Falsch ausgesagt

Angst vor dem Gefängnis: Warum eine Ostallgäuerin (32) vor Gericht bewusst lügt

Wegen einer Falschaussage musste sich eine 32-jährige Frau jetzt vor Gericht verantworten.

Wegen einer Falschaussage musste sich eine 32-jährige Frau jetzt vor Gericht verantworten.

Bild: Volker Hartmann, dpa (Symbolbild)

Wegen einer Falschaussage musste sich eine 32-jährige Frau jetzt vor Gericht verantworten.

Bild: Volker Hartmann, dpa (Symbolbild)

Eine 32-jährige Ostallgäuerin musste sich vor dem Amtsgericht Kaufbeuren wegen "Strafvereitelung" verantworten. Warum sie zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.
24.05.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Eine Ostallgäuerin musste sich wegen Strafvereitelung vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten und ist zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die 32-Jährige, die in Neugablonz wohnt, wurde im Herbst im Zusammenhang mit einem Verfahren gegen ihren Lebensgefährten wegen gefährlicher Körperverletzung vernommen. Dabei gab sie auf der Polizeiwache Kaufbeuren laut Anklage „bewusst wahrheitswidrig an“, dass sie Messerstiche, die ihr aktueller Partner ihrem Noch-Ehemann zugefügt hatte, nicht wahrgenommen habe.

Dem Vater ging es um das Besuchsrecht für sein jüngstes Kind

Laut dem ermittelnden Polizeibeamten kam es zu dem Angriff, als die Angeklagte zwei ihrer drei Kinder am Bahnhof Kaufbeuren an den von ihr getrennt lebenden Vater und Ehemann übergab. Dabei wurde sie vom Täter, ihrem jetzigen Partner, begleitet. Später kam es dann zu einem Wortgefecht, weil das jüngste der drei Kinder dem Vater nicht mitgegeben worden war, berichtete der Polizist.

Der Lebensgefährte der Frau stach auf ihren Noch-Ehemann ein

Daraufhin verließen beide Männer laut dem ermittelnden Polizeibeamten ihre Autos, und der Lebensgefährte stach auf den Noch-Ehemann ein, während Frau und Kinder in den Fahrzeugen blieben. Im Verlauf des entsprechenden Ermittlungsverfahrens sei inzwischen klar geworden, dass die Angeklagte eine Falschaussage gemacht hatte, um eine Strafverfolgung des Beschuldigten zu verhindern. Ihr Anwalt ließ nach Verlesung der Anklage mitteilen, dass sie die Aussage inzwischen revidiert habe. Sie habe zwar ein blutiges Messer, nicht aber den Tathergang selbst beobachtet.

Ihr Motiv sei es nicht gewesen, den Täter zu decken. Vielmehr habe sie nach der Belehrung der Polizei zur wahrheitsgetreuen Aussage befürchtet, selbst der Mittäterschaft verdächtigt zu werden. Dies ging auch aus einem E-Mail-Verkehr mit ihrem Noch-Ehemann vom November 2020 hervor, in dem sie schrieb: „Ich habe Angst, sie werden mich ins Gefängnis werfen.“ Der Polizeibeamte betonte vor Gericht allerdings, dass man nie auch nur den geringsten Verdacht gegen die Angeklagte gehegt habe.

Warum der Richter die Rechtfertigungen der Frau nicht akzeptiert

Der Richter akzeptierte aufgrund dieser Aussage und der Tatsache, dass man die Angeklagte zu diesem Fall von Körperverletzung stets als Zeugin und nie als Beschuldigte vernommen hatte, ihre Rechtfertigungen nicht. Die Staatsanwältin schloss sich dieser Einschätzung an. Die Angeklagte sei vollumfänglich schuldig, bis auf den dargelegten Sachverhalt, dass sie den Stich selbst tatsächlich nicht gesehen hatte. Das Motiv sei aufgrund des Vorsatzes nebensächlich. Sie forderte deshalb eine Strafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro.

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Der Verteidiger stellte dagegen die Angst der Angeklagten und ihre „Gefühlslage bei der Befragung“ als maßgeblich heraus. Da sie sich als Beschuldigte gefühlt habe, sei es auch legitim gewesen, „die Unwahrheit zu sagen“. Darum plädierte er für Freispruch.

Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu 40 Tagessätzen á 15 Euro. Da sie nie als Beschuldigte geführt und auch nicht als solche belehrt wurde, „durfte sie auch nicht als eine solche handeln“, sagte der Richter. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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