Zeitreise

Als in Marktoberdorf die Pest wütete

Kerstin Waizenegger (links) und Christine Monzner-Marxer warfen bei einer Führung einen Blick zurück in die Pestzeit.

Kerstin Waizenegger (links) und Christine Monzner-Marxer warfen bei einer Führung einen Blick zurück in die Pestzeit.

Bild: Heimatverein

Kerstin Waizenegger (links) und Christine Monzner-Marxer warfen bei einer Führung einen Blick zurück in die Pestzeit.

Bild: Heimatverein

Marktoberdorfer Heimatverein kehrt mit Führung zurück ins 17. Jahrhundert. Warum Parallelen zu Corona aufscheinen
20.09.2020 | Stand: 09:51 Uhr

Im richtigen Leben heißen sie Christine Monzner-Marxer und Kerstin Waizenegger. Doch an diesem Abend schlüpften die beiden Gästeführerinnen in die Rollen von Magdalena, der Frau des Oberdorfer Baders, und von Anna, der Tochter des Scharfrichters, und nahmen die Mitglieder des Heimatvereins mit auf eine Zeitreise. Es ging zurück ins 17. Jahrhundert, in die Zeit des 30-jährigen Krieges.

Die Pest kam damals – wieder einmal – nach Oberdorf. Niemand wusste, wie man sich ansteckte, wie man sie behandeln konnte und wie man sich vor ihr schützen konnte, erzählten sie auf dem Weg vom Hochwiesparkplatz zum Pestfriedhof. Anna und Magdalena jedenfalls sammelten Kräuter, setzten damit Tinkturen an und kochten Salben, um die Leiden der Erkrankten zu lindern und um die Gesunden vor der Krankheit zu bewahren.

Sie berichteten, dass es auch andere Reaktionen auf die Seuche gab. Viele Menschen suchten ihr Heil im Gebet, denn in der Pest sahen sie eine Strafe Gottes.

Der Markt Oberdorf hatte eine Pestordnung erlassen: Der Ort wurde abgeriegelt, nur in Ausnahmefällen durfte jemand ein- oder ausreisen. An festgelegten Orten hinterlegten die Oberdorfer Listen für notwendige Einkäufe, die von den Händlern dorthin geliefert wurden. So sollte verhindert werden, dass die Seuche immer wieder eingeschleppt und verbreitet wird. Auch strenge Regeln, wie sich eine Familie verhalten soll, in der ein Krankheitsfall aufgetreten war, enthielt sie.

Anna und Magdalena wussten viele Geschichten zu erzählen, wie die Pest im Ort gewütet hatte und einfache wie wohlhabende Menschen, Alte und Junge, dahingerafft hatte. Die Toten wurden in Leinen eingenäht zum Pestfriedhof bei Kohlhunden gebracht. Über 200 tote Erwachsene und fast ebenso viele tote Kinder waren es am Ende des Seuchenzuges. Jeder fünfte Einwohner von Oberdorf war der Krankheit erlegen. An dem Anschauungsmaterial, das die beiden zeigten, hatten auch die Erwachsenen der ursprünglich für Kinder konzipierten Führung ihre Freude: Kräuter und Räucherwerkzeug und sogar eine Stoffratte, die an einer Schnur aus ihrem Karren hüpfte, hatten sie dabei. Viele Parallelen zur aktuellen Corona-Pandemie zogen die Teilnehmer: Auch gegen Corona gibt es noch kein Heilmittel, Abstand und eine Maske sollen die Verbreitung eindämmen. Alle Teilnehmer der Führung hielten sich akurat an diese Regeln.