Landkreis sieht keine Alternative

Höhere Gebühren: Darum müssen Ostallgäuer bald mehr für ihren Müll zahlen

Mehr Abfall und mehr Ausgaben: Der Landkreis Ostallgäu wird deshalb wohl die Müllgebühren erhöhen.

Mehr Abfall und mehr Ausgaben: Der Landkreis Ostallgäu wird deshalb wohl die Müllgebühren erhöhen.

Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Mehr Abfall und mehr Ausgaben: Der Landkreis Ostallgäu wird deshalb wohl die Müllgebühren erhöhen.

Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Erstmals seit den 90er Jahren werden im Ostallgäu wohl die Abfallgebühren erhöht. Über die Gründe - und wie viel teurer der Müll werden könnte.
20.07.2021 | Stand: 06:21 Uhr

Der Landkreis Ostallgäu wird wohl das erste Mal seit den 90er Jahren die Abfallgebühren erhöhen. Sollte es so kommen, wie der Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt am Montag empfohlen hat, werden dies die Ostallgäuer im Geldbeutel spüren. Ein durchschnittlicher Haushalt wird ab dem nächsten Jahr rund 27 Prozent mehr für die Entsorgung des Mülls ausgeben müssen. Eine Familie zahlt dann jährlich knapp 30 Euro mehr.

Ostallgäu musste mehr für Entsorgung ausgeben

Warum ist es notwendig, die Gebühren anzuheben? In den vergangene Jahren waren die jährlichen Ausgaben für die Abfallentsorgung deutlich gestiegen, sagte Dr. Florian Jung vom Landratsamt. Zusammen mit unvorhergesehenen Mehrkosten durch die Corona-Pandemie führt dies laut Jung bis Jahresende zu einem Defizit von rund 1,2 Millionen Euro. Die Mehrkosten entstanden unter anderem dadurch, dass die Öffnungszeiten einiger Wertstoffhöfe verlängert wurden. Dies war beispielsweise notwendig, weil Bürger aus dem Landkreis viel mehr Sperrmüll, Bauschutt und Altholz anlieferten.

Keine finanzielle Entlastung für Landkreis

In naher Zukunft sei mit Blick auf den Haushalt des Landkreises keine finanzielle Entlastung in Sicht, sagte Jung. Zudem seien die Rücklagen in Höhe von rund 450.000 Euro bereits zur Jahresmitte aufgebraucht. Die kommunale Abfallwirtschaft muss ihre Kosten durch eigene Einnahmen selbst erwirtschaften. Die Herausforderungen sind daher: Der Ausgleich des Defizits von rund 1,2 Millionen, dazu kommen Mehrausgaben und schwer kalkulierbare Marktschwankungen. Jung zieht daher das Fazit: „Eine Anpassung der Gebühren ist unumgänglich.“

Wieviel mehr muss eine Familie zahlen?

Wegen der vielen Unwägbarkeiten beauftragte das Landratsamt das externe Ingenieurbüro AU Consult damit, die Gebühren neu zu kalkulieren. Geschäftsführerin Sabine Kögl stellte die Ergebnisse im Ausschuss vor. Laut Kögl sind für den Zeitraum 2022 bis 2025 im Ostallgäu jährlich rund 10,6 Millionen Euro an Abfallgebühren notwendig, um die Kosten zu decken. Legt man dies um, ergibt sich für einen durchschnittlichen Haushalt mit einer 60-Liter-Restmüll- und einer 40-Liter-Biomülltonne ein jährlicher Betrag von 135 Euro. Bislang beliefen sich die Ausgaben pro Jahr auf 106,20 Euro. Zum Vergleich: Für die gleichen Leistungen musste ein Haushalt im Ostallgäu im Jahr 1998 knapp 188 Euro ausgeben, 2001 waren es immer noch über 154 Euro.

Gebühren sanken im Ostallgäu seit über 20 Jahren

„Der Landkreis Ostallgäu hat seit Jahrzehnten eine der niedrigsten Abfallgebühren in Bayern“, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker. Seit dem Jahr 1995 waren die Gebühren kontinuierlich gesenkt worden und erreichten mit der bislang letzten Festsetzung 2013 ihren Tiefststand. Diese Beiträge gelten noch bis Ende des Jahres. Sollte der Kreistag der Empfehlung des Umweltausschusses folgen, bewegt sich das Niveau der Gebühren nach der Erhöhung ab Januar 2022 auf dem des Jahres 2004.

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„Eine Erhöhung der Gebühren ist im Prinzip alternativlos“, sagte Landrätin Zinnecker. Die Rücklagen seien aufgebraucht und zugleich steigen die Ausgaben. Dies müsse über höhere Gebühren aufgefangen werden. Zinnecker betonte jedoch: „Im Vergleich zu anderen Regionen bieten wir unseren Bürgern beim Thema Abfallentsorgung einen großen Service.“ Der Umweltausschuss empfahl dem Kreistag einstimmig, die neuen Gebühren zu beschließen.

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