Museen wieder geöffnet

Ab in die Südsee: Die beeindruckende Südsee-Sammlung in Obergünzburg ist wieder geöffnet

Südseesammlung

Für Deutschland etwas ganz Besonderes sind die zahlreichen Artefakte, die Südsee-Kapitän Karl Nauer von 1906 bis 1913 aus der melanesischen Inselwelt in seinen Heimatort Obergünzburg mitbrachte. Und die dort in der Südseesammlung ausgestellt sind.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Für Deutschland etwas ganz Besonderes sind die zahlreichen Artefakte, die Südsee-Kapitän Karl Nauer von 1906 bis 1913 aus der melanesischen Inselwelt in seinen Heimatort Obergünzburg mitbrachte. Und die dort in der Südseesammlung ausgestellt sind.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Die Südsee-Sammlung und das Historische Museum in Obergünzburg sind wieder auf. Wie weit die Digitalisierung der Artefakte gediehen ist. Was es noch Neues gibt.
16.06.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Seit dem 10. Juni haben die Südsee-Sammlung und das Historische Museum in Obergünzburg wieder geöffnet (Donnerstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr). Noch ist das Museumsteam vor allem mit der Digitalisierung der Sammlung beschäftigt, aber in Kürze wird ein größeres museumspädagogisches Angebot an den Start gehen.

Der Auftakt war verheißungsvoll: „Wir hatten am Donnerstag um 14 Uhr die ersten drei Besucherinnen vor der Tür stehen, die waren sogar extra aus München angereist!“, freut sich Museumsleiterin Dr. Martina Kleinert. Dass der Besucherandrang sich an den Folgetagen in Grenzen hielt, war wohl auch dem guten Wetter geschuldet.

Südsee-Sammlung Obergünzburg: Was für Kinder geplant ist

Das Museumsteam geht ebenfalls noch etwas verhalten an die Besucherkontakte heran: Offene Führungen (immer am 4. Samstag im Monat) und das Angebot „Freitags im Museum“, das sich an Kinder und Jugendliche richtet (jeweils am 3. Freitag im Monat) sollen erst im Juli starten, sofern die Corona-Zahlen dauerhaft niedrig bleiben.

Es geht um gefährliche Tiere der Südsee

Im Rahmen der Günztaler Ferienfreizeit hat die Museumspädagogin Gerlinde Ossinger-Baur aber bereits zwei Workshops zusammengestellt (es geht ums Essen und um gefährliche Tiere der Südsee). Für Kindergartengruppen und Schulklassen hat sie ein nach Jahrgangsstufen differenziertes museumspädagogisches Angebot entwickelt – „eine sehr wertvolle Ergänzung“, wie Ethnologin Kleinert findet. Schließlich sind die Obergünzburger seit letztem Jahr auch Mitglied im Netzwerk „Allgäuer Museen für Familien“, das sich um ein besonders familienfreundliches Angebot bemüht.

Die Museen in Obergünzburg haben wieder auf.
Die Museen in Obergünzburg haben wieder auf.
Bild: Barbara Kettl-Römer

Die vielen Lockdown-Monate wurden aber nicht nur für Museumspädagogik genutzt, sondern vor allem für die Digitalisierung der Südsee-Sammlung im Rahmen des bavarikon-Projekts. Das bavarikon ist ein Internetportal des Freistaats, auf dem Kunst-, Kultur- und Wissensschätze aus Einrichtungen in Bayern präsentiert werden. Sie sind dort für Wissenschaftler wie für interessierte Privatpersonen auffindbar, alle Objekte bekommen zudem Begleittexte auf Deutsch, Englisch und Tok Pisin, der Verkehrssprache von Papua-Neuguinea.

Warum die Museumsleiterin nicht mit Rückforderungen aus Papua-Neuguinea rechnet

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Das ermöglicht maximale Transparenz, auch im Hinblick auf eventuelle Rückforderungen von Nachfahren der Südsee-Bewohner, die die Objekte einst anfertigten. Die Museumsleiterin rechnet aber nicht mit solchen Forderungen, da es sich bei den einst von Kapitän Karl Nauer erworbenen Stücken „eher um Massenware handelt“, wie sie nüchtern sagt.

Diese Digitalisierung, die auch mit einer Neu-Inventarisierung nach modernen wissenschaftlichen Maßstäben einhergeht, war für das kleine Museumsteam ein echter Kraftakt. „Wir haben die gesamte Ausstellung einmal zurückgebaut und komplett wieder aufgebaut“, erklärt Dr. Martina Kleinert. „Wir haben jedes einzelne Objekt einmal in die Hand genommen, neu fotografiert und wissenschaftlich erfasst.“ Und das, obwohl allein die Pfeilsammlung 400 Exemplare umfasst. Dabei blieb nicht aus, dass Fehler des früheren Inventars bemerkt und korrigiert wurden, beispielsweise falsche Zuordnungen, fehlerhafte Herkunftsnachweise oder mehrfach vergebene Inventarnummern.

"Wir haben in Obergünzburg sehr viel Museum, aber sehr wenig Stauraum"

Erschwert wurde das Ganze durch die räumliche Enge: „Wir haben sehr viel Museum, aber sehr wenig Stauraum“, bedauert die Museumsleiterin. Die bis zu drei Meter langen Speere und größere Textilien liegen daher derzeit im Pfarrstadel ausgebreitet, auch im Historischen Museum dienen mehrere Räume als Lager. Bis zum Jahresende soll sich das allerdings ändern und die Inventarisierung abgeschlossen werden.

Für 2022 hat das Museumsteam schon Pläne: Zum 200. Geburtstag des Obergünzburger Malers Johann Baptist Kaspar soll es eine Sonderausstellung geben. Die Kasparschen Gemälde sollen dabei in einen Dialog mit Werken des Münchner Malers Martin Minde treten, der in seiner Jugend einige Jahre in einem alten Eisenbahnwaggon in Obergünzburg gelebt hatte.

Museumsleiterin Dr. Kleinert ist sehr froh darüber, dass die Südsee-Sammlung wieder geöffnet sein darf.
Museumsleiterin Dr. Kleinert ist sehr froh darüber, dass die Südsee-Sammlung wieder geöffnet sein darf.
Bild: Barbara Kettl-Römer