Politik

Bundestagswahl: (Ost-)Allgäuer Grüne setzen auf ihren Frontmann Pflügl

Daniel Pflügl soll für die Grünen das Bundestags-Direktmandat erobern. Wie er das schaffen will.

Daniel Pflügl soll für die Grünen das Bundestags-Direktmandat erobern. Wie er das schaffen will.

Bild: Markus Heinrich

Daniel Pflügl soll für die Grünen das Bundestags-Direktmandat erobern. Wie er das schaffen will.

Bild: Markus Heinrich

Der Kommissar aus Bad Wörishofen ist Bezirkssprecher. Wie Pflügl für Ostallgäuer, Kaufbeurer, Unterallgäuer und Memminger das Bundestags-Direktmandat holen will.
26.10.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Kurz vor dem Versammlungsbeginn wurde es plötzlich spannend, am Ende stand dann aber ein klares Ergebnis: Die Grünen ziehen mit Daniel Pflügl aus Bad Wörishofen in den Bundestagswahlkampf 2021. Pflügl bewirbt sich um das Direktmandat im Wahlkreis 257. Dieser umfasst neben dem Landkreis Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren auch große Teile des Landkreises Unterallgäu und die Stadt Memmingen. In seiner Bewerbungsrede sparte der Kripokommissar nicht mit scharfer Kritik, vor allem an Deutschlands Innenminister Horst Seehofer von der CSU.

Warum es für Pflügl ein Heimspiel war

Für Pflügl war die Wahlversammlung ein Heimspiel im Kursaal von Bad Wörishofen, wo er Zweiter Bürgermeister ist. Weil der Landkreis Unterallgäu an diesem Tag zum Corona-Risikogebiet wurde, galten umfangreiche Maßnahmen zum Infektionsschutz. „Trotzdem ist dieser demokratische Akt wichtig“, betonte Memmingens Grünen-Sprecherin Ursula Kaltner-Bayer. „Unsere Demokratie gilt es täglich gegen antidemokratische Kräfte zu verteidigen.“

51 Stimmberechtigte waren am Ende im Saal. Sie hatten die Wahl zwischen dem Landrats-Stellvertreter Pflügl und zwei weiteren Bewerbern, wie sich kurz vor der Sitzung zeigte. Jakob Rasch, 23, aus Türkheim (Kreisverband Unterallgäu) warf seinen Hut in den Ring, ebenso Giovanni Tortiello, 42, aus dem Kreisverband Memmingen.

Rasch legte den Schwerpunkt auf Themen der Gesundheit und der psychischen Gesundheit, wo er Missstände in der Versorgung Betroffener anprangerte. Tortiello kritisierte „den Pflegenotstand“ im Land und forderte ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie die Bürgerversicherung.

Ostallgäuer hatten eine Wahlempfehlung ausgesprochen

Am Ende war es dennoch eine klare Sache für den Favoriten Daniel Pflügl aus dem Kreisverband Unterallgäu, der zuvor schon eine öffentliche Wahlempfehlung des Kreisverbands Ostallgäu erhalten hatte. Pflügl holte 35 Stimmen, Tortiello zehn und Rasch immerhin eine Stimme.

Pflügl präsentierte sich als Mann für die innere Sicherheit im Land. „Das lebe ich seit 27 Jahren, das habe ich studiert“, betonte der 45-Jährige, der seit 1993 im Polizeidienst ist, seit 2013 bei der Kripo Memmingen. Kaum ein gutes Haar ließ er dabei an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dem er ein „innenpolitisches Armutszeugnis“ in Sachen Asylpolitik ausstellte und die Grenzkontrollen als „Theatervorstellung für deutsche Urlauber auf der Rückreise“ bezeichnete.

Gibt es ein Rassismusproblem?

Gibt es ein Rassismusproblem in Deutschlands Exekutive? „Der Innenminister sagt Nö, weil er das so beschlossen hat“, kritisierte Pflügl. „Es heißt immer: Einzelfälle; aber wie viele davon braucht es denn noch?“, fragte Pflügl. Er jedenfalls „kenne keinen Kollegen, der mit einer Studie dazu ein Problem hätte“, berichtete der Polizist.

Auch den Verfassungsschutz mit „seinem Eigenleben“ müsse man endlich unter die Lupe nehmen, forderte Pflügl. „Die Demokratie braucht Bodyguards, sie ist nicht selbstverständlich“, sagte er. Der verheiratete Vater dreier Kinder will sich aber auch auf anderen zentralen Feldern einbringen. Die Mobilitätswende, der Klimaschutz und ein gesichertes Auskommen für die heimischen Bauern sind ihm wichtige Anliegen. Pflügl stellte sich als Förderer der Gleichberechtigung und überzeugter Europäer vor. Seine Heimat, das Allgäu, werde er in Berlin angemessen vertreten, damit „es hier so lebenswert bleibt“, kündigte er an.

„Tempolimit absolut sinnvoll“

Auf Nachfragen aus dem Saal erklärte Pflügl, er halte Tempo 130 auf Deutschlands Autobahnen für „absolut sinnvoll“, trete für eine Ausweitung des ÖPNV ein und für weniger Straßenbau. Die Bundesregierung wolle allein im Wahlkreis 257 rund 500 Millionen Euro in den Straßenbau investieren. „Das ist irre“, sagte Pflügl dazu.

Den Grünen selbst machte er Mut. „Wir sind für die Menschen zu einem verlässlichen Anker geworden“, betonte der Bezirkschef. „Wir müssen Verantwortung übernehmen, denn die Etablierten beschäftigten sich eher mit sich selbst; wir haben die Leute und das Know-how dazu.“

Entsprechend hoch legte Pflügls Vorgänger Günter Räder (Obergünzburg) die Latte. Die jüngsten Wahlergebnisse seien „auch das Ziel für diese Wahl“.

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