Skulpturenweg

Mammutprojekt im kleinen Frickenhausen

Allgäuer Skulpturen Sommer

Luftig und fragil wirken die Eisenwerke von Horst W. Wendland; im Hintergurnd sind zwei seiner Gemälde zu sehen.

Bild: Martina Diemand

Luftig und fragil wirken die Eisenwerke von Horst W. Wendland; im Hintergurnd sind zwei seiner Gemälde zu sehen.

Bild: Martina Diemand

300 Werke von neun namhaften Künstlern sind im Unterallgäuer Frickenhausen zu sehen. Für den Skulpturenweg lässt der Bürgermeister sogar eine Straße sperren.

23.07.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Neun Künstler zeigen an die 300 Werke auf 500 Quadratmetern überdachter Ausstellungsfläche und einem Außengelände von weiteren 3000 Quadratmetern: Diese Ausstellung ist allein schon von ihrem Ausmaß her spektakulär. Eindrucksvoll ist aber vor allem die künstlerische Qualität dieses „Allgäuer Skulpturen-Sommers“, der zwar nur ein Wochenende lang dauert, aber umso heller im kleinen Pfarrdorf Frickenhausen im Unterallgäu erstrahlt. Angeschoben hat das Projekt der Bildhauer, Maler und Karikaturist Horst W. Wendland, der dort lebt und arbeitet. Von Freitag bis Sonntag, 24. bis 26. Juli, schart er mit den Künstlerkollegen Diether Kunerth, Nikos W. Dettmer, Remo Leghissa, Andrea Matheisen, Nikolai Lagoida, Peter Schwenk, Ulrich Schweiger und Helmut Kästl ein hochkarätiges Künstlervolk um sich; zu sehen sind vorwiegend Skulpturen, aber auch Gemälde.

„Ich will große Kunst zeigen“, sagt Wendland, der damit eine Idee umsetzt, die schon seit ein paar Jahren auf ihre Verwirklichung wartet. Mit im Boot sind – bis auf Kunerth – Künstler aus dem Münchner Raum, denn dort sind Wendlands Wurzeln. Im Allgäu lebt der 56-Jährige erst seit gut neun Jahren. Man kennt sich zum Teil von der Münchner Künstlergenossenschaft, mit mehreren hat er bereits gemeinsam ausgestellt. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie, die den meisten einen Strich durch bereits geplante Ausstellungsprojekte gemacht hat, befeuerte das Ganze jetzt. Vor vier Wochen gab es bereits einen „Wölflauer Figuren-Sommer“ in Leghissas Skulpturenpark im Niederbayerischen (auch Wendland und Schwenk waren dabei) – die Allgäuer Auflage soll jetzt noch größer werden.

Hoher Saal mit Oberlichtern

Auch die Gemeinde bringt sich ein, damit das gelingt. Wendland darf das erst im letzen Jahr eingeweihte Dorfgemeinschaftshaus bespielen, dessen Herzstück ein heller, hoher Saal mit Oberlichtern im Satteldach ist, der sich bestens eignet für eine Kunstausstellung. Eine Herausforderung ist es dennoch, jedem Künstler seinen Raum zu geben. Die Stellwände und Sockel dafür hat er selbst gebaut („es gibt ja nichts Gescheites zu kaufen“) und auch das Konzept für die Bestückung gemacht. Zudem zeichnet er für den Ausstellungsflyer samt Plakat und eine eigens eingerichtete Webseite verantwortlich. Am heutigen Donnerstag rollen die Transporter an mit den Werken – von der kleinen, 20 Zentimeter großen Figur über (wenige) Gemälde bis hin zu Kunerths meterhohen Großplastiken – dann geht die Arbeit erst richtig los.

Etwa 40, 50 Meter von der Gemeindehalle entfernt steht Wendlands Haus samt Galerieraum und Skulpturengarten, wo er eine große Auswahl seiner eigenen Werke präsentiert. Die Verbindung zwischen diesen beiden Schauplätzen schafft ein reich bestückter Skulpturenweg, für den der Bürgermeister sogar die Straße dazwischen sperren lässt. Seine Mitarbeiter erfassen die Adressen der Besucher und kümmern sich um die Hygienemaßnahmen.

"Erzählbilder" und scheinbar schwereloses Metall 

Und dann kann es losgehen mit dem Rundgang – dessen Vielfalt hier natürlich nur angedeutet werden kann. Die neueste Arbeitstechnik von Peter Schwenk lässt sich dabei beispielsweise entdecken, von dem eine Alu-Großplastik im Stadtpark Neue Welt in Memmingen steht: „Erzählbilder“, die er ähnlich wie seine plastischen „Erzähltürme“ aus Schablonen gestaltet und zuletzt farbig ausarbeitet. Remo Leghissa und Ulrich Schweiger (von ihm steht seit 2018 eine Stahlskulptur als Dauerleihgabe im Buchheim Museum der Phantasie in Bernried) waren schon zusammen mit Wendland in der Buxheimer Kartause zu sehen – jeder hat eine ganz eigene Formensprache; eine Gemeinsamkeit liegt darin, wie überzeugend es ihnen gelingt, die scheinbare Schwere ihres Werkstoffes Metall aufzuheben.

Einer anderen, älteren Generation gehört der Maler und Bildhauer Helmut Kastl an, der mit Glasfenstern vertreten ist. Unverkennbar ist die witzige Ader in den Figuren und Zeichnungen von Nikos M. Dettmar. Andrea Matheisen will in ihren Bronzeplastiken „eine unsichtbare Realität darstellen, die dort anfängt, wo Kreativität und Emotionen beginnen.“ Erstmals seit langem beteiligt sich Diether Kunerth an einer Ausstellung außerhalb des Museums für zeitgenössische Kunst in Ottobeuren – weil er sofort von der gemeinsamen Sache begeistert war.

Täglich von 11 bis 18 Uhr

Der Allgäuer Skulpturen-Sommer findet statt rund um die Daxberger Straße 9 in 87761 Frickenhausen. Geöffnet ist vom 24. bis 26. Juli täglich von 11 bis 18 Uhr. In den geschlossenen Räumen ist ein Mund-Nase-Schutz erforderlich, überall soll der Mindestabstand eingehalten werden.