Leserhilfswerk

Krankheit, Unfall, Feuer: Die Kartei der Not hilft in ausweglosen Situationen

Wenn Menschen bei einer Feuersbrunst ihr Hab und Gut verlieren, muss schnell Hilfe kommen: Auch im vergangenen Jahr hat die Kartei der Not in mehreren Fällen im Allgäu Betroffenen eine Soforthilfe gewährt.

Wenn Menschen bei einer Feuersbrunst ihr Hab und Gut verlieren, muss schnell Hilfe kommen: Auch im vergangenen Jahr hat die Kartei der Not in mehreren Fällen im Allgäu Betroffenen eine Soforthilfe gewährt.

Bild: Benjamin Liss (Symbolbild)

Wenn Menschen bei einer Feuersbrunst ihr Hab und Gut verlieren, muss schnell Hilfe kommen: Auch im vergangenen Jahr hat die Kartei der Not in mehreren Fällen im Allgäu Betroffenen eine Soforthilfe gewährt.

Bild: Benjamin Liss (Symbolbild)

Die Kartei der Not gewährte im Allgäu in einem Jahr in fast 300 Fällen Unterstützung. Wo die Not oft groß ist und warum die Stiftung Soforthilfen ausbezahlt.
01.04.2022 | Stand: 12:00 Uhr

Eine heimtückische Krankheit, ein Verkehrsunfall, der Verlust der Arbeit oder ein Brand, der die eigenen vier Wände unbewohnbar macht: Eine unverschuldete Notlage kann sich von einem Tag auf den anderen ereignen und jeden treffen. Die Kartei der Not hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Betroffenen in solchen Fällen schnell und unbürokratisch beizustehen.

291 Mal gewährte das Hilfswerk von Allgäuer Zeitung und Augsburger Allgemeine im vergangenen Jahr Menschen im Allgäu Unterstützung. Die Gesamtsumme der Hilfe beläuft sich laut Geschäftsführer Arnd Hansen auf 336.000 Euro. Dabei wurde die Kartei von 4100 Spendern aus der Region unterstützt.

Bei Armut oder Krankheit hilft die Kartei der Not im Allgäu

Wie hart das Schicksal zuschlagen kann, dafür ist die alleinerziehende Martina R. ein trauriges Beispiel: Ihr 17-jähriger Sohn ist an Leukämie gestorben. Seitdem fällt es der 44-Jährigen schwer, ihren Alltag wie gewohnt zu gestalten. Auch ihre sechsjährige Tochter, die sehr an ihrem Bruder hing, leidet unter dem Verlust. Die Mutter ist geringfügig beschäftigt. Vollzeit könne sie nicht arbeiten, da dann zu wenig Zeit für die Betreuung ihrer Tochter bliebe.

Zur psychischen Belastung kommt die mangelhafte Möblierung der kleinen Wohnung: Der Gasherd ist defekt, Tisch, Stühle und Betten gehören dringend erneuert. Da Rücklagen fehlen, hat die Kartei der Not den Kauf günstiger Ausstattung sowie kleine, aber unaufschiebbare Renovierungsarbeiten unterstützt.

Immer wieder hilft das Leserhilfswerk auch Senioren, die nur über eine Minirente verfügen und schnell in der Armutsfalle zu landen drohen. So machte ein Betreuungsdienst auf die Notlage einer 71-jährigen Rentnerin aufmerksam. Lange versorgte sich die Frau bei der Tafel mit günstigen Lebensmitteln. Als diese wegen Corona zeitweise schließen musste, wuchs ihre Sorge ums Geld. Zumal sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte und mehrere Klinikaufenthalte nötig wurden. Als nicht einmal mehr Geld für Winterkleidung und Schuhe da war, sprang die Kartei der Not ein.

Am meisten Geld gab die Kartei der Not für Unterstützung beim Wohnen aus

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Die Hilfsanfragen im vergangenen Jahr kamen in 189 Fällen aus Familien mit 413 betroffenen Kindern. In 159 Fällen waren eine chronische Krankheit oder eine Behinderung zu bewältigen – dabei bezuschusste das Hilfswerk in rund 30 Fällen die Umrüstung eines Autos oder die Anschaffung eines behindertengerechten Fahrrads.

Den größten Hilfsbedarf registrierte die Stiftung, die eingegangene Spenden zu 100 Prozent an notleidende Menschen ausschüttet, auch im Vorjahr im Bereich des Wohnens. So half die Kartei der Not 106 Mal bei Energie- und Nebenkosten oder Mietzahlungen, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung dastehen. Corona hat diese Not verstärkt. Oft waren auch die Hilfe beim Umzug in eine günstigere Wohnung oder Beihilfen für einen Kühlschrank, einen Herd, Betten oder Matratzen nötig. In neun Fällen gab es Soforthilfen nach Bränden oder Todesfällen.

Daneben wurden mehrfach Projekte von gemeinnützigen Vereinen und Initiativen unterstützt – in Kempten etwa eine neue Wohngruppe der Psychosozialen Hilfsgemeinschaft Hoi.

„Mit unseren Hilfen zeigen wir Menschen in Not, dass sie nicht allein dastehen. Das ist gerade in dieser schwierigen Zeit ein wichtiges Signal der Solidarität. Wir sind sehr dankbar über den Zusammenhalt hier in der Region und die Solidarität für Menschen in unverschuldeten Notlagen“, sagt Geschäftsführer Arnd Hansen.