Hilfe in der Corona-Krise

„Wir müssen flexibel sein“: Was eine Erziehungsberaterin aus Marktoberdorf jetzt rät

Ein Fotoalbum zu  basteln und so das Jahr  noch einmal Revue passieren zu lassen könnte ein Weg sein, die Corona-Krise  besser zu meistern. Erinnerungsfotos können auch gut mit Verwandten geteilt werden.

Ein Fotoalbum zu basteln und so das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen könnte ein Weg sein, die Corona-Krise besser zu meistern. Erinnerungsfotos können auch gut mit Verwandten geteilt werden.

Bild: Julia Schorer

Ein Fotoalbum zu basteln und so das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen könnte ein Weg sein, die Corona-Krise besser zu meistern. Erinnerungsfotos können auch gut mit Verwandten geteilt werden.

Bild: Julia Schorer

Was Elisabeth Frank-Keller von der Familienberatung in Marktoberdorf rät, um mit coroabedingten Einschränkungen besser umgehen zu lernen.
22.12.2020 | Stand: 05:45 Uhr

Das bevorstehende Fest der Familie wird dieses Jahr definitiv anders werden. Ausgedehnte Verwandtschaftsbesuche, der Skiurlaub und andere liebgewonnene Traditionen werden nicht möglich sein. Und im Moment sieht es auch ganz danach aus, dass Corona und die dadurch bedingten strengen Beschränkungen bis weit ins neue Jahr 2021 andauern werden.

„Wir alle sollten uns bemühen, so viel Sicherheit wie möglich auszustrahlen und uns selbst zu entspannen“, sagt Elisabeth Frank-Keller von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Marktoberdorf – obwohl die Situation gerade bei Eltern auch zu Ermüdung und Erschöpfung führen könne. Auch immer mehr Kinder entwickelten Ängste in Bezug auf das Corona-Virus. Manche Kinder äußern, dass sie befürchten, etwas falsch zu machen, und dass dann Oma oder Opa sterben müssen.

„Da lastet ein unglaublicher Druck auf den Kindern“, sagt die Erziehungsberaterin. Eltern sollten Kinder aber entlasten, und ihnen versichern, dass sie gemeinsam ihr Möglichstes tun, damit alle gut geschützt sind. Auch und gerade an Weihnachten, wenn möglicherweise mehr Verwandte zusammenkommen, sei das Einhalten der Corona-Verhaltensregeln wichtig.

Stolz auf enorme Anpassungsleistungen

Für Kinder ist es eine Entlastung, wenn sie über ihre Ängste oder auch ihren Ärger sprechen dürfen und gehört werden, sagt Frank-Keller. „Ein Kleinreden der Sorgen der Kinder sollten Eltern vermeiden.“ Die bessere Lösung sei es, das Kind auf die Angst oder den Ärger anzusprechen und die unangenehmen Gefühle gemeinsam auszuhalten. Das Kind sollte in die realistische Lösungssuche mit einbezogen werden. Zum Beispiel: ein Videotelefonat zu machen oder etwas zu basteln und es in einem Brief zu schicken.

(Lesen Sie auch: "Corona ist ein Brandbeschleuniger": Ostallgäuer Psychotherapeut über Corona und Veränderungen.)

„Ob Kinder oder Erwachsene – wir alle müssen nach wie vor unglaublich flexibel sein“, sagt Frank-Keller. Es tue gut, anzuerkennen, welche enormen Anpassungsleistungen derzeit möglich sind, indem der Alltag gemeistert wird, wie er gerade täglich anders vor der Türe steht. „Es ist für Kinder und Eltern doch kaum eine Woche wie die andere.“ Um psychisch stabil und gesund zu bleiben, sei es hilfreich, sich von der Illusion zu verabschieden, dass es bald wieder so werde, wie es vor Corona war. „Im Kopf nähme andernfalls die Diskrepanz zwischen dem, wie wir’s kennen und zurücksehnen und dem, wie’s ist, eher weiter zu.“ Diese wahrgenommene Diskrepanz führe zu Unzufriedenheit und Frust.

Fragen, was heute und morgen gefordert ist

Lösungsorientierter sei es, sich damit auseinanderzusetzen, was heute und morgen gefordert ist, sagt Elisabeth Frank-Keller. Ihr Tipp, wie das gelingen kann: Den eigenen Planungszeitraum deutlich verkürzen auf den Bereich, den man realistisch überblicken kann – etwa eine Woche.

Gedanken, die sich auf Ereignisse oder Pläne danach beziehen, sollte man bewusst zurückstellen. „Mehr als vor Corona müssen wir Bedürfnisse aufschieben und können sie nicht umgehend befriedigen“. Außerdem helfe es, sich immer wieder auf das zu konzentrieren, was gut klappt. Die Experten der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung helfen , wenn Eltern allein nicht mehr weiterkommen. (az)