Mittelschule und Don-Bosco-Schule in MOD

49 Schüler in Marktoberdorf unter Corona-Quarantäne

Was tun in Corona-Zeiten, wenn Schüler erkältet sind? Das Kultusministerium hat dafür einen Drei-Stufen-Plan festgelegt.

Was tun in Corona-Zeiten, wenn Schüler erkältet sind? Das Kultusministerium hat dafür einen Drei-Stufen-Plan festgelegt.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Was tun in Corona-Zeiten, wenn Schüler erkältet sind? Das Kultusministerium hat dafür einen Drei-Stufen-Plan festgelegt.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Corona-Alarm: Klassen aus zwei Schulen durften am Mittwoch in Marktoberdorf nicht mehr in den Unterricht. Die Situation ist angespannt. Was nun passiert.
24.09.2020 | Stand: 05:21 Uhr

In Marktoberdorf stehen Klassen der Mittelschule und der Don-Bosco-Schule unter Quarantäne. Insgesamt durften in der Kreisstadt am Mittwoch 49 Schüler nicht in die Schule gehen. Der Grund für die Quarantäne-Maßnahmen: An beiden Schulen wurde jeweils ein Kind positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Weitere befragte Schulen, darunter Realschule und Gymnasium, verzeichnen seit Schuljahresbeginn noch keine Covid-19-Fälle.

Von der Don-Bosco-Schule wurde ein Kind positiv auf Corona getestet. Mittwochfrüh blieben daher erst einmal alle zehn Mitschüler aus dessen Klasse und vorsorglich auch die zwölf Schüler der Parallelklasse zu Hause. „Dabei ging es um gemeinsam verbrachte Pausen und um Differenzierungsunterricht“, sagt Schulleiter Heiner Tischer. Die Quarantäne für die Parallelklasse habe das Gesundheitsamt zwar aufgehoben. Die zehn Klassenkameraden des infizierten Kindes würden aber getestet und blieben in Quarantäne. Deren Geschwister dürfen weiter in die Schule kommen.

Der Schutz der anderen

Tischer hatte am Dienstagabend von dem Fall erfahren. „Wir haben gleich die Eltern angerufen und ihnen gesagt, dass ihre Kinder am Mittwoch daheim bleiben.“ Der „bestmögliche Schutz der anderen“ habe Priorität, sagt er. Den Verantwortlichen komme zugute, wie sehr die Eltern wegen der ersten Corona-Welle sensibilisiert seien (Alle aktuellen Entwicklungen zu Corona im Allgäu, Bayern und der Welt laufend in unserem Newsblog).

In der Mittelschule müssen sogar 27 Jugendliche aus zwei Klassen zu Hause bleiben. Laut Schulleiter Stefan Schweidler wurde eine Schülerin positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Auch an der Mittelschule wurde sofort reagiert, nachdem das Gesundheitsamt den Schulleiter informiert hatte. „Am Morgen musste alles ziemlich schnell gehen“, sagt Schweidler. Er gab die Telefonliste der Klasse ans Gesundheitsamt weiter, sodass die Eltern schnellstmöglich kontaktiert werden konnten. Die Klasse hat nun Homeschooling. Ebenso die Mädchen einer weiteren Klasse, die mit der infizierten Schülerin Sport hatten. „Die Situation ist angespannt“, sagt der Schulleiter.

Ähnliche Symptome

Die kommende Erkältungssaison im Herbst und Winter trägt nicht zur Entspannung bei. Die Symptome einer Erkältung, einer Grippe und einer Covid-19-Infektion sind zu Beginn meist ähnlich. Wie die Schulen mit erkälteten Kindern umgehen sollen, legt der Drei-Stufen-Plan des Bayerischen Kultusministeriums fest. Dieser orientiert sich an der Sieben-Tage-Inzidenz (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner). Bei steigenden Infektionszahlen werden die Regeln zum Verhalten bei Erkältungssymptomen strenger.

Genau nach diesen Vorgaben handelt Schulleiter Schweidler. Da die Inzidenzwerte im Ostallgäu unter 35 liegen, dürfen die Schüler auch mit leichten Erkältungssymptomen zur Schule gehen. An dem Tag aber, an dem die Symptome auftreten, sollen Eltern ihre Kinder allerdings zuhause lassen und beobachten, sagt Schweidler. Wenn das Kind kein Fieber bekomme oder 24 Stunden kein Fieber mehr hat, dürfe es wieder zur Schule gehen. Andernfalls sollte der Hausarzt aufgesucht werden. „Die Eltern wurden mit einem Brief umfassend informiert und halten sich sehr vernünftig an die Vorgaben.“ (Allerdings hatte es unter anderem an der Mittelschule in Marktoberdorf zuletzt auch Ärger wegen zweifelhafter Atteste zur Maskenpflicht gegeben).

Kontakte zu Infizierten

Das Gleiche gilt an der Realschule: „Schüler, die erkältet kommen, werden wieder nach Hause geschickt“, sagt Schulleiter Werner Epp. Daher seien aktuell sehr viele Schüler krankgemeldet. „Es ist besser, vorsichtig zu sein.“ Zwar gab es laut Epp bisher noch keine Coronafälle, einige Schüler mussten sich jedoch bis zum negativen Testergebnis in Quarantäne begeben, weil sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten.

Auch das Gymnasium legt Schülern mit Erkältungssymptomen nahe, erst einmal 24 Stunden zu Hause zu bleiben. Und abzuwarten. „Wenn dann Fieber, Erbrechen oder andere mögliche Corona-Symptome hinzukommen, muss der Gang zum Arzt folgen. Wenn nicht, dürfen die Schüler gern wieder kommen“, sagt stellvertretender Schulleiter Arne Böhler. Pro Tag meldeten derzeit dennoch lediglich eine Handvoll Eltern ihre Kinder krank. „Allerdings läuft die herbstliche Erkältungswelle noch nicht.“

Auch "normale" Erkältung breitet sich aus

Weniger streng sind die Vorgaben für Grundschulen. „Laut Kultusministerium gibt es keinen Grund, Kinder mit leichtem Husten oder Schnupfen nicht in die Grundschule zu schicken“, sagt Jörg Schneider, Leiter der Martinsschule. Für Corona sei vielmehr Fieber das Ausschlusskriterium. „Sobald Fieber dabei ist, muss das Kind daheimbleiben und die Eltern sollten einen Arzt kontaktieren.“ Die Grundschule hätten aber einen Spagat zu bewältigen: „Auch eine normale Erkältung breitet sich ja aus." (Lesen Sie auch: Schulstart in Marktoberdorf: So sicher und normal wie möglich)

"Der Spagat ist – wegen der Ausfälle im Frühjahr – möglichst viele Kinder kommen zu lassen, aber trotzdem nicht zum Lazarett zu werden“, sagt Schneider. Prima agierten die Eltern. „Die lassen ihre Kinder lieber gleich zu Hause, wenn sie unsicher sind.“ Diskussionen hat Schneider deshalb noch keine führen müssen. „Höchstens gibt es den Fall, dass in der Früh noch nicht absehbar ist, wie schlecht es dem Kind geht. Wenn wir um 10 oder 11 Uhr aber sehen, es hustet auffällig, lassen wir es abholen.“

Fieber das entscheidende Symptom

Warum der Umgang mit Erkältungen an Grundschulen anders ist, beantwortet Kinderarzt Walter Breiner: „Im Grundschulalter haben Kinder deutlich mehr Infekte als Jugendliche.“ Im Durchschnitt seien Kinder bis zu zwölf mal im Jahr erkältet. Daher sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie nur eine Erkältung haben, um einiges höher als bei Jugendlichen. Er rät Eltern, das Kind genau zu beobachten und sich an die Regelungen im Drei-Stufen-Plan zu halten. „Fieber ist aktuell das ausschlaggebende Symptom.“