Lebensmittelknappheit

Bund Naturschutz: Darum sollen Ostallgäuer weniger Fleisch essen

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Lieber weniger, dafür aber glückliche Kühe ist nur eine Forderung des Bund Naturschutz angesichts des Mangels an Lebensmittel. Der Verband nimmt nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verbraucher in die Pflicht.

Bild: Ralf Lienert

Lieber weniger, dafür aber glückliche Kühe ist nur eine Forderung des Bund Naturschutz angesichts des Mangels an Lebensmittel. Der Verband nimmt nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verbraucher in die Pflicht.

Bild: Ralf Lienert

Der Bund Naturschutz Ostallgäu beschäftigt sich mit der Lebensmittelknappheit. Er fürchtet um wichtige Flächen für seltene Tiere. Das können Verbraucher tun.
01.05.2022 | Stand: 10:48 Uhr

„Der Krieg in der Ukraine darf nicht missbraucht werden, um schwer erkämpfte kleine ökologische Fortschritte in der Agrarpolitik wieder in Frage zu stellen.“ Der Bund Naturschutz Ostallgäu wehrt sich gegen angedachte Maßnahmen, ökologische Vorrangflächen ab 1. Juli auch für die Futter- oder Biogasnutzung freizugeben. Dies gefährde die Artenvielfalt, sei aber nur ein kleiner Beitrag zur Versorgungssicherheit. Andere Hebel seien viel wirkungsvoller, schreibt der BN in einer Pressemitteilung.

Bund Naturschutz fürchtet auch im Ostallgäu um wertvolle Flächen

Der Ausfall der landwirtschaftlichen Warenströme aus der Ukraine und Russland führt durch die Verknappung auf den Märkten zu einem Preisanstieg für Lebens- und Futtermittel sowie Düngemitteln. Der BN fürchtet nun um das große Ganze. Denn nach seinen Informationen wird auf EU-Ebene auch über ein Aussetzen „mühsam erarbeiteter Schritte zu einer gerechteren und umweltverträglicheren Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik“ debattiert, die 2023 in Kraft treten sollte. Heißt: Im Fokus stehen Schutzzonen in den Ackerregionen, sogenannte Brachflächen, die das Artensterben aufhalten sollen und damit der fortschreitenden Biodiversitätskrise entgegenwirken. „Es wird gefordert, auf diesen Flächen beispielsweise der Anbau von Leguminosen unter Anwendung von Pestiziden zu ermöglichen.“

Dagegen wehrt sich der BN: „Brachflächen sind wichtiger Nahrungs- und Lebensraum für Insekten, die zur Aufrechterhaltung biologischer Gleichgewichte und auch die Bestäubung vieler Nutzpflanzen gerade in den ausgeräumten Agrarflächen sehr wichtig sind“, erklärt Bayerns Landesvorsitzender Richard Mergner. „Brachflächen dienen außerdem als Ruhezonen für Vögel und andere Tiere. Sie dürfen nicht den Intensivierungsbestrebungen der Agrarlobby geopfert werden.“ Denn: „In der EU müssen ja nur höchstens vier Prozent der Ackerflächen als Brachfläche ausgewiesen werden. Diese jetzt auch noch zu opfern, wäre fatal!“

Weshalb mehr Qualität im Stall auch den Bauern helfen kann

Viel wirksamer sei es, den Umbau der Tierhaltung auf artgerechte Ställe voranzutreiben und weniger Tiere zu halten. Das Einkommen der Tierhalter würde dann nicht länger über große Mengen, sondern über Qualitätsproduktion zu höheren Preisenführen.

Ein anderer Punkt sei die Baupolitik. Der Flächenverbrauch müsse „durch intelligente Siedlungsentwicklung im Innenbereich und dem Stopp unsinniger Straßenbauprojekte“ eingeschränkt werden, fordert der BN. „Hier steht der Bund Naturschutz an der Seite der Landwirte, die ihre Flächen behalten wollen“, betont Mergner.

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„Der Versuch, ausbleibende Getreidelieferungen aus der Ukraine und Russland durch Mehrproduktion und Intensivierung auszugleichen, ist keine nachhaltige Lösung“, erläutert Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Bayern. „Angesichts hoher Düngerpreise, mangelnder Verfügbarkeit und hoher Energiekosten würde es sich lohnen, über eine Optimierung von Düngung und Pflanzenschutz und vielfältigere Fruchtfolgen nachzudenken.“ Insbesondere mehr stickstoffsammelnde Leguminosen zu ziehen, könnte den Düngerbedarf reduzieren und gleichzeitig Eiweißfutter liefern.

Auch die Verbraucher nimmt der BN bei der Lösung des aktuellen Versorgungsproblems in die Pflicht. „Nicht 30 Prozent der Lebensmittel in den Müll zu werfen, würde wesentlich mehr Reserven freisetzen als die Stilllegungsflächen, meist auf ertragsschwachen Standorten, zu aktivieren“, betont der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe. Es sollte vielmehr auch eine staatliche Ernährungskampagne gestartet werden, „um den Fleischkonsum auf ein gesundheitsverträgliches Maß zu reduzieren. Dadurch werden der Getreideverbrauch für die Tierfütterung und damit Fläche eingespart und auch umweltschädliche Sojaimporte aus Übersee eingeschränkt.

Viel Getreide landet bei Tieren

Öffentliche und private Kantinen, Krankenhäusern, Schulen und Kindertagesstätten müssten Vorreiter für die gesunde Küche mit kleineren Fleischportionen sein, fordert er. Denn nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft „landen in Deutschland fast 60 Prozent des Getreides in den Futtertrögen der Nutztiere, um Fleisch, Milch und Eier zu erzeugen. Nur rund ein Viertel ist für den menschlichen Verzehr bestimmt.“

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