Jubiläum in Marktoberdorf

Diamantene Hochzeit: Wie ein Motorrad für die Liebeszündung sorgte

Osterried

60 lange Ehejahre: Peppi und Otto Osterried feiern am Dienstag diamantene Hochzeit.

Bild: Anton Reichart

60 lange Ehejahre: Peppi und Otto Osterried feiern am Dienstag diamantene Hochzeit.

Bild: Anton Reichart

Otto Osterried sah seine Josefa "Peppi" zum ersten Mal auf einem Trachtenfest und beeindruckte sie mit seinem Motorrad. Nun feiern sie ihren 60. Hochzeitstag.
04.05.2021 | Stand: 09:31 Uhr

Auf die Große Trommel hauen, das ist Geschichte für den stadtbekannten Landwirt, Kommunalpolitiker und Vereinsmenschen Otto Osterried. Heute ist Osterried ganz Privatmann und widmet sich seiner Frau Josefa, genannt Peppi, anstatt einen Beruf und seine zuvor so zahlreichen Ehrenämter auszuüben. Aus gutem Grund: Die beiden feiern ihre diamantene Hochzeit.

Geboren ist Otto Osterried 1936 in Ronried auf dem elterlichen Bauernhof. Nach dem Besuch der Volks- und der Berufsschule arbeitete er in einem Sägewerk, das aber pleite ging. So erledigte Osterried gemeinsam mit anderen privat Drainagearbeiten. Zwar musste er am elterlichen Hof mitarbeiten, wollte aber zunächst nicht offiziell Bauer werden. Der Beruf Industriemechaniker gefiel ihm besser.

Erste Begegnung auf einem Trachtenfest in Bertoldshofen

Seine spätere Frau erblickte 1938 das Licht der Welt auf dem Maderhof. Der lag dort, wo heute der große Parkplatz des Traktorenherstellers Fendt ist. Eigentlich wollte sie eine Lehre machen, absolvierte aber letztlich die Landwirtschaftsschule. Die Landwirtschaft sollte auch sie ein Leben lang begleiten. Noch heute hört sie viel lieber ihren Spitznamen: „Ich heiß’ Peppi, aber das hat bei Fremden immer wieder einmal zu Verwechslungen geführt, weil das als männlicher Vorname empfunden wurde“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Der junge Ronrieder Otto und die junge Marktoberdorferin Peppi begegneten sich zum ersten Mal auf einem Trachtenfest in Bertoldshofen. Er sei mit einem Motorrad gekommen, das habe sie fasziniert. Bei einem weiteren Treffen habe er sie gefragt, und sie sei erstmals mit ihm auf dem Motorrad mitgefahren. Am 4. Mai 1961 heirateten die beiden.

Der schwiegerelterliche Maderhof war Otto Osterried aber zu klein. Er ging lieber zum Fendt zum Arbeiten. Als Wohnsitz war der Hof dagegen für ihn bequem. „Ich hatte nur fünf Minuten zum Arbeitsplatz.“ Später wollte der Traktorenhersteller erweitern und den Maderhof kaufen. Auf Vermittlung von Fendt konnte Osterried im Gegenzug sein heutiges Gelände in der Thalhofener Zugspitzstraße kaufen. Osterried war damals, 1963, nicht der einzige Landwirt, der aus dem Stadtzentrum aussiedelte. Rundum waren Felder, das Gewend existierte noch nicht. Nachdem die beiden mit dem Opa, einem Zimmerer, ihren eigenen Hof dort gebaut hatten, hörte Otto Osterried bei Fendt auf.

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In der Zwischenzeit wuchs die Familie des Paars: 1962 kam Sohn Max zur Welt, 1967 Tochter Monika, 1970 Sohn Andreas, 1972 Tochter Renate. Sieben Enkel und einen Urenkel haben sie heute. „Und ein weiterer ist gerade unterwegs“, erzählen die beiden Jubilare.

Otto Osterried skypt und hört fetzige Musik auf YouTube

Otto Osterried war Ehrenamtler durch und durch: Orts-, später Kreisobmann-Vize des Bauernverbands, er war bei der Betriebshelferstation, Stadtrat – elf Jahre für die CSU, dann 19 Jahre für die Freien Wähler –, war Kreisrat, bei Feuerwehr und Schützenverein. „Es war wie eine Erlösung, wenn ich in eine Musikprobe gekommen bin“, erinnert er sich an die Große Trommel bei der Blasmusik, die ihm willkommener Ausgleich war, was auch seine Frau unterstreicht.

Ehrungen zuhauf kamen im Laufe der Jahre zusammen: Bauernverband, Maschinenring, Landkreis, Feuerwehr, der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh und neben vielen weiteren Ehrungen die Bayerische Staatsmedaille. Das viele Ehrenamt ging nur, weil die Familie am Hof mithalf. „Ich hab’ ja auch eine Bäuerin gehabt“, dankt er seiner Frau, die ihm den Rücken gestärkt hat.

Beide waren öfters auf Drei- bis Acht-Tages-Ausflügen unterwegs. Heute pflegt Otto Osterried seine Hobbys weiter, etwa das Fotografieren und Filmen: „Nur ist meine Hand nicht mehr so ruhig.“ Oder das Singen und Musizieren, das beide Jubilare gern machen. Peppi Osterried liegt der Garten am Herzen. Am Mittwoch lassen sich die beiden zum Ehejubiläum nochmals in einer Messe in der Thalhofener St.-Michaels-Kirche segnen.

Otto Osterried geht übrigens mit der Zeit. So bekam er mit 85 Jahren ein Tablet, mit dem er auch skypt und Kontakt mit den Verwandten und der übrigen Welt hält. So hört er sich auf YouTube junge, fetzige Musiker an. Selbst auf die Große Trommel haut er aber nicht mehr.

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