Ostallgäu

Auf offener Straße Gaspistole abgefeuert

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Gericht Reizgas löst bei Geschädigtem Atembeschwerden aus. Angeklagter (40) zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt
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Von az
28.10.2019 | Stand: 16:24 Uhr

Es war eine Situation, in der ein 45-Jähriger „einen Moment lang dachte, dass ich sterben werde“: Bei einem Streit im Dezember 2018 hatte sein 40-jähriger Kontrahent plötzlich eine täuschend echt aussehende Gaspistole gezogen und diese mindestens zweimal abgefeuert – „bloß zur Warnung“, wie der Mann jetzt als Angeklagter vor dem Amtsgericht beteuerte. Durch das Reizgas bekam der herzkranke Geschädigte starke Atemprobleme, die etwa eine halbe Stunde lang anhielten. Sein Gegner, der keine Erlaubnis zum Führen der Schreckschuss-Pistole hatte, wurde eines Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Dem mehrfach, aber nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten wurde zur Auflage gemacht, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro zu bezahlen. Dieser will das Geld „an bedürftige Menschen spenden.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Vorgeschichte des Vorfalls hatte in der Aussage des Angeklagten einigermaßen verworren geklungen und sich nicht im Detail nachvollziehen lassen. Fest stand aber, dass der 40-Jährige den Geschädigten schon länger kannte und ihn wohl aufgrund eines Gerüchts verdächtigte, mit der Frau eines Freundes ein Verhältnis zu haben. Es kam dann zu einem ersten Gespräch in einer Bar, das offenbar ergebnislos blieb. Zwei Tage später, so der Angeklagte, sei er von zwei Männern auf einem Supermarkt-Parkplatz überfallen und mit einem Messer am Bein verletzt worden. Zwar habe es sich bei keinem der beiden Angreifer um den Geschädigten gehandelt. Sein „inneres Gefühl“ habe ihm aber gesagt, dass dieser dahinter stecke. Deshalb habe er zur späteren Aussprache sicherheitshalber seine Gaspistole mitgenommen.

Der Geschädigte versicherte als Zeuge, er habe weder etwas mit diesem Vorfall zu tun gehabt, noch habe er ein Verhältnis mit der Bekannten des Angeklagten gehabt. Weil er dem Mann klarmachen wollte, „dass da nichts dran ist“, sei er zu einer Aussprache bereit gewesen. Das abendliche Treffen in Kaufbeuren lief dann offenbar schnell aus dem Ruder. Wie sich der Zeuge erinnerte, habe er im Auto auf den Angeklagten gewartet und ihm bei seinem Erscheinen gesagt, dass das Gerücht nicht stimme. Daraufhin sei der Mann „ein bisschen aufgebracht“ gewesen und habe kurz darauf die Pistole gezogen.

Für seine Schüsse auf offener Straße bescheinigte die Staatsanwältin dem 40-Jährigen jetzt eine „besondere Rücksichtslosigkeit“ und plädierte auf eine zehnmonatige Bewährungsstrafe. Die Richterin folgte dem Antrag im Urteil. Auch der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe für angemessen gehalten und im Plädoyer kein Hehl daraus gemacht, dass sich die genauen Hintergründe auch ihm nicht erschlossen. Wörtlich sagte er: „Mich erinnert das Ganze an pubertierende Jugendliche.“

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