Auto-Ausstellung in Marktoberdorf

Warum im Künstlerhaus in Marktoberdorf selbst der Geruch von Altöl spannend wird

Ausstellung

Den Wagen in echt: wahrscheinlich unbezahlbar. Selbst dieses Modell ist schon ein Hingucker. Andy Warhol hat die Farbe 1979 eigenhändig aufgebracht. Später wurde ein echtes Auto so lackiert. Museumsdirektorin Maya Heckelmann (links) führte die Stadträte durch die Ausstellung „Abgefahren – das Auto in der Kunst“ im Künstlerhaus.

Bild: Andreas Filke

Den Wagen in echt: wahrscheinlich unbezahlbar. Selbst dieses Modell ist schon ein Hingucker. Andy Warhol hat die Farbe 1979 eigenhändig aufgebracht. Später wurde ein echtes Auto so lackiert. Museumsdirektorin Maya Heckelmann (links) führte die Stadträte durch die Ausstellung „Abgefahren – das Auto in der Kunst“ im Künstlerhaus.

Bild: Andreas Filke

Das Künstlerhaus in Marktoberdorf feiert den Kult rund ums Auto. Oder ist es schon der Abgesang? Warum die Ausstellung „abgefahren“ ist.
29.06.2021 | Stand: 12:30 Uhr

Es riecht irgendwie. Durch die FFP2-Maske zunächst etwas undefinierbar, dann aber intensiver, je näher sich der Besucher der gedeckten Tafel nähert. Das Geschirr scheint förmlich in einer zähen, schwarzen Soße zu schwimmen. „Es ist Altöl. 80 Liter Altöl“, schildert Museumsdirektorin Maya Heckelmann und ist bei ihrer Führung für Marktoberdorfer Stadträte gleich mittendrin in der Ausstellung im Künstlerhaus.

Künstlerhaus in Marktoberdorf: Keine gewohnte Präsentation von Autos

Es geht um das Auto in der Kunst. Deshalb auch der sinnige Titel „Abgefahren“, der durchaus positiv belegt ist, wie Heckelmann sagt, aber ebenso das Ende einer Ära beschreiben könnte. Wohl auch deshalb wirken die großformatigen Fotos von Auspuffrohren bekannt und befremdlich zugleich. Andere Autos schweben dank Bearbeitung der Aufnahmen durch Raum und Zeit. Die breiten amerikanischen Schlitten greifen Bekanntes auf und sind doch fremd. Vielleicht ein Vorgriff auf autonomes Fahren, das sich außer den Experten im Moment keiner so richtig vorstellen kann?

Es ist keine der gewohnten Präsentationen von Autos. Tür auf, Blick auf den Tacho, Probesitzen. Oder Motorhaube anheben. Wie viel PS und Zylinder? Diese Ausstellung geht tiefer, weshalb manch Stadtrat und auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell feststellten: „Da muss ich noch mal hingehen.“ Sie wären damit nicht allein, denn das Interesse sei sehr rege, sagt Maya Heckelmann. Um die 25 Besucher kommen pro Öffnungstag.

Autos aus der Sicht eines Künstlers und nicht eines Schraubers - das macht die Ausstellung spannend

Sie sehen und staunen über Großes wie Gemälde, Ungewohntes wie die Speisetafel oder auch Kleines wie sogenannte Maquetten, also Modelle von Autos, an die berühmte Künstler wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein Hand angelegt haben. Sie gestalteten Fahrzeuge im Miniaturformat von BMW, die nach dieser Vorlage lackiert wurden. Am liebsten hätte Maya Heckelmann ein solches Exemplar in die Ausstellung nach Marktoberdorf, aber die Türen des Künstlerhauses waren zu schmal. Wie schade.

Bei einigen Gemälden wurde die Museumsleiterin während der Führung ganz persönlich, plauderte aus ihrer Familiengeschichte. Dass eben auch Werke ihres Vaters Ernst Heckelmann, die sonst bei ihr zu Hause hängen, die Ausstellung bereichern. Dass bereits ihr Großvater Künstler war – und auch Motorsportler. Die Faszination eines Mannes, der sich künstlerisch mit Autos auseinandersetzt, habe sie von klein auf miterlebt. Eben aus Sicht eines Künstlers und nicht eines Schraubers. Und doch kommt beides irgendwie zusammen. Genau das macht die Ausstellung so interessant. Da wird selbst der Geruch von Altöl auf einmal spannend.

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