Geschichte

200 Jahre anderenorts geläutet: Kirchenglocke aus Ebenhofen zurück in der Heimat

Zu einem zünftigen Abendessen wurden die „Münzenrieder Bürger“ ins Museum eingeladen. Anlass war die Übergabe der Kapellenglocke an das Baschtlehaus in Ebenhofen. Nach über 200 Jahren ist die Glocke wieder heimgekehrt.

Zu einem zünftigen Abendessen wurden die „Münzenrieder Bürger“ ins Museum eingeladen. Anlass war die Übergabe der Kapellenglocke an das Baschtlehaus in Ebenhofen. Nach über 200 Jahren ist die Glocke wieder heimgekehrt.

Bild: Markus Breitenbach

Zu einem zünftigen Abendessen wurden die „Münzenrieder Bürger“ ins Museum eingeladen. Anlass war die Übergabe der Kapellenglocke an das Baschtlehaus in Ebenhofen. Nach über 200 Jahren ist die Glocke wieder heimgekehrt.

Bild: Markus Breitenbach

Die Marienglocke aus Ebenhofen hat viele Jahrzehnte in anderen Dörfern geschlagen. Nun kehrt sie in ihre Heimat zurück. Welche Reise sie hinter sich hat.
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Von Julia Breitenbach
22.07.2022 | Stand: 10:44 Uhr

Vor kurzem standen die Scheunentore des Baschtlehauses in Ebenhofen (Ostallgäu) wieder offen. Dieses Mal aus einem ganz besonderen Anlass: Gemeinsam mit den Bürgern des Weilers Münzenried feierte man die Heimkehr der Marienglocke, die über 200 Jahren auf Abwegen gewesen war.

Die ursprüngliche Kapelle im Jungholz wurde 1960 errichtet

Ursprünglich klang die kleine Glocke in der Kapelle im Jungholz, an deren Stelle auch heute wieder eine kleine Kapelle an den ehemaligen Wallfahrtsort erinnert. Die ursprüngliche Kapelle im Jungholz, die eng mit der Hirtenbruderschaft „Zum Schwarzen Skapulier“ und damit auch mit dem Ebenhofener Hirten- und Heimatmuseum verbunden ist, wurde im Jahr 1690 errichtet. Bereits seit dem Jahr 1640 war der Baum mit Marienbild am Fuhrweg nach Kaufbeuren ein Ort, der laut Chronisten in Hochzeiten bis zu 30.000 Pilger pro Jahr anzog. Eine riesige Anzahl, bedenkt man, dass Marktoberdorf zu dieser Zeit noch ein Örtchen mit knapp 1500 Einwohnern war.

Dieser Popularität ist es auch zu verdanken, dass die Kapelle im Jahr 1719 Schauplatz der Gründung der Hirtenbruderschaft „Zum Schwarzen Skapulier“ durch die Innsbrucker Serviten wurde. Durch die Gründung dieser Bruderschaft erhofften sich die Hirten aus den umliegenden Dörfern mehr Rechte und Anerkennung in der Gesellschaft. Ab 1762 hielt die Bruderschaft ihre Treffen in der Kapelle ab.

Neun Jahre zuvor war die erste Glocke aus ungeklärten Gründen zersprungen und durch einen Nachguss, der mit dem Emblem der Hirtenbruderschaft versehen ist, ersetzt worden.

Teile der Kapelleneinrichtung wurden versteigert - darunter auch die Glocke

Im Rahmen der Säkularisation im Jahre 1803 wurde die Kapelle zum Staatseigentum erklärt und große Teile der Einrichtung wurden versteigert. So gelangte die Glocke zunächst in die Pfarrei nach Aitrang, wo sie einige Jahr vom dortigen Kirchturm zu hören war.

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Im Jahr 1899 bekam die Aitranger Kirche ein neues Geläut, zu dem die Klangfarbe der kleiner Glocke aus Ebenhofen nicht recht passen wollte. So wanderte die Glocke weiter nach St. Alban in Görwangs. Auch dort begleitete ihr Klang die Dorfbewohner einige Jahre, bevor im Jahr 1917 der Kriegsdienst und somit die Einschmelzung drohte. Vermutlich ist es nur der geringen Größe der Glocke zu verdanken, dass ihr dieses Schicksal erspart blieb. Trotzdem hat diese Zeit Spuren hinterlassen: Das Marienemblem wurde entfernt. Nach Kriegsende wurde dafür die Jahreszahl der Rückgabe auf der Glocke vermerkt: 1918. (Lesen Sie dazu auch: Als Obergünzburgs Glocken für Waffen eingeschmolzen werden sollten)

Nun verliert sich die Spur der Glocke für einige Zeit. Es ist unklar, ob die Glocke auf Umwegen über Neuenried oder auf direktem Wege nach Münzenried gelangte. Sicher ist nur, dass sie ab dem Jahr 1930 für 24 Jahre lang brav Ihren Dienst in Münzenried verrichtete, bevor sie auch dort durch eine neue Glocke ersetzt wurde.

Heinrich Maul setzte alle Hebel in Bewegung, um die Glocke wieder zu bekommen

Der Grund dafür war allerdings nicht der leicht scheppernde Klang der Glocke, wie eine Münzenrieder Dorfbewohnerin mit einem Augenzwinkern Heinrich Maul, Gründer und Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Biessenhofen, verriet. Nach 68 Jahren unentdeckt auf dem Dachboden der Münzenrieder Kapelle spürte er die Glocke wieder auf und setzte alle Hebel in Bewegung, um sie zurück nach Ebenhofen zu bringen. Auch vor Arbeiten mit Hebegerät an der Kapelle in Münzenried schreckten Maul und seine Begleiter nicht zurück. Dafür und für die Unterstützung bei der Heimkehr der Glocke nach 218 Jahren, lud der Baschtlehausverein sämtliche Münzenrieder zur gemütlichen Brotzeit in die Tenne des Baschtlehauses ein. Fast das ganze Dorf folgte der Einladung und konnte so den neuen Standort der Glocke im Hirtenmuseum im obersten Stockwerk des Baschtlehauses begutachten. So ist ein Stück Dorfgeschichte zurück nach Ebenhofen gekehrt und hat zudem, ganz im Sinne der Bruderschaft, für neue Verbindungen zwischen den bisherigen Wirkungsstätten der Glocke gesorgt.

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