Ostallgäu

"Bei Tierrechtkontrollen über das Ziel hinausgeschossen": Allgäuer Landwirte diskutieren mit dem Umweltminister

Viele Themen besprach der Ostallgäuer BBV-Vorstand bei der Videokonferenz mit Landwirtschaftsminister Glauber - darunter auch den Allgäuer Tierskandal.

Viele Themen besprach der Ostallgäuer BBV-Vorstand bei der Videokonferenz mit Landwirtschaftsminister Glauber - darunter auch den Allgäuer Tierskandal.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Viele Themen besprach der Ostallgäuer BBV-Vorstand bei der Videokonferenz mit Landwirtschaftsminister Glauber - darunter auch den Allgäuer Tierskandal.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Vom Düngen bis zum Tierskandal: Der Kreisvorstand des Bauernverbandes Ostallgäu hat mit Minister Glauber diskutiert. Worum es in der Videokonferenz noch ging.

11.08.2020 | Stand: 06:10 Uhr

Der Ostallgäuer Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) hat kürzlich in einer Videokonferenz mit dem Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber diskutiert. Die Düngeverordnung war Hauptthema des Austausches, an dem auch Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl und Dr. Leopold Herz, Agrarausschussvorsitzender im Bayerischen Landtag, teilgenommen haben.

Umweltminister Glauber: "Vorgänger haben einiges versäumt"

Zuerst ging es darum, bei den Düngeverordnungen Verbesserungen für die Landwirte zu erreichen. So forderte der BBV-Vorstand ein belastbares Messnetz für Nitrat im Grundwasser, um Ursache und Wirkung in Verbindung bringen zu können. Es mache keinen Sinn, Vorgaben in Bereichen zu machen, die in keiner Verbindung zu problematischen Messstellen stünden, so die Vorstandsmitglieder. Glauber sagte zu, in den nächsten Jahren das Messstellennetz zu erweitern, betonte aber, dass seine Vorgänger einiges versäumt hätten.

Der Vorstand fragte, wie es mit der Petition gegen die Verpflichtung zur bodennahen Düngung mit Schleppschuh oder -schlauch weitergeht. Herz erinnerte daran, dass Staatsministerin Kaniber einen Besuch im Ostallgäu zugesagt habe. Pohl ergänzte, er werde das Landwirtschaftsministerium gemeinsam mit Herz im vierteljährlichen Turnus befragen und auf Fortschritte drängen. So müssten Versuche gemacht werden, die praxistaugliche Alternativen ermöglichen. Hier sei das Ministerium gefordert.

Tierschutz im Allgäu: Interveniert bei überzogenem Verhalten

Der BBV forderte Glauber auf, zu sagen, wie er zu den Tierrechtskontrollen auf manchen Betrieben stehe. Vielfach sei da, so die Meinung des Vorstandes, weit übers Ziel hinausgeschossen worden. Betriebsleiterfamilien haben sich als Schwerverbrecher empfunden, so Vorstandsmitglied Michael Haußer. Glauber rechtfertigte den Polizeieinsatz mit dem Schutz der Familien vor fremden Dritten, die versucht hätten, illegal auf die Höfe zu gelangen. Er betonte aber, dass er sofort interveniert habe, als ihm von überzogenem Verhalten berichtet wurde. Er hoffe, dass dies nun abgestellt sei. Pohl kritisierte scharf, wie sich Menschen unter dem Deckmantel einer „SOKO Tierschutz“ illegal Zutritt zu Höfen verschaffen. Hier heilige der Zweck eben nicht die Mittel. Derartiges Vorgehen sei Hausfriedensbruch. Man müsse das auch so benennen, so Pohl.

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In Sachen Biber schlug der BBV-Vorstand vor, mit dem schon von der LFL betriebenen Wildtierportal Biberhabitate zu erfassen. Derzeit seien stark unterschiedliche Bestandszahlen im Umlauf. Der Minister sagte, dass die Landratsämter hier durchaus Spielräume haben.