Serie: Marktoberdorfer Ortsgeschichte(n)

Bischöfe haben großen Einfluss auf die Entwicklung Marktoberdorfs

Konradin, ein gebürtiger Bayer, war der letzte Sproß aus dem Hause der Staufer. Sein Tod hatte auch Folgen für Marktoberdorf.

Konradin, ein gebürtiger Bayer, war der letzte Sproß aus dem Hause der Staufer. Sein Tod hatte auch Folgen für Marktoberdorf.

Bild: Allgäuer Zeitung (Archiv)

Konradin, ein gebürtiger Bayer, war der letzte Sproß aus dem Hause der Staufer. Sein Tod hatte auch Folgen für Marktoberdorf.

Bild: Allgäuer Zeitung (Archiv)

Marktoberdorf hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Wie die Vogteistraße zu ihrem Namen kam und warum Oberdorf Bertoldshofen den Rang ablief.
Konradin, ein gebürtiger Bayer, war der letzte Sproß aus dem Hause der Staufer. Sein Tod hatte auch Folgen für Marktoberdorf.
Von Anne Lutz
18.01.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Straßennamen erzählen Ortsgeschichte: Eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten stecken dahinter. Aber auch Flurnamen sind oft die Namensgeber gewesen. Es ist schon über 30 Jahre her, als Anne Lutz diese Geschichten zusammengetragen hat. Sie erscheinen nun in aktualisierter Form.

In der „Vogteistraße“ am Fuße des Alsterbergs stoßen wir auf die Wurzeln unserer Verwaltung, aus deren krausem Geflecht herrschaftlicher Zuständigkeiten wir eine „Vogtei“ als unser erstes „Amt“ ermitteln.

Richter und Steuerbeamter in einer Person

Die Reichsvogtei Füssen verwaltete nach dem Aussterben der Welfen und der Staufer ein kaiserlicher Vogt. Er übte die Rechtshoheit im östlichen Allgäu aus und war dort bis 1310 auch als der weltliche Herr über die Besitzungen des Hochstifts Augsburg anzusehen. Der Vogt war Richter und Steuerbeamter in einer Person. Außer der Rechtsprechung über „todeswürdige“ schwere Verbrechen oblag ihm die Kontrolle und Verwaltung aller Abgaben in Naturalien und Geld.

Wenn man bedenkt, dass die Rechtshoheiten beim Landesherrn – hier bei seinem Vogt – lagen, viele andere Rechte dagegen von den verschiedensten adligen Grundherren, Klöstern oder Städten wahrgenommen wurden, kann man nur hoffen, dass die jeweiligen Untertanen den Durchblick nicht verloren – zumal diese Hoheitsrechte zu Lehen vergeben, verpfändet oder verkauft werden konnten.

Bischöfe mehren ihren Besitz und ihre Macht

Dass Oberdorf es im Wesentlichen in der Verwaltung über Jahrhunderte nur mit dem Hochstift Augsburg zu tun hatte, macht die Geschichte einfacher. Die Bischöfe waren wohlhabend, taktierten klug und kauften, tauschten oder „erdienten“ sich alle Hochheitsrechte, die sie brauchten, um im östlichen Allgäu vom Kirchen- und Grundherrn zum Landesherrn aufzusteigen. Während die Macht des Reiches in endlosen Kriegen dahinschwand und die Adelsgeschlechter sich in ewigen Fehden verzehrten, sammelten die Bischöfe Besitz und Privilegien.

Als im Jahre 1310 König Heinrich VII. Geld für einen Italienfeldzug brauchte, stellte ihm der Bischof von Augsburg „zehn schwergerüstete Pferde mit den dazugehörigen Knechten“ für drei Monate und erhielt als Gegenleistung die Vogtei Füssen als Pfand. Das war ein glänzendes Geschäft, denn nun besaß er die volle Souveränität in unserem Raum. Das 1323 fertiggestellte Hohe Schloss in Füssen wurde Verwaltungssitz, für Oberdorf lag das zuständige Amt, ein Nebenamt der Reichsvogtei Füssen, näher in der Schlossvogtei Bertoldshofen, deren Rechte der Bischof schon im Jahre 1299 von den Herren von Kemnat käuflich erworben hatte.

Marktoberdorf wird einem Verzeichnis erstmals erwähnt

In einem Hochstiftischen Urbar (Verzeichnis des Besitzes und der Einkünfte einer Grundherrschaft) des Jahres 1366 ist endlich auch Oberdorf erwähnt in „daz sint diu guot ze Oberdorf“. 1431 gehörten dem Hochstift schon 14 Güter, darunter die beiden Maierhöfe an der Kaufbeurener Straße, die es 1299 von den Herren von Mindelheim eingetauscht hatte.

Oberdorf lief Bertoldshofen den Rang ab und konnte sich ab etwa 1400 mit eigenem Amt brüsten. Viel zu verwalten gab es nicht, denn um 1350 hatte die Beulenpest die Bevölkerung um die Hälfte dezimiert, Erdbeben, Heuschreckenplagen und Hungersnöte taten ein übriges. Dennoch ging Oberdorf nicht unter, sondern entwickelte sich in der Neuzeit bis zum Verwaltungsmittelpunkt für den Kreis Ostallgäu.