Ideen in schwerer Zeit

"Made im Oberallgäu": Babykleidung und Sportmode aus der Region trotz Corona-Krise gefragt

Hej Lille: Janine Brunner

Unternehmerin und Mama Janine Brunner im Hej Lille Laden in Kempten. Statt auf 20 wird dort nun auf 40 Quadratmetern Kinderkleidung verkauft.

Bild: Matthias Becker

Unternehmerin und Mama Janine Brunner im Hej Lille Laden in Kempten. Statt auf 20 wird dort nun auf 40 Quadratmetern Kinderkleidung verkauft.

Bild: Matthias Becker

Hej Lille und Adele Bergzauber aus dem Oberallgäu sind trotz Krise gefragt. Ihre nachhaltige Kleidung ist die Antwort auf eine wachsende Nachfrage.
21.12.2021 | Stand: 07:36 Uhr

Bei Nina Beck und Janine Brunner begann alles mit einem Online-Shop. Die Kemptenerinnen verkaufen Kindermode. Das Besondere: Die Kleidung ist handgemacht von Müttern und Vätern aus ganz Deutschland. Mode, „die nicht von der Stange“ ist, sagen die beiden. Derweil kommt ihre Idee so gut an, dass sie am Kemptener Hildegardplatz zusätzlich zum Onlineversand „Hej Lille“ einen Laden eröffneten – mitten in der Pandemie. Kürzlich vergrößerten sie ihn sogar.

Modegeschäfte im Oberallgäu: Mode Made in Europe

Ähnlich gut läuft es bei Holger Riedisser und Lisa Prechtl. Nur zu Beginn der Krise seien die Bestellungen zurückhaltender gewesen. Jetzt sind sie auch bei „Adele Bergzauber“ wieder auf normalem Niveau, sagt Riedisser. Das Allgäuer Modelabel hat seinen Sitz im Oberallgäuer Waltenhofen. Beim Gespräch mit unserer Redaktion sind die beiden Produzenten von Sportmode mit „Allgäuer Stil“ jedoch gerade in Portugal: „An einem sehr sonnigen Platz,“ sagt Riedisser.

Denn dort werden viele ihrer Stoffe produziert. Mode „Made in Europe“ ist ihnen wichtig. In Portugal stimmen die Arbeitsbedingungen, sagt Riedisser. Dort gebe es nach wie vor eine „riesige Textilindustrie“ und kurze Wege zwischen Nähereien und Färbereien seien normal.

Hereinspaziert: Trotz Corona-Pandemie haben die beiden Frauen sich ihren Traum erfüllt und einen Laden zu ihrem Online-Shop eröffnet.
Hereinspaziert: Trotz Corona-Pandemie haben die beiden Frauen sich ihren Traum erfüllt und einen Laden zu ihrem Online-Shop eröffnet.
Bild: Matthias Becker

Beide Unternehmen reagieren damit auf einen Trend, der ein größeres Angebot bei nachhaltigen und regionalen Produkten fordert. Wurde Nachhaltigkeit beim Kauf vor einigen Jahren einfach abgenickt, sei es jetzt eine Kaufentscheidung, erklärt Riedisser.

Faire und nachhaltige Produkte - aber wie?

Sowohl bei Adele Bergzauber als auch bei Hej Lille wissen die Unternehmer, woher ihre Ware kommt und wer Arbeit in sie gesteckt hat. Riedisser nennt das „Verantwortung“, die er als Unternehmer habe. Beck und Brunner sehen darin eine Chance, Nähe zu den verschiedenen Kleiderstücken zu schaffen. „Hinter der Kleidung steckt eine Geschichte. Das ist was besonderes,“ sagt Beck. Die Allgäuer Mode-Macher lassen ihre Kunden nicht im Dunkeln.

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Sie geben ihnen Einblicke hinter die Kulissen der Modeindustrie – und verzichten auf Ware aus Billiglohnländern wie Bangladesch. Bei Adele werden die Kunden über Produktion und Philosophie der Marke mit Beiträgen im Internet auf dem Laufenden gehalten. Bei Hej Lille schreiben die jeweiligen Designerinnen neben ihre Artikel kurze Geschichten über sich.

Nachhaltigkeit zeige sich vor allem in der Langlebigkeit der Produkte, sagt Brunner: Sie bieten beispielsweise Kinderhosen, die in ihrer Länge verstellbar oder in unisex Farben hergestellt sind. Und auch Riedisser weiß: „Kunden haben beim Einkauf oft nur Minuten, um sich zu entscheiden. Wir haben Jahre, um faire Ware zu produzieren.“