Kirchenraum unterteilt“ und unterschiedlich genutzt wird. Zum einen weiterhin als Ort für Gottesdienste, zum anderen beispielsweise als „soziales Zentrum“. Im Falle einer Sanierung rechnet Kirchenpflegerin Angelika Deinhart-Haug damit, dass die Kosten bei einer „mittleren sechsstelligen Euro-Summe“ liegen. Bei einem „vernünftigen Konzept“ würde der Gemeinderat möglicherweise zustimmen, dass die Kommune einen finanziellen Anteil leistet, sagt Lichtensteiger. Er schränkt allerdings ein: „In erster Linie ist schon die Diözese Augsburg dafür zuständig, der Memmingerberger Kirchengemeinde zu helfen.“

Das sagt die Diözese Augsburg

Die Haltung des Bistums werden die Gläubigen nach dem Gottesdienst am Sonntagvormittag erfahren. Dann sind zwei Bau-Experten der Diözese Augsburg vor Ort und schildern ihre Sicht der Dinge. Vom Bistum gab es gegenüber unserer Redaktion nur eine ganz allgemeine Auskunft: Die örtliche Kirchenstiftung sei rechtlich von der Diözese unabhängig, werde aber „natürlich bei Baumaßnahmen (...)  unterstützt“. Der langjährige Memmingerberger Pfarrer Wölfle hofft, dass das Gotteshaus erhalten bleibt. Überlegungen, die Kirche abzureißen, „gehen mir natürlich sehr nahe“, sagt der Geistliche.
Zu den Plänen für einen Kirchenabriss sagt Helmut Kustermann, Leiter der Rundschau-Redaktion der Allgäuer Zeitung, ganz klar: "Das wäre ein Schlag ins Gesicht für die Gläubigen".

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