Solarstrom in Biessenhofen

Biessenhofen startet mit neuen Fotovoltaik-Anlagen senkrecht in die Zukunft

BI BI LEW Agri-PV-Anlage

Die LEW haben den bestehenden Solarpark in Biessenhofen um eine Agri-PV-Testanlage ergänzt. So kann die Erzeugung der senkrechten PV-Module gut mit den herkömmlichen Modulen verglichen werden.

Bild: Bernd Feil/LEW

Die LEW haben den bestehenden Solarpark in Biessenhofen um eine Agri-PV-Testanlage ergänzt. So kann die Erzeugung der senkrechten PV-Module gut mit den herkömmlichen Modulen verglichen werden.

Bild: Bernd Feil/LEW

Die LEW haben in Biessenhofen neue Fotovoltaik-Module installiert. Sie dienen als Testanlage für ein größeres Projekt. Wie das der Landwirtschaft dienen soll.
03.05.2021 | Stand: 10:55 Uhr

Solarstrom erzeugen und die Wiese landwirtschaftlich nutzen: Diese Kombination ist laut den Lechwerken durch das Prinzip der Agri-Photovoltaik (Agri-PV) möglich. Auf rein landwirtschaftlich genutzten Flächen könne so zusätzlich „grüner Strom“ erzeugt werden. Die LEW haben dazu in Biessenhofen und Gersthofen zwei kleine Testanlagen errichtet.

Anders als bei herkömmlichen Solarparks wurden dort die PV-Module senkrecht installiert und streifenförmig auf den Flächen angeordnet. Das Besondere an den Modulen: Sowohl Vorder- als auch Rückseite können den Lichteinfall in Strom umwandeln. Mit den Testanlagen will LEW erste Erfahrungen zur Energieerzeugung und Wirtschaftlichkeit der senkrechten Agri-PV-Anlagen sammeln. Auf der Grundlage der gewonnenen Daten soll anschließend ein größeres Agri-PV-Projekt im Unterallgäu umgesetzt werden.

Biessenhofen: Traktoren können zwischen den Fotovoltaik-Modulen fahren

Dabei gibt es unterschiedliche Konzepte. Agri-PV-Module sind senkrecht oder mehrere Meter über dem Boden angebracht. Landwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren oder Mähdrescher können so unter oder zwischen den Modulen fahren. Bei senkrechten Agri-PV-Modulen, wie sie in Biessenhofen zum Einsatz kommen, bleiben die etwa ein Meter breiten Wiesenstreifen unter den Modulen unbewirtschaftet. Sie können so als Blühfläche angelegt werden und ökologische Mikrolebensräume schaffen.

Um einen Vergleich zu herkömmlichen PV-Freiflächenanlagen zu erhalten, hat LEW die Testanlagen neben bestehenden Solarparks gebaut. Die Testanlagen mit einer Leistung von 3 kWp in Biessenhofen und 6 kWp in Gersthofen sollen Aufschluss geben, welchen Beitrag Agri-PV für die Energiewende leisten kann. „Es gibt zwar einzelne Projekte von senkrechten Agri-PV-Anlagen, doch kaum Erkenntnisse zur Vergleichbarkeit mit südausgerichteten PV-Anlagen. Die gewonnenen Daten aus unseren Testanlagen wollen wir für künftige Agri-PV-Projekte nutzen“, sagt Projektleiterin Sigrid del Río.

Von der senkrechten Ausrichtung verspricht sich LEW Vorteile für die Stromerzeugung. Gewöhnliche PV-Anlagen liefern vor allem in der Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, Energie. Da die senkrechten Module über beide Seiten Strom gewinnen, erreichen sie bei einer Ost-West-Ausrichtung zwei Leistungshöhepunkte: einmal in den Morgen- und einmal in den Abendstunden. Damit liefern die Anlagen insbesondere zu den Zeiten Strom, in denen klassische PV-Freiflächen weniger produzieren.

Pilotprojekt im Unterallgäu: Rahmenbedingungen werden geprüft

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Auf der Datengrundlage der Testanlagen in Biessenhofen und Gersthofen soll ein Pilotprojekt im Unterallgäu entwickelt werden. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Unterallgäu und dem Beratungsnetzwerk LandSchafftEnergie in Straubing werden derzeit die Rahmenbedingungen für einen Anlagenbau geprüft. Das Pilotprojekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Untersucht werden sollen unter anderem die Einsatzfähigkeit landwirtschaftlicher Maschinen, die landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit der Fläche und die mikroklimatische Beeinflussung der Agri-PV-Anlage auf die Fläche.

Bevor Agri-PV flächendeckend eingesetzt werden kann, braucht es noch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen, schreibt LEW in einer Pressemitteilung. So bestehe beispielsweise noch Handlungsbedarf bei den Innovationsausschreibungen für Agri-PV-Anlagen, die der Gesetzgeber im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für 2022 angekündigt hat: Aktuell kämen dafür nur Anlagen auf Ackerflächen in Frage. Agri-PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen wie Wiesen, wie sie im Ostallgäu überwiegend vorhanden sind, oder Sonderkulturen wären noch ausgeschlossen.

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