Kaufbeuren/Ostallgäu

Der Vorsitzende der Ostallgäuer Kreishandwerkschaft sagt: "Das Handwerk ist der Motor aus der Krise"

Nicht zuletzt dank einiger neuer Baugebiete (wie hier bei Marktoberdorf) geht es dem Handwerk in der Corona-Krise noch ganz gut.

Nicht zuletzt dank einiger neuer Baugebiete (wie hier bei Marktoberdorf) geht es dem Handwerk in der Corona-Krise noch ganz gut.

Bild: Heinz Budjarek

Nicht zuletzt dank einiger neuer Baugebiete (wie hier bei Marktoberdorf) geht es dem Handwerk in der Corona-Krise noch ganz gut.

Bild: Heinz Budjarek

Laut Kreishandwerker-Chef Robert Klauer kommen die Ostallgäuer Handwerksbetriebe gut durch die Coronakrise. Warum die Bauwirtschaft eine Schlüsselrolle hat.
05.01.2021 | Stand: 10:00 Uhr

„Das Handwerk ist ein entscheidender Faktor, um die gesamte Wirtschaft in dieser schwierigen Phase zu stabilisieren“, davon ist Robert Klauer als Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Ostallgäu-Kaufbeuren überzeugt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen kämen die Betriebe in den meisten Branchen gut durch die Krise. Corona zeige, wie wertvoll es sei, „dass wir speziell hier in Bayern eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Handwerksbetriebe haben“, stellt Klauer heraus. Besonders die Bauwirtschaft sieht er in einer Schlüsselrolle und verbindet dies mit Forderungen: „Der Staat und die Kommunen dürfen ihre Investitionen jetzt nicht zurückfahren.“

Landtagsabgeordneter Pohl: "Der Staat darf nicht an der falschen Stelle sparen"

Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) schlägt im Dialog mit Klauer in die gleiche Kerbe: „Der Staat darf nicht an der falschen Stelle sparen. Wer in der jetzigen Situation Investitionen zurückfährt, wird am Ende nur noch weniger Geld in der Tasche haben.“ Als haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion verweist Pohl darauf, dass durch den Kommunalen Finanzausgleich mehr als zehn Milliarden Euro an die Städte und Gemeinden gehen: „Ich erwarte dann aber auch, dass Städte und Gemeinden ihre Investitionen nicht coronabedingt zurückfahren. Das wäre eine denkbar schlechte Antwort auf die Herausforderungen.“

Pohl erinnert auch daran, dass die Stadt Kaufbeuren das Jahr 2020 vermutlich mit einer schwarzen Null abschließen wird, während der Freistaat nicht nur in die Rücklagen greifen muss, sondern nach vielen Jahren erstmals wieder eine merkliche Neuverschuldung in Kauf zu nehmen hat.

Der Handwerkssprecher warnt davor, Generalunternehmer zu bevorzugen

Ein weiteres zentrales Thema sind die stark steigenden Kosten, gerade bei öffentlichen Bauvorhaben. Handwerkssprecher Klauer warnte davor, öffentliche Ausschreibungen so zu gestalten, dass Generalunternehmer bevorzugt werden. Aus Erfahrung wisse er, dass gerade bei schwierigen Baustellen die Kommune Probleme schneller und sachgerechter beheben kann, wenn sie die Handwerksfirma direkt beauftragt und kein Generalunternehmer dazwischengeschaltet wird.

„Es ist außerdem nicht jedermanns Sache, sich als Subunternehmer von einem Generalunternehmer abhängig zu machen“, weiß Klauer von seinen Kollegen: In solchen Fällen würden örtliche Handwerksbetriebe oft gar nicht anbieten.

Abgeordneter Pohl: Baukultur und Qualität dürfen nicht leiden

Auch Pohl sieht die Beauftragung eines Generalunternehmers in den meisten Fällen kritisch: „Grundsätzlich besteht die große Gefahr, dass die Baukultur, die Qualität und Individualität verloren geht und damit das Orts- und Stadtbild darunter leidet. Ich brauche nicht für alles einen Wettbewerb, möchte aber die Erfahrung kreativer Architekten und Handwerksbetriebe vor Ort nutzen.“

Klauer und Pohl, beide Mitglieder im Kaufbeurer Stadtrat, landeten im Dialog auch bei einem Thema der Stadtpolitik: der Schaffung ausreichenden und bezahlbaren Wohnraums.

Der Landkreis Ostallgäu spürt starken Zuzug aus dem Großraum München

Pohl verwies auf den „starken Zuzugsdruck aus dem Großraum München, der seit Jahren in Kaufbeuren und im nördlichen Ostallgäu spürbar sei: „Dem können wir nur dadurch begegnen, dass wir ausreichend bezahlbaren Wohnraum schaffen, sonst sind am Ende die Einheimischen die Verlierer“, warnt Pohl.

Er forderte erneut, speziell in Städten wie Kaufbeuren flächensparend zu bauen. „Dabei ist die Überbauung von Parkplätzen und Verkehrsflächen ebenso ein Thema wie der Bau von Hochhäusern an geeigneter Stelle“, heißt es in einer Pressemitteilung Pohls.

Handwerkssprecher Klauer fordert mehr Mut vom Gesetzgeber

Klauer fordert vom Gesetzgeber in Berlin und München noch mehr Mut zur Entbürokratisierung: „Überquellende Bauverordnungen sorgen für einen hohen Verwaltungsaufwand für die Betriebe, für lange Ausführungszeiten und somit für steigende Preise.“

Bernhard Pohl sieht hier die Novelle der Bayerischen Bauordnung als einen ersten richtigen Schritt: „Die Gesetzesänderung geht in die richtige Richtung.“ Man müsse aber die kritische Überprüfung bürokratischer Hürden als Daueraufgabe begreifen. Mit Blick auf den Denkmalschutz verlangt Pohl Augenmaß.