Betrugsmasche im Internet

Love-Scamming: Um so viel Geld haben heuer Online-Betrüger ihre Opfer im Allgäu gebracht

Die Polizei warnt vor „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“: Auf diese Betrugsmaschen fallen immer wieder vor allem Frauen herein.

Die Polizei warnt vor „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“: Auf diese Betrugsmaschen fallen immer wieder vor allem Frauen herein.

Bild: Sven Hoppe, dpa (Symbolbild)

Die Polizei warnt vor „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“: Auf diese Betrugsmaschen fallen immer wieder vor allem Frauen herein.

Bild: Sven Hoppe, dpa (Symbolbild)

Die Polizei warnt vor „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“: Auf diese Betrugsmaschen fielen heuer bereits 14 Allgäuer herein. Sie verloren viel Geld.
10.08.2021 | Stand: 11:01 Uhr

Die Betrugsmasche ist nicht neu: „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“ ist der Allgäuer Polizei bereits seit vielen Jahren bekannt. Die Ermittler beschäftigten sich vor allem Mitte des letzten Jahrzehnts. Danach ebbte die Welle ab - die Masche wurde von neuen Phänomenen wie "falschen Polizisten" abgelöst. Doch in letzter Zeit erlebt "Love Scammting" offenbar ein Comeback.

Opfer um 250.000 Euro betrogen

Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West registrierte 2020 etwa 50 Ermittlungsverfahren, 2021 sind es in etwa die Hälfte davon. In vielen Fällen entstand dabei ein finanzieller Schaden bei den Opfern: 2020 erbeuteten die Täter in 36 Fällen über 450.000 Euro, im laufenden Jahr aus 14 Fällen bislang rund 250.000 Euro.

Die Dunkelziffer könnte aber noch höher sein: Die Opfer trauen sich wegen der intimen Details aus der Kommunikation oft nicht, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Erst kürzlich nahmen die Beamten die Anzeigen von zwei aktuellen Fällen auf:

Der erste Fall im Oberallgäu

Eine 54-Jährige aus dem Oberallgäu hatte laut Polizei einen Mann über zwei Kommunikationsplattformen beziehungsweise Messengerdienste im Internet kennengelernt. Er gab an, aus Schweden zu stammen. Der Betrüger behauptete, bei einer Dienstreise in der Türkei festzusitzen - daher brauche er dringend Geld.

Die Frau überwies dem Unbekannten für einen vorgetäuschten Schicksalsschlag in Teilbeträgen eine mittlere fünfstellige Summe an Konten in der Türkei.

Der zweite Fall im Ostallgäu

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Eine 48-Jährige aus dem Ostallgäu hatte im Juni 2021 einen angeblichen Schiffskapitän über ein Dating-Portal kennengelernt. Im Verlauf der Online-Bekanntschaft gelang es ihm, ihr Vertrauen zu gewinnen. Unter verschiedensten Vorwänden und unter Aufbau eines starken emotionalen Drucks bewegte er die Frau dazu, immer wieder Geld auf ausländische Konten zu überweisen.

Der Betrüger behauptete, das Geld für den Kauf eines Apartments und für die Krankenhausaufenthalte seiner an Brustkrebs erkrankten Schwester zu brauchen. Und er würde das Geld auch zurückzahlen. Die 48-Jährige überwies ihm in mehreren Teilbeträgen eine sechsstellige Summe auf Konten in der Türkei und Spanien.

Betrüger halten sich in Afrika auf

In beiden Fällen übersandten die Täter vermeintliche Kopien ihrer Ausweispapiere - so täuschten sie Seriosität vor. Die Polizei geht aber davon aus, dass diese Dokumente gefälscht sind. Die Ermittler fanden inzwischen heraus, dass sich die Betrüger in Nigeria und Ghana aufhalten.

So gehen die Täter vor

Die Betrüger überhäufen laut Polizei ihre Opfer mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit. So entsteht nach und nach eine emotionale Abhängigkeit beziehungsweise eine Beziehung zum Unbekannten. Plötzlich kommt ein vermeintlicher Notfall oder eine finanzielle Notlage in das Leben der neuen Liebe. Helfen kann nur das Opfer – mit dem eigenen Geld.

Polizei: So kann man Betrüger erkennen

  • An der Kontaktaufnahme: Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen sogenannte Scammer an E-Mail-Adressen. Ein kurzer Text in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel. Da die Betrüger oft mit deutschen Mailadressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt.
  • An der Sprache: Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Insider gehen davon aus, dass etwa 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.
  • An den Bildern: Scam-Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind. Scam-Männer nutzen dagegen häufig Fotos von uniformierten Männern.
  • Am Inhalt der Mails: Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. An den Liebesbekundungen sind sie leicht zu erkennen. Aber es geht auch anders: Seriös wirkende Mails sollen das Interesse wecken. Oft wollen Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle. Wichtig: Die Scammer bezeichnen ihre neuen Partner schon bald als "Ehemann" oder "Ehefrau" und schmieden Heiratspläne. Deswegen scheint die Bitte um ein Visum oder ein gemeinsames Konto gerechtfertigt.
  • An Verbindungen nach Westafrika, Russland oder Südostasien: Ob Geschäftsreise oder familiäre Probleme: Es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung etwa nach Nigeria oder Ghana. Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen, südostasiatischen oder südamerikanischen Ländern.
  • An Bitten um Geld, Visum, Päckchen- oder Briefversand oder gemeinsames Konto: Es gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Derzeit stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Die Betrüger schaffen es, geschickt die Opfer für ihre Zwecke zu missbrauchen - beispielsweise sollen sie die Briefe oder Päckchen an Dritte verschicken. Scam-Frauen erbetteln sich häufig Einladungen nach Deutschland. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt.

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