US-Wahl 2020

„Trump verhält sich kindisch": So bewerten eine Allgäuerin in den USA und ihr Mann die Amerika-Wahl

Wen finden sie besser, Donald Trump oder Joe Biden? Die Marktoberdorferin Carolin Roth Wygant und ihr US-Ehemann Mike lassen an ihren politischen Präferenzen im Interview keinen Zweifel aufkommen.

Wen finden sie besser, Donald Trump oder Joe Biden? Die Marktoberdorferin Carolin Roth Wygant und ihr US-Ehemann Mike lassen an ihren politischen Präferenzen im Interview keinen Zweifel aufkommen.

Bild: Evan Vucci/Patrick Semansky, AP, dpa

Wen finden sie besser, Donald Trump oder Joe Biden? Die Marktoberdorferin Carolin Roth Wygant und ihr US-Ehemann Mike lassen an ihren politischen Präferenzen im Interview keinen Zweifel aufkommen.

Bild: Evan Vucci/Patrick Semansky, AP, dpa

„Trump verhält sich unwürdig“, sagen eine Deutsche aus Marktoberdorf und ihr US-Mann im Interview nach den US-Wahlen 2020. Warum sie keine Unruhen fürchten.
16.11.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Knapp 14 Tage ist die US-Präsidentenwahl her, und noch immer erkennt Donald Trump den Wahlsieg Joe Bidens nicht an. Die Marktoberdorferin Carolin Roth Wygant, die in Camarillo an der Westküste lebt, kann es nicht fassen. „Trump verhält sich kindisch. Es ist unwürdig, dass er den Sieg der Demokraten nicht anerkennt“, findet die Stewardess. „Das zeigt Trumps Wahn und Selbstverliebtheit. Trumps Fans, die jetzt protestieren, hat man einer Gehirnwäsche unterzogen“, sagt sie. Der Vorwurf der Wahl-Manipulation sei aus der Luft gegriffen.

Warum sie mit Trump-Wählern nicht über Politik sprechen

Roth Wygant zog nach der Heirat mit ihrem US-Mann Mike (44) vor sechseinhalb Jahren in die Staaten. Sie haben zwei kleine Kinder. Ihr Mann tickt politisch ähnlich wie sie: „Zum Glück. Sonst hätte ich mich scheiden lassen“, sagt sie. Sie lacht über den Scherz, ist aber gleich wieder ernst: Sogar im liberalen Kalifornien treffe man viele Trumpisten. „Ich kenne auch ganz coole Trump-Wähler. Aber ich hab’ die Erfahrung gemacht, dass man mit ihnen besser nicht über Politik spricht.“ Lieber breche sie ein Gesprächsthema ab, als eine Freundschaft zu gefährden.

Die Marktoberdorferin Carolin Roth Wygant lebt seit sechseinhalb Jahren mit ihrem US-Mann, Zahnarzt Dr. Mike Wygant, in den Staaten.
Die Marktoberdorferin Carolin Roth Wygant lebt seit sechseinhalb Jahren mit ihrem US-Mann, Zahnarzt Dr. Mike Wygant, in den Staaten.
Bild: Wygant

Wie unversöhnlich sich die zwei politischen Lager gegenüberstehen, macht sie anhand von Dave, des besten Freundes ihres Mannes, klar: „Er hat Angst, dass seine Schwiegermutter – sie lebt mit im Haus und ist Hardcore-Republikanerin – einen schlechten Einfluss auf seine Kinder hat.“

"Trump ist ein kleines Kind im Körper eines Mannes"

„Trump ist ein kleines Kind im Körper eines Mannes“, sagt ihr Mann Mike Wygant, von Beruf Zahnarzt. Im Gespräch mischt der Kalifornier immer wieder deutsche Brocken in seine Sätze. Seine Analyse ist deutlich: „Trump war extrem schlecht für die US-Politik und die internationale Gemeinschaft.“ Er ist froh über das Wahlergebnis, aber enttäuscht, dass so viele Millionen erneut Trump wählten.

Mo US-Wahl
Dr. Mike Wygant aus Camarillo (Kalifornien) ist von Beruf Zahnarzt.
Bild: Wygant

Welche Rolle die US-Medien spielen

Er erklärt das damit, „dass sich viele Leute via Facebook nur mit Nachrichten aus ihrer eigenen Blase informieren“. Die TV-Stationen verstärken die Spaltung im Land. So habe "Fox News" nicht nur republikanernah, sondern zeitweise wie ein Propagandasender berichtet. „Die verkaufen auch Unterhaltung, Satire und ihre Meinung als Nachrichten“, sagt Wygant. „Und ihre Zuschauer nehmen das ernst und glauben, dass die Demokraten böse sind und Amerika zerstören wollen.“

Mike Wygant kritisiert, dass viele Republikaner Trump nur unterstützen, weil er an ihrer Spitze steht. „Das war auch bei meiner Sprechstundenhilfe so, die jetzt nach Oklahoma gezogen ist“, sagt er. „Aber sie hatte Humor“, sagt seine Frau. „Sie hat sich gefreut, als wir ihr zum Abschied ausgerechnet eine lustige Trump-Tasse geschenkt haben.“

"Mein Vater ist Republikaner, hasst aber Trump"

Mike Wygant sagt, dass längst nicht alle Republikaner Trump-Fans sind. „Mein Vater ist konservativ, hasst aber Trump!“ Die von Trump unterwanderte, immer mehr nach rechts driftende Partei mit ihren ultragläubigen Mitgliedern habe nur noch wenig mit den wirtschaftsfreundlichen Konservativen der Reagan-Ära zu tun. „Sie standen nur für einen schlanken Staat und niedrige Steuern“, erklärt er. Damit identifizieren sich nach wie vor viele Amerikaner, sagt seine deutsche Frau: „Für sie zählen nur Wirtschaft, Geld und der Einzelne. Gemeinschaft und Solidarität haben keinen so hohen Stellenwert wie bei uns.“

Angst vor Unruhen haben die Wygants nicht. „Die Trumpisten reden nur“, sagt Mike Wygant. Die Verantwortlichen ließen es nicht so weit kommen. Er hält es für ausgeschlossen, dass Trump doch Präsident bleibt. „Wenn Trump das Weiße Haus nicht verlässt, trägt ihn das Militär raus.“ Wahrscheinlicher sei, dass sich Trump letztlich doch zum Golfspielen ins Rentnerparadies Florida zurückziehe. Seine Frau denkt das auch. „Die Medien sprechen schon weniger über die Wahl. Corona betrifft die Leute in ihrem Alltag mehr.“

Witze auf Trumps Kosten: Noch beim Marktoberdorfer Gaudiwurm im Fasching 2018 ging Carolin Roth Wygant als Donald Trump, ihr Ehemann Mike mimte anlässlich Trumps Mauerbau-Plänen einen (illegal eingewanderten) Mexikaner.
Witze auf Trumps Kosten: Noch beim Marktoberdorfer Gaudiwurm im Fasching 2018 ging Carolin Roth Wygant als Donald Trump, ihr Ehemann Mike mimte anlässlich Trumps Mauerbau-Plänen einen (illegal eingewanderten) Mexikaner.
Bild: Wygant