Hinreißender Jazz-Zauber

Absolut außergewöhnliches Konzert in Marktoberdorf

Als hinreißende Jazz-Zauberlehrlinge erwiesen sich die bayerischen Jung-Jazzer in der Musikakademie.

Als hinreißende Jazz-Zauberlehrlinge erwiesen sich die bayerischen Jung-Jazzer in der Musikakademie.

Bild: Alfred Michel

Als hinreißende Jazz-Zauberlehrlinge erwiesen sich die bayerischen Jung-Jazzer in der Musikakademie.

Bild: Alfred Michel

Bayerische Jungjazzer durften im Saal der Musikakademie endlich wieder vor Publikum spielen. Doch das ist nun wieder vorbei. Was das Publikum vor dem Lockdown erlebt hat.
Als hinreißende Jazz-Zauberlehrlinge erwiesen sich die bayerischen Jung-Jazzer in der Musikakademie.
Von Gabriele Schroth
04.11.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Geschäftsführer Jürgen Schwarz hatte großzügig die Pforten der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf für das Landes-Jugendjazzorchester Bayern zum einwöchigen Arbeitstreffen mit öffentlichem Abschlusskonzert geöffnet. Dieser pandemiebedingte einzige Auftritt 2020 im großen Konzertsaal vor abgezähltem Publikum geriet absolut außergewöhnlich. Denn unter der inspirierenden Leitung von Startrompeter Peter Tuscher und Stardrummer Harald Rüschenbaum erwiesen sich die insgesamt 50 bayerischen Jungjazzer als hinreißende Jazz-Zauberlehrlinge.

Eingeschworene Band

Laut Organisator Willi Staud brannten sie darauf, endlich vor Publikum zu spielen. Schließlich wollte sich das Landes-Jugendjazzorchester Bayern in komplett neuer Besetzung vorstellen. Dank der fantastischen langjährigen pädagogischen Aufbauarbeit von den kleinen Jazz Juniors über die junge Zweitband bis zur ausgereiften Konzertband konnten die Nachwuchsjazzer problemlos in die jeweils nächste Band aufrücken. Peter Tuscher hatte die 20-köpfige Zweitband sensationell eingeschworen auf legendäre Big-Band-Jazzstandards. Und Harald Rüschenbaum ließ seine neue Konzertband so rasant schlingernd aufspielen, als ginge es hier um das Leben selbst.

Minimalistisch und prägnant

Mit prägnant minimalistischem Einsatz trieb Tuscher seine Jazzjugend zu blitzender Akkuratesse beim „Back Bay Shuffle“ des Klarinettisten Artie Shaw von 1938, der auch Julia Langenbucher zu einem Klarinettensolo inspirierte. Dagegen zeigte sich Rüschenbaum als mitreißend expressiv dirigierender künstlerischer Chef. Er zauberte berühmte Standards und Evergreens aus dem Ärmel, und zwar in genialischen Arrangements von Dozent Karsten Gorzel für die Konzertband. Dabei entwarf Daniel Schlipf sein ekstatisches E-Gitarrensolo zu Paul Desmonds „Take Five“, und Tenorsaxofonistin Lucie Graehl verfiel in ein aufregendes Duo mit Pianist Theo Kollross bei Billy Strayhorns früher Ballade „Lush Life“. Ebenso konnten Anne Czichowskys Jazz-Vocals Felix Albrecht, Daniel Motan und Betty Akhigbe stimmlich auftrumpfen. Bei Pat Methenys Hit „Heartland“ von 1979 verwandelte sich die Konzertband mit verzinkter Rhythmik und überwältigendem Tutti-Sound in einen jazzenden Hexenkessel samt herzzerreißendem Altsax-Riesensolo von Pascale Feiertag.